Verbraucher : Das pralle Leben

Heike Jahberg

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testet ein Tamagotchi

Es kommt wirklich alles wieder. Selbst die Tamagotchis sind zurück. Erinnern Sie sich noch? Das sind diese kleinen virtuellen Wesen der japanischen Firma Bandai, die aus dem Ei schlüpfen und die man füttern, säubern, trainieren und beschmusen muss, damit sie wachsen und gedeihen. Seit kurzem haben auch wir ein solches Tamagotchi. Unseres heißt Maria, obwohl es ein Junge ist. Aber das haben wir erst später bemerkt, nachdem wir die Anleitung gelesen hatten. Überhaupt ist es ganz schön kompliziert, sich um ein Tamagotchi richtig zu kümmern. In unserer Familie kann das eigentlich nur einer – mein Gatte.

Mit einem Tamagotchi lernt man viel über seine Kinder. Tom und Linda wollen unbedingt ein Haustier, doch das Tamagotchi bringt es ans Licht: Wer noch nicht einmal Computerwesen versorgen kann, ist auf keinen Fall reif für Hund oder Katze.

Denn auch so ein Tamagotchi braucht Pflege, allerdings kann man die mit einem Knopfdruck erledigen. Es hat Hunger und will gefüttert werden. Ich weiß nicht, wie man Maria richtige Mahlzeiten verabreicht. Ich kann ihm nur Süßkram füttern. Deshalb musste unser Tamagotchi auch schon oft zum Zahnarzt. Außerdem spielt Maria gern. Inzwischen hat unser Tamagotchi eine nette Ausrüstung beisammen. Es hat einen Teddy, ein Skateboard und einen eigenen Computer. Außerdem schläft es viel. Zum Glück. Denn wenn das Tamagotchi den Schulunterricht stören würde, würde Maria konfisziert und bekäme tagelang nichts zu essen. Und bestimmt würde die Lehrerin auch nicht Marias Ausscheidungen beseitigen. Nicht auszudenken, in welchem Zustand das Wesen nach ein, zwei Tagen wäre! Eine schöne Sauerei!

Deshalb bleibt Maria meistens zu Hause. Obwohl wir ihn auch dort nicht so richtig unter Kontrolle haben. Neulich haben wir Maria nur kurz aus den Augen gelassen, und schon ist es passiert. Denn die Tamagotchis von heute sind keine Einzelgänger mehr, sondern können mit anderen in Verbindung treten. Maria hat sich zum Beispiel per Infrarot-Verbindung eine Tamagotchi-Frau gesucht, und nach einem Fernsex-Quickie kam plötzlich Nachwuchs. Jetzt haben wir ein uneheliches Tamagotchi-Baby namens Linda großzuziehen.

Tamagotchis kosten knapp 20 Euro und sind in den meisten Kaufhäusern erhältlich. Ich finde, das Geld ist gut angelegt. Man spart das Haustier. Und: Billiger wird man nie wieder zur Oma.

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