Deutsche Bahn : Mehdorn nimmt Bediengebühr zurück

Die harsche Kritik an der neuen Gebühr der Deutschen Bahn zeigt Wirkung: Wer älter als 60 Jahre ist, muss nun doch nicht extra zahlen – wenn er eine Bahncard besitzt.

Carsten Brönstrup
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Schalter oder Automat? Für ältere Reisende wird die Entscheidung leichter, wenn sie sich eine Bahncard anschaffen. -Foto: ddp

Berlin - Bahn-Kunden, die 60 Jahre und älter sind, können auch künftig einen ICE- oder IC-Fahrschein am Schalter kaufen, ohne die neue Bediengebühr von 2,50 Euro zahlen zu müssen. Die Voraussetzung ist aber, dass sie eine Bahncard besitzen. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Hartmut Mehdorn, in Berlin. Vom Zuschlag ausgenommen werden außerdem Menschen mit einem Behinderungsgrad von 50 Prozent – bislang sollte die Schwelle bei 70 Prozent liegen. Damit reagierte die Bahn auf die harsche Kritik von Politikern und Fahrgastverbänden an der neuen Gebühr, die am 14. Dezember kommen soll.

Mit dem Zuschlag sollen die täglich 800 000 Kunden in den Reisezentren dazu motiviert werden, ihre Tickets im Internet oder an einem Automaten zu kaufen. „Der bediente Vertriebskanal ist mit Abstand der teuerste“, verteidigte Mehdorn den Schritt. Die Maßnahme sei nötig, um den Service an den Schaltern im bisherigen Umfang aufrechterhalten zu können. Die Gebühr kommt zeitgleich mit einer Erhöhung der Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent für Fahrten in Fernzügen.

Bei der Senioren-Bahncard gibt es eine Neuerung: Neben der Bahncard 50 – mit 50 Prozent Rabatt auf den Normalpreis über ein Jahr – soll es auch eine Bahncard 25 für ältere Menschen geben. Ihre Besitzer erhalten 25 Prozent Nachlass. Der Preis steht aber noch nicht fest – die bereits erhältliche Senioren-Bahncard 50 kostet für die zweite Klasse 110 Euro.

Zugleich verwahrte sich Mehdorn gegen den Vorwurf, die Bahn wolle mit der Gebühr ältere Menschen ausgrenzen. „Das ist keine Maßnahme, etwas gegen Ältere zu machen“, sagte Mehdorn, der 66 Jahre alt ist. „Ich könnte ohne meinen Computer nicht leben“, bekannte er. Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch ergänzte, das Computernetz sei der am stärksten wachsende Vertriebskanal. Außerdem solle die Bedienung der Fahrkartenautomaten einfacher werden. Dazu werde vorübergehend das Personal aufgestockt, das den Kunden zeigen soll, wie die Maschine funktioniert.

Die erneute Fahrpreiserhöhung nannte Mehdorn „sehr kommod“. Auch hätten nahezu alle anderen Unternehmen die Preise erhöht. „Wir sind mit Abstand der, der sich am ordentlichsten verhalten hat.“ Die Bahn müsse wie alle Unternehmen jedes Jahr eine Preiserhöhung haben. „Deshalb schließe ich nicht aus, dass wir auch im nächsten Jahr wieder vor der gleichen Frage stehen“, sagte er.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) reichten die Änderungen bei der Bediengebühr nicht. Sie seien „nicht ausreichend und nicht akzeptabel“, erklärte er. Der Zuschlag verstoße gegen die Bedürfnisse älterer Menschen, „unabhängig davon, ob sie eine Senioren-Bahncard haben“. Gerade angesichts des komplexen Tarifgefüges der Bahn sei Serviceorientierung notwendig. Auch Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland, forderte den Verzicht auf die Gebühr. „Die Bahn darf alte und sozial schwache Menschen nicht abzocken.“

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