Verbraucher : Die Besten sind nicht billig

Die Preise der Onlinebroker sinken – doch nicht jedes Angebot ist für Normalanleger verlockend

Ingo Wolff

Es ist fast wie in den guten alten Zeiten des Börsenbooms. Die Werbung von Internetbanken ist wieder aggressiv und präsent. Die traditionellen Onlinebroker werben verschärft um Neukunden mit kostenlosen Girokonten und hohen Tagesgeldzinsen. Der erste neue Anbieter, der sich nach dem Platzen der Spekulationsblase 2001 an den Markt wagt, Flatex, bietet einen Kampfpreis von fünf Euro pro Transaktion und ein kostenloses Depot. Doch Normalanleger sollten vorsichtig sein, rät Uwe Döhler von „Finanztest“. „Das ist eher ein Angebot für Profihändler“, sagt der Experte. „Das gab es früher auch schon, dass Anbieter mit außergewöhnlichen Aktionen Boden gewinnen wollten“, sagt Döhler und verweist auf das Beispiel Systracom. „Die haben als Erste eine Flatrate angeboten und waren auch als Erste wieder vom Markt verschwunden.“

Festpreise für eine Transaktion wirken verlockend, Döhler empfiehlt allen Normalanlegern neben den Preisen aber auch auf das übrige Angebot zu schauen. Gerade Anleger mit wenig Erfahrung sollten auf ein Zusatzangebot wie umfangreiche Finanzanalysen auf der Internetseite und ein großes Fondsangebot Wert legen. Tatsächlich ähneln sich die Preise der großen Anbieter bei normalem Handel. Das zeigen virtuelle Testkäufe über das Internetfachforum Broker-Test.de. Dort lässt sich kostenlos der günstigste Anbieter für den Aktienkauf mit eigenen Angaben ermitteln.

Bei Testkäufen von deutschen Standardaktien zwischen 400 und 10 000 Euro tauchen Directa, Nordnet und Flatex immer unter den vier günstigsten Anbietern auf. Die Spanne zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot reicht dabei von vier bis 30 Euro pro Transaktion. Die großen Anbieter wie Cortal Consors, DAB Bank oder Comdirect liegen fast immer dicht beieinander im hinteren Drittel mit rund 17,50 bei 5000 Euro und 30 Euro bei 10 000 Euro Anlagesumme. Es handelt sich dabei nur um die reinen Transaktionskosten. Limitgebühren, Börsenplatz- und Depotgebühren sind noch nicht mit eingerechnet. Bei Flatex wird zum Beispiel jede Teilausführung, also ein Splittung der eigenen Order auf mehrere An- oder Verkaufsangebote am Markt, mit fünf Euro berechnet. Das macht den Preisvorteil gegenüber anderen Brokerhäusern wieder zunichte.

„Die Preise sind schwer vergleichbar, weil die Anbieter die Fremdspesen nicht immer gleich behandeln“, sagt Finanztester Döhler. Günstige eigene Handelsplattformen, hohe Kosten für Parketthandelsplätze sowie Nebenwerte oder Kosten für Realtimekurse machen die Kalkulation schnell kaputt. Außerdem haben nicht alle Broker kostenlose Depots. Citibank, DAB, Entrium, Maxblue und eingeschränkt Consors sowie die Allgemeine Deutsche Direktbank bieten diesen Jahresvorteil. Für Döhler ist daher entscheidend, was der Onlinebroker für einen zusätzlichen Service bietet.

Das Angebot von Flatex ist ähnlich wie bei anderen Billiganbietern sehr dünn. Die Produktpalette ist im Vergleich zu großen Häuser klein. Allen Onlinebrokern gemein ist dagegen die fehlende individuelle Beratung. Diese bieten weiter nur Filialbanken, die dafür aber einen Aufschlag bei Aktienkäufen berechnen – mitunter liegen die Kosten bei 100 Euro pro Order. Viele Filialbanken unterhalten jedoch eigene Onlineangebote wie etwa Maxblue von der Deutschen Bank.

Doch auch Onlinebroker unterscheiden sich im Service. Teilweise werden den Kunden ausführliche Marktanalysen auf der Internetseite zur Verfügung gestellt und auch die schnelle Abrechnung ist bei einigen Anbietern ein Plus. Die Citibank zum Beispiel bietet als Großbank günstige Tarife, dafür ist aber das Handelswerkzeug bescheiden. Die Abrechnung mit dem Hauptkonto dauert auch online recht lange. Bei Consors kann man zum Beispiel schon Sekunden nach der Ordereingabe den Kurs und die Kosten auf dem Konto sehen.

Bewegung in den Markt haben die niedrigen Preise dennoch gebracht. „Die Preisen sind in den letzten Jahren deutlich nach unten gegangen“, sagt Döhler. Broker-Test hat einen Kostenrückgang um ein Viertel festgestellt. Der Markt lebt wieder, auch wenn viele Kleinanleger dem stetig wachsenden Aktienmarkt weiterhin fernbleiben. Das Deutsche Aktieninstitut hat im ersten Halbjahr 2006 einen Rückgang der Aktionäre um 8,3 Prozent auf 9,9 Millionen verzeichnet. Und auch die Zahl der Onlinebanknutzer ist von 37 auf 34 Prozent gesunken, so der Deutsche Bankenverband.

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