Verbraucher : Der große Endspurt

Wie Steuerzahler, Autofahrer, Bahnkunden und Anleger jetzt noch Geld sparen können / Verjährungswelle zum Jahresende

Heike Jahberg

Die Zeit drängt. Wer jetzt noch Steuern sparen, offene Rechnungen einklagen oder Versicherungsschäden abrechnen will, muss sich sputen. Viele Fristen laufen am Jahresende aus, einige aber auch schon Ende dieses Monats. Wir sagen Ihnen, wo Sie nun Gas geben sollten.

Steuern. Wer auf seiner Steuerkarte für das Jahr 2004 jetzt noch Freibeträge eintragen lassen möchte, hat dafür nur noch bis zum 30. November Zeit. Hohe Werbungskosten oder Ausgaben für die Fort- und Weiterbildung, Unterhaltszahlungen an den oder die Ex, Spenden in beträchtlicher Höhe – all das können Sie im „Lohnsteuerermäßigungsverfahren“ jetzt noch nachträglich für das Jahr 2004 auf Ihrer Steuerkarte eintragen lassen. „Ihr Arbeitgeber verrechnet die Freibeträge dann schon beim Dezember-Gehalt“, weiß Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Das heißt: Steuerzahler kommen schon vor ihrem Steuerbescheid in den Genuss steuerlicher Erleichterungen. Übrigens: Auch für das Jahr 2005 können Sie jetzt schon diese Freibeträge vom Finanzamt eintragen lassen.

Lebensversicherungen. Wer jetzt noch eine steuerbegünstigte Lebensversicherung abschließen will, muss den Vertrag bis zum 31. Dezember 2004 unterschreiben. Dann bleibt der Ertrag – unter bestimmten Voraussetzungen – steuerfrei. Die Prämien können Sie zudem als Sonderausgaben von der Steuer abziehen, wenn Sie Ihren Sonderausgabenabzug nicht schon anderweitig ausgeschöpft haben. Das ist vor allem bei Selbstständigen und Beamten der Fall. Beiträge zu nach dem 31. Dezember abgeschlossenen Versicherungen sind nur noch bei reinen Leibrentenverträgen steuerlich absetzbar. Und: Bei nach dem Jahreswechsel unterschriebenen Lebensversicherungen mit Einmalauszahlung werden die Gewinne mindestens zu 50 Prozent besteuert.

Riester-Zulagen. Wer im Jahr 2002 eine staatlich geförderte Riester-Rente abgeschlossen, bis jetzt aber noch keinen Zulagenantrag gestellt hat, sollte sich beeilen. Denn beantragen Sie nicht bis Jahresende die Fördergelder für das Jahr 2002, verschenken Sie bares Geld. Die Zulagen für das Jahr 2002 sind dann nämlich unwiderruflich verloren.

Lohnsteuerjahresausgleich. Der gute, alte Lohnsteuerjahresausgleich heißt seit einiger Zeit Arbeitnehmer-Veranlagung, unterliegt aber denselben Regeln wie früher. Arbeitnehmer, die nicht sowieso schon vom Finanzamt zur Einkommensteuer veranlagt werden, können und sollten eine Steuererklärung machen, wenn sie hohe Werbungskosten oder andere steuerlich absetzbare Belastungen geltend machen können. Die Frist für das Steuerjahr 2002 endet am 31. Dezember dieses Jahres.

Wohnungsbauprämie. Wer einen Bausparvertrag hat, kann ebenfalls für das Jahr 2002 noch bis zum Ende dieses Jahres unter bestimmten Voraussetzungen eine Wohnungsbauprämie beantragen.

Spekulationsgeschäfte. Haben Sie in diesem Jahr Spekulationsgewinne mit Aktien, Rentenpapieren oder Immobilienverkäufen gemacht? Dann sollten Sie überlegen, Ihre Spekulationsgewinne zu verringern, indem Sie gezielt einige Papiere mit Verlust verkaufen.

Anschaffungen. Anschaffungen, die Sie von der Steuer absetzen können (beruflich genutzte PCs, Arbeitsmöbel) sollten Sie noch in diesem Jahr kaufen, weil im nächsten Jahr die Steuertarife sinken.

Versicherungen. Autofahrer, die in diesem Jahr in einen Unfall verwickelt waren, haben bei den meisten Versicherungsgesellschaften noch bis zum Jahresende Gelegenheit, den Schaden von dem Versicherer zurückzukaufen und selbst zu regulieren. Damit kann man verhindern, in eine schlechtere Schadensfreiheitsklasse zu rutschen.

Bahnfahrten: Falls Sie mit der Bahn verreisen wollen, sollten Sie das möglichst vor dem 12. Dezember tun. Denn dann steigen die Fahrpreise im Fernverkehr um durchschnittlich 3,1 Prozent. Im Einzelfall kann die Preiserhöhung nach Berechnungen der Stiftung Warentest (test 12/2004) aber bis zu 87,1 Prozent betragen, weil der Mitfahrerrabatt für Spontanfahrer ohne Bahncard wegfällt. Fahrkarten jetzt noch zum alten Preis auf Vorrat kaufen, geht nicht. „Für alle Fahrten ab dem 12. Dezember muss man den neuen Preis zahlen“, heißt es bei der Bahn.

Verjährung. „In diesem Jahr verjähren besonders viele Forderungen zum Jahresende“, warnt der Berliner Rechtsanwalt Bernhard von Kiedrowski. Das liegt an der Reform des Bürgerlichen Gesetzbuchs aus dem Jahr 2002. Damit war verbunden, dass auch für alte Ansprüche, die vor der Gesetzesnovelle erst nach 30 Jahren verjähren, die neue Regelverjährungsfrist von drei Jahren gilt.

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