Verbraucher : Dem Gemüse Dampf machen

Tissy Bruns,Jochen Dietrich

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testen einen Dampfgarer Nicht im Wasser kochen, sondern im heißen Dampf garen: Die Idee ist viele tausend Jahre alt und kommt aus China. Für zwei Wochen steht in unserer Küche die moderne Version von Miele; sie kann eingebaut oder einfach aufgestellt werden, das Wasser für den Dampf füllt man in einen handlichen Behälter, die Energie kommt aus der Steckdose. Schon rein äußerlich ein echter Mittelschicht-Traum: Das übersichtliche Gerät flößt dem Koch das Gefühl ein, er stehe vor einer kleinen Kommandozentrale. Es sieht aus wie ein kleiner Backofen, schlichte Front, Edelstahl-Garbehälter, gelocht und ungelocht, innen glatte Flächen, an denen nichts anbrennt oder festbackt. Denn es ist allein der heiße Dampf, der Möhren, Reis, Fisch oder Fleisch zubereitet.

Mit dem linken Knopf muss der Dampfgarer programmiert werden: Garen Universal, Fleisch oder Fisch oder Gemüse, Auftauen oder Erhitzen. Rechts werden Temperatur und Dampfzeit eingestellt. Ein Koch-Beschleuniger wie der gute alte Schnellkochtopf ist der Dampfgarer nicht. Aber einfacher hat man es mit ihm, vorher, dabei und hinterher. Wir fangen bescheiden an: Kartoffeln und Spargel, von gestern aufgewärmt, es geht flott, es schmeckt, und danach muss nur das Wasser durch einfaches Wischen entsorgt werden. Dass Gemüse besonders schonend, farbenfrisch und gesund aus dem Gerät kommt, preisen alle Hersteller an. Aber kann man ganze Gerichte, gesalzen und richtig abgeschmeckt, auf den Tisch bringen? Wie wäre es mir dem Ratatouille-Rezept aus dem mitgelieferten Kochbuch? Paprika, Zucchini, Auberginen, Champignons und was an Öl, Kräutern, Salz und Pfeffer noch dazugehört in einen ungelochten Behälter – köstlich! In den zwei Testwochen probieren wir Reis (okay), blanchieren Gemüse für italienische Vorspeisen (erstaunlich lecker) und Zanderfilet im Gemüsebett. Zu guter Letzt schwingen wir uns zu einem richtigen Fleischgericht auf: Der Tafelspitz mit Bouillongemüse braucht zwar zehn Minuten länger als das Kochbuch behauptet; dem Ess-Vergnügen schadet das nicht.

Der ganz große Knüller war ein Gericht, bei dem wir uns eigentlich für perfekt gehalten haben. Das große Spargel- Vergleichskochen, ja, das hat der Dampfgarer nach übereinstimmendem Urteil der Gäste für sich entschieden. Neun Punkte für den genialen Koch. Der zehnte fehlt, weil die Brille immer so beschlägt, wenn man die Tür öffnet, um die fertigen Gerichte aus dem Dampf zu holen.

Mehr zum Thema Fleischzubereitung mit dem Dampfgarer lesen Sie im „Tagesspiegel am Sonntag“.

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