Verbraucher : „Die Chancen auf einen Job steigen“

Karriereberater Hesse über Vorteile für Bewerber

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Herr Hesse, erhöhen ehrenamtliche Tätigkeiten die Chancen von Bewerbern?

Ja, sie heben sich von der Masse ab. Egal, ob man sich für schwache und bedürftige Menschen einsetzt oder die Umwelt schützen will. Ehrenamtlich Tätige zeigen Engagement und Verantwortungsbewusstsein. Außerdem erwerben sie wichtige Zusatzqualifikationen, die im Berufsleben von hohem Nutzen sind.

Was sind das für Qualifikationen?

Vor allem kommunikative Fähigkeiten, aber auch organisatorische. Ein Ingenieur etwa, der sich außerhalb seiner Arbeitszeit für sozial schwache Menschen einsetzt, begibt sich in ein meist völlig anderes soziales Umfeld und lernt, sich in Probleme anderer Menschen einzufühlen. Zudem erfährt er, wie er selbst auf andere in seinem neuen Umfeld wirkt. Das Ehrenamt ist also ein ideales Feld, sich im Umgang mit Menschen zu üben.

Wie finde ich heraus, welches Ehrenamt zu mir passt?

Es sollte etwas sein, dass einen persönlich bewegt. Die eigenen Interessen dürfen dabei im Vordergrund stehen. Wenn sie kein starkes Interesse und Bedürfnis nach dieser Tätigkeit verspüren, dann macht das Ehrenamt auch keinen Sinn.

Welche Ämter sehen Personalchefs gern?

Wenn es so etwas wie ein Ranking der Ehrenämter gibt, steht soziales Engagement an erster Stelle. Darunter fällt Jugend- und Sozialarbeit, Seniorenbetreuung oder Telefonseelsorge. Auch ein Engagement im künstlerisch-kreativen Bereich ist gern gesehen. Kreative Menschen sind flexibel, sie können abstrahieren und um die Ecke denken, das ist heute gefragt. Auch Engagement für die Umwelt und in der Politik finden Wertschätzung.

Ist politische Arbeit nicht auch hinderlich?

Wenn Sie sich beim Bayer-Konzern bewerben wollen, können sie mit einer Mitgliedschaft bei Greenpeace weniger punkten, das stimmt. Auch bei politischem Engagement sollte man sich überlegen, ob es zu Konflikten kommt. Das gilt im Übrigen auch bei Bewerbungen um Stipendien bei Stiftungen. Gerade bei diesen soll man ja soziales Engagement nachweisen. Bewerber sollten vorher erkunden, welchen politischen Hintergrund die Stiftung hat.

Wo steht das Ehrenamt im Lebenslauf?

Am Ende des Lebenslaufs, bei Freizeitinteressen, Hobbys, Engagement. Man kann sogar das ehrenamtliche Engagement institutionalisieren. Ein Bewerber, der etwa Kassenwart eines Vereins ist, vermittelt den Eindruck, dass er sich zusätzliche organisatorische Kompetenzen erworben hat. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Personalchefs ein Ehrenamt im Vorstellungsgespräch aufgreifen.

Jürgen Hesse ist Diplom-Psychologe und Personalberater im Berliner Büro für Berufsstrategie. Er hat mehr als 100 Bücher mitverfasst.

Das Gespräch führte Ina Brzoska.

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