Deutsche Bahn : Ticketversand wird teurer

Im letzten Jahr noch hatte Hartmut Mehdorn, Boss der Deutschen Bahn, eine Erhöhung der Fahrpreise für unmöglich gehalten. Jetzt werden zumindest die Kosten rund um den Service der Tickets erhöht.

BerlinDie Deutsche Bahn hebt die Gebühren für ihren Service rund um die Fahrkarte an. Seit Anfang April kostet etwa der Versand von Fahrscheinen, die Kunden im Internet bestellen, 3,50 Euro, wie ein Bahn-Sprecher am Dienstag in Berlin sagte. Dies war bislang kostenlos. Ebenfalls 3,50 Euro zahlen seit vergangener Woche Kunden, die ihre Fahrkarten telefonisch bestellen. Hierfür waren bislang 2,50 Euro fällig. Eine Fahrpreiserhöhung hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn bis Ende des Jahres ausgeschlossen.

Der Bahn-Sprecher bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Er begründete die neuen Gebühren damit, dass Kunden, die diesen Service nutzen, nun auch die tatsächlich anfallenden Kosten tragen sollten. Schließlich müsse die Bahn die bestellten Fahrkarten ausdrucken, in einen Briefumschlag stecken und per Post verschicken. "Wir haben im Internet viele Jahre einen Service kostenlos angeboten, der Kosten verursacht. Jetzt müssen die Kunden zahlen, die ihn auch wirklich nutzen, und nicht alle Kunden", betonte er. Gebührensenkungen für die anderen Kunden plant die Bahn im Gegenzug allerdings nicht.

Von der Gebührenerhöhung für am Telefon bestellte Fahrkarten sind laut Bahn nur wenige Kunden betroffen. Die Bahn mache nur rund ein Prozent ihrer Fahrkartenumsätze im Verkauf über das Telefon. Deutlich mehr Bahnfahrer sind allerdings von den neuen Gebühren im Internet betroffen: Bislang lassen sich laut Bahn gut zehn Prozent der täglich etwa 30.000 Internetkunden ihre Fahrkarte zuschicken. Die anderen drucken ihre Fahrkarte direkt an ihrem Computer aus, was auch weiterhin kostenlos bleibt. Pech haben nun vor allem Bahn-Kunden, deren Tickets sich gar nicht online ausdrucken lassen: Das Schöne-Wochenende-Ticket sowie einige Nachtzug- und Auslandsfahrkarten können im Internet nur per Versand bestellt werden.

Am Schalter wird es teuer

Eine Alternative kann in solchen Fällen der Fahrkartenkauf am Schalter der Deutschen Bahn sein. Zahlreiche Schalter wurden allerdings in den vergangenen Jahren geschlossen. Beim Kauf am Schalter zu beachten ist allerdings, dass einige Fahrkarten hier mehr kosten: Das Schöne-Wochenende-Ticket, einige Ländertickets und Angebote wie das Dauerspezial-Ticket sind am Schalter teurer als im Internet und am Fahrkartenautomaten. Auch Platzreservierungen kosten am Schalter mehr. Am Automaten gelten hingegen die gleichen Preise wie im Internet, allerdings sind auch hier einige Nachtzug- und Auslandstickets nicht zu haben.

Die Bahn sieht sich zur Zeit durch die mit den drei Bahn-Gewerkschaften vereinbarten Lohnsteigerungen um mehr als zehn Prozent unter dem Druck, Kosten zu senken. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte im Januar zunächst Fahrpreiserhöhungen in Erwägung gezogen, in der vergangenen Woche aber verkündet, bis Ende des Jahres darauf verzichten zu wollen.

Die Preiserhöhung auf Umwegen durch die teureren Servicegebühren könnte nun zumindest ein bisschen Geld in die Kasse spülen, auch wenn der Bahn-Sprecher betonte, die neuen Gebühren seien kein Ausgleich für die gleichbleibenden Ticketpreise. Sollten alle täglich 3000 Kunden, die sich ihre Fahrkarte bislang zuschicken ließen, dies nun auch weiterhin tun, würde das der Bahn knapp vier Millionen Euro einbringen. Zu rechnen ist allerdings damit, dass viele dieser Kunden sich ihr Ticket wenn möglich nun selber ausdrucken. (mpr/AFP)

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