Verbraucher : Das Sparversprechen

Für viele Medikamente gibt es von Juli an keine Zuzahlung mehr, doch nur wenige Patienten profitieren

Maren Peters

Pillen, Preise, Politik – für den Verbraucher ist es oft nur schwer zu durchschauen, warum er viele Medikamente, die früher die Kasse gezahlt hat, plötzlich selbst bezahlen soll und für andere zumindest eine saftige Zuzahlung leisten muss. Bei der jüngsten Neuregelung könnte er erst einmal frohlocken: Seit dem 1. Juli sind mehr als 2100 besonders preisgünstige Medikamente, darunter Antibiotika, Blutdrucksenker und Mittel gegen Depression und Epilepsie, ganz von der Zuzahlung befreit (siehe Kasten), weitere sollen im Herbst folgen.

Was bedeutet das für Patienten?

„Es gibt immer wieder Kunden, die denken, dass jetzt alle Medikamente zuzahlungsbefreit sind und die dann sehr enttäuscht sind“, sagt Rainer Bienfait, Inhaber der Otto-Apotheke in Moabit und Vorsitzender des Apotheker-Verbands Berlin. Ihnen muss er dann geduldig erklären, dass lange nicht alle Menschen und nicht alle Krankheitsbilder von der neuen Regelung profitieren. Denn viele besonders umsatzstarke und häufig verschriebene Arzneimittel wie Blutdrucksenker oder Herz-Kreislauf-Mittel sind von der Zuzahlungsbefreiung ausgenommen.

Welche Mittel sind zuzahlungsbefreit?

So ist zum Beispiel das Antibiotikum Amoxicillin nur als Lösung von der Zuzahlung befreit, in der bei Erwachsenen am häufigsten verordneten Tablettenform aber nicht. „Die Säfte sollen nur bei Kindern verordnet werden, aber die sind sowieso zuzahlungsbefreit“, sagt der Apotheker. Ein anderes Antibiotikum (Ampicillin) ist nur von der Zuzahlung befreit, wenn es gespritzt oder injiziert wird. „In der Praxis kommt das aber eigentlich nicht vor“, sagte Bienfait.

Auch die Regelung, dass die Blutdrucksenker Atenolol und Chlortalidon zwar in Kombination zuzahlungsbefreit sind, aber nicht, wenn Atenolol alleine verschrieben wird, dürfte für Verbraucher kaum nachvollziehbar sein. Die Entscheidung, ob Medikamente zuzahlungsbefreit sind, fällen die Kassen. Ausschlaggebend ist, ob sie trotz entgangener Zuzahlung eine Einsparung erwarten können, denn das ist das Ziel der Neuregelung. Grundlage für ihre Entscheidung sind die Preismeldungen der Hersteller: Sie können ihre Preise so weit senken, dass Versicherte keine Zuzahlung leisten müssen.

Wie können Verbraucher sparen?

Eine vollständige Liste der zuzahlungsbefreiten Medikamente haben die gesetzlichen Krankenkassen zum Herunterladen ins Internet gestellt (www.gkv.info). Sie wird alle zwei Wochen aktualisiert. Einige Krankenkassen schreiben ihre Versicherten auch gezielt an und weisen auf Medikamente hin, bei denen die Zuzahlung jetzt entfällt.

Die Neuregelung soll Patienten anregen, beim Arzt nach preisgünstigen Alternativen zu fragen. Aber Vorsicht: Den Arzt darauf zu drängen, einen anderen Blutdrucksenker mit gleichem Wirkstoff oder ein alternatives Mittel gegen Depression oder Epilepsie zu verschreiben, um fünf oder zehn Euro Zuzahlung zu sparen, sei nicht unbedingt ratsam, sagt Apotheker Bienfait. „Das kann sogar unsinnig sein, wenn der Patient auf ein bestimmtes Medikament gut eingestellt ist.“ Denn jeder Mensch reagiert anders auf ein Medikament, daher sind nicht alle Mittel für jeden gleich gut verträglich. Im Zweifelsfall sollten Sie die Entscheidung Ihrem Arzt überlassen.

Die Alternativen:

Wer regelmäßig bestimmte Medikamente braucht, kann auch durch Bestellung bei einer Internet- oder Versandapotheke Geld sparen (siehe nebenstehender Artikel). Die Preise für verschreibungspflichtige Präparate sind zwar überall gleich, einige Internetapotheken mit Sitz im Ausland erlassen aber zumindest einen Teil der anfallenden Zuzahlungsgebühren. Deutsche Versandhändler dürfen das nicht. „Das lohnt sich vor allem für Chroniker“, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Auch bei den nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten kann man am meisten Geld im Internet sparen, sagt Kranich. Seit Anfang 2004 ist die Preisbindung für viele Hustenmittel, Rheumasalben oder Halstabletten aufgehoben, seitdem dürfen die Apotheken auch Rabatte geben. „Studien haben aber gezeigt, dass die Preise bei den stationären Apotheken noch immer sehr ähnlich sind“, sagt der Verbraucherschützer.

Sparen mit Import-Arzneimitteln

Auch mit Import-Arzneimitteln kann man bei verschreibungspflichtigen Mitteln sparen. „Medikamente in Deutschland sind teilweise doppelt so teuer wie im Ausland“, sagt Verbraucherschützer Kranich. Er rät Patienten, in der Apotheke gezielt nach Import-Präparaten zu fragen. Wegen fremdsprachiger Beipackzettel und abweichender Produktnamen komme es aber mitunter zu Irritationen.

Lebensstil ändern

Viele Krankheiten, darunter HerzKreislauf-Beschwerden, Diabetes oder Gelenkprobleme, sind oft Folge von falscher Ernährung und zu wenig Bewegung. Patienten, die darunter leiden, können viel Geld für Arzneimittel sparen, indem sie ihren Lebensstil umstellen. „Es gibt für viele Probleme nichtmedikamentöse Alternativen“, sagt Kranich, „gerade bei Zivilisationskrankheiten.“

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