Verbraucher : Das Netz am besten selber wählen

Mobil telefonieren im Ausland wird etwas günstiger

Henning Zander

Überzogene Handy-Gebühren für das Telefonieren im Ausland sollen bald der Vergangenheit angehören. Die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding hat den Mobilfunkanbietern angedroht, die Preise durch eine Verordnung zu regeln. Denn sie sind nach ihrer Meinung viel zu hoch. Befindet man sich im Ausland, dann können die Kosten für ein vierminütiges Handy-Gespräch in ein anderes europäisches Land zwischen 20 Cent und 13 Euro liegen. Notfalls will Reding sogar die Extragebühr, die entsteht, wenn ein Kunde im Ausland ein fremdes Netz nutzt (Roaming-Gebühr), ganz verbieten. Dann würde der Preis für einen Anruf aus dem Ausland nach Hause nur noch so hoch sein, wie für ein Gespräch im Inland. Spätestens im Sommer 2007 soll es soweit sein.

Die Mobilfunkanbieter haben bereits angekündigt, die Preise deutlich zu senken. Vodafone will die Kosten für die Telefonate um 40 Prozent verringern und bietet für diesen Sommer spezielle Spartarife für das Ausland an. Eine Rechnung, die nach Meinung von Torsten Elsner von Tariftip nicht immer aufgeht. „Man muss sich die Tarife ganz genau ansehen“, sagt Elsner. Als Beispiel nennt er das Tarifangebot ,Reiseversprechen’ von Vodafone. Hier wird eine einmalige Gebühr von 75 Cent pro Anruf aus dem Ausland fällig, ansonsten wird der Preis für Inlandsgespräche abgerechnet. „Das kann sich dann lohnen, wenn man lange Gespräche führt. Aber wenn man nur kurz zu Hause anrufen will, kann es sehr teuer sein“, sagt Elsner. Ähnlich ist es mit den verschiedenen Welttarifen, die von den vier Netzbetreibern angeboten werden (siehe Kasten).

Mit ihnen soll sich der herkömmliche Tarifdschungel lichten, indem die Anbieter nicht in jedem Land einen anderen Tarif abrechnen. Allerdings kann es bei diesen Einheitstarifen passieren, dass sie in einzelnen Ländern teurer sind als die ursprünglichen Roaming-Preise. Wer die Einheitstarife nicht nutzt, sollte sich vor der Abreise über das jeweils günstigste Netz im Reiseland informieren (siehe Tabelle). Bei der Ankunft sollte man dieses Netz dann manuell über das Menü „Einstellungen“ oder „Verbindungen“ auswählen. Stellt man dagegen die automatische Netzauswahl ein, wählt das Handy sich in das stärkste Netz ein.

Eine Kostenfalle stellt die Mailbox dar. „Man sollte die Rufumleitung am besten ausschalten, bevor man ins Ausland fährt“, rät Michael Wolf von der Stiftung Warentest. Denn für jeden Anruf, der auf der Mailbox gespeichert wird, bezahlt man mindestens zwei Mal. Der Anrufer kann nicht wissen, dass man sich im Ausland befindet. Er bezahlt deshalb nur den Inlandstarif. Man selbst muss für die Kosten aufkommen, die im Ausland entstehen. Innerhalb der EU können diese bei bis zu 69 Cent pro Minute liegen. Ist man nicht erreichbar, wird der Anruf wieder zurück nach Deutschland an die Mailbox geleitet. Dafür werden die normalen Gebühren für einen Auslandsanruf fällig. Wenn man dann außerdem noch die Mailbox aus dem Ausland abhört, wird hierfür ebenfalls eine Gebühr fällig.

Doch nicht bei allen Handys ist es möglich, die Rufumleitung auszuschalten. „Wer über die Prepaid-Karte eines Discounters telefoniert, kann oft nicht auf diese Funktion zugreifen“, sagt Wolf. Im Preisvergleich schließen die Discounter im Ausland außerdem deutlich schlechter ab. Da sie oft nur einen Roaming-Partner im jeweiligen Land haben, kann man das Netz außerdem nicht wechseln. Um einer hohen Rechnung aus dem Weg zu gehen, sollte man darüber nachdenken, ob nicht eine einfache SMS reicht. Denn die kostet von fast überall nicht mehr als 40 Cent. Ihr Empfang kostet im Ausland gar nichts.

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