Verbraucher : Der Alleskönner

Carsten Brönstrup

Das Testurteil: 9 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet eine Küchenmaschine Mit dem Kapitalismus ist das so eine Sache. Derzeit hat er ein echtes Sympathieproblem, gerade bei der SPD. Allerdings bringt das die Sozialdemokraten in eine dumme Situation. Denn im System von Markt, Macht und Managern sind Maschinen unverzichtbar. Etwa Handy oder Computer: Sie machen das Leben leichter. Aber sie beschleunigen eben auch die Globalisierung, sparen menschliche Arbeit ein. Nehmen wir die Küchenmaschine Kenwood Multipro FP 920 (Preis: 179,99 Euro): ein reiner Arbeitsplatzvernichter.

Zwar deuten die üppige Verpackung und die zig Zubehörteile darauf hin, dass sie von vielen fleißigen Händen produziert worden sein muss. Zugleich macht sie aber alle Zitrusfruchtpresser beschäftigungslos – denn es gibt einen rotierenden Aufsatz, der Orangen oder Pampelmusen beinahe mühelos den Saft entreißt. Mittels eines ordentlich arbeitenden Entsafters lässt sich auch das heimische Gewächs – Äpfel, Karotten, Tomaten – flugs zu Flüssigkeit verarbeiten. Stark rationalisierend wirkt daneben die Mini-Mühle, die Kräuter, Parmesan, Gewürze oder Getreide zerkleinert. Des Weiteren kann das Gerät all das, was eine Küchenmaschine können muss – Teig kneten, Gurken grob oder fein schneiden, Käse raspeln, Kartoffeln pürieren, Fleisch klein hacken, Sahne schlagen. All das übrigens mit einem durchaus erträglichem Geräuschpegel. Der 1,5-Liter-Mixeraufsatz besteht aus Glas, das dürfte ihm eine deutlich längere Lebensdauer sichern. Das Gute ist zudem: Alle Teile gehören zur Grundausstattung – ohne Aufpreis. Das ist bei der Konkurrenz nicht immer so.

Allerdings ist es nicht einfach, angesichts der Fülle des Beiwerks den Überblick zu behalten. Besonders vor der ersten Inbetriebnahme gilt es wie beim Puzzeln, die richtigen Teile zu finden – und sie dann richtig ineinander zu stecken. Klickt es dabei nicht so, wie sich die japanischen Ingenieure das gedacht haben, rührt sich im maschinellen Rührwerk gar nichts. Der Kniff aber ist schnell gefunden. Trotzdem dürften sich Küchen-Novizen mit dem Gerät schwer tun. Es fehlt nämlich ein kleines Kochbuch, das ein paar Ideen für die sinnvolle Nutzung der vielen Schüsseln und Messer parat hält. Letztlich wissen Maschinenskeptiker aber, dass für den Kenwood-Apparat das Gleiche gilt wie für alle Küchenmaschinen: Rationalisierung hin oder her, das Spülen nach dem Kochen macht stets die meiste Arbeit.

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