Verbraucher : Der Winzling bläst wie verrückt

Ursula Weidenfeld

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Es gibt Dinge, die man nicht gerne öffentlich bekennt. Das Eingeständnis, dass man keine Musik hört, gehört dazu. Musikhörende Menschen gelten als feinsinnig und klug, Nichtmusikhörer als grob und stumpf. Deshalb hat es das Klangwunder von Bose bei mir auch besonders schwer gehabt. Ich gebe zu: Ich höre keine Musik. Es ist mir egal, auf welchen Geräten in unserem Haushalt Musik abgespielt werden kann – Hauptsache, sie sind nicht in Betrieb.

In der Wohnung wird allerdings unablässig Musik gespielt. Der Mann, das Kind – überall schalmeit und klingt es, hier trompetet Miles Davis vor sich hin, dort krähen blecherne Kinderstimmen im Si-Sa-Sauseschritt, im Wohnzimmer donnert eine Sinfonie ungehört gegen die Wand. Im Bad und der Küche tönt es aus kleinen Schepperkisten mit CD-Fach, im Kinderzimmer eiert ein ausgemusterter Kassettenrecorder vor sich hin. Nur das Arbeitszimmer – ein Hort der Ruhe. Bis jetzt. Bis die Familie befand, es müsse auch dort Musikanschluss her. Und zwar Qualitätsmusikanschluss.

Das Bose-Wave-System. Unglaubliche 698 Euro kostet es – wo man bei Saturn und Media-Markt ein Stereoradio mit CD- und Kassettenfach für unter 100 Euro bekommen kann. Eine echte Zumutung für den Nichtmusiker also. Man muss es im Werk bestellen, ein paar Tage später steht der Paketbote vor der Tür und gibt ein unscheinbares Päckchen ab. Das sei alles, was er dabeihabe, sagt er und verschwindet. Und man packt ein winziges Radio aus, das kaum größer ist als der Radiowecker von Tchibo. Keine Extraboxen, keine dicken Kabel, nix, was etwas her macht.

Nur der Klang. Der Winzling bläst sich auf wie verrückt. Er wird richtig laut – und klingt trotzdem gut. Eine geheimnisvolle Technologie sorgt für einen ziemlich perfekten Stereoklang. Bässe wummern, Sopran-Koloraturen perlen – und alles, was Musikliebhaber sonst noch gerne haben, kommt aus der kleinen schwarzen Kiste so, als wär’s ein Großer. In der Familie nennt man das Arbeitszimmer jetzt Musikzimmer. Einziger (gravierender) Nachteil: Das Ding ist zu teuer.

Das Wohnzimmer mit den riesigen Boxen indes – ein Hort der Ruhe …

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