Verbraucher : Die dünnen sind die fetten

Nur Burger King macht „gute“ Pommes frites. Ikea-Fritten schmecken zwar, sind jedoch „mangelhaft“

Alexander Heinrich

Sie sind knusprig, goldgelb und ausgesprochen nahrhaft, so nahrhaft, dass böse Zungen behaupten, man brauche sie gar nicht zu essen, und könne sie sich stattdessen lieber gleich auf die Hüften legen. Trotzdem gehören Pommes frites hierzulande zu den Lieblingsspeisen: Fast 150 000 Tonnen Fritten essen die Deutschen im Jahr, mehr als ein Drittel davon bei Mc Donalds, Deutschlands größter Gastronomiekette.

Die Stiftung Warentest hat die frittierten Kartoffelstäbchen von fünf Schnellrestaurantketten und zwei Einkaufshäusern unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Ein „Gut“ bekommen nur die Pommes von Burger King. Die Fritten anderer Schnellrestaurants wie Mc Donalds, Wienerwald, Kentucky Fried Chicken und Nordsee erhalten lediglich ein „Befriedigend“. Das Problem der beliebten Kartoffelstäbchen: Sie enthalten oftmals zu viel Fett. Eine normale Portion deckt häufig bereits ein Viertel des Tagesbedarfs an Energie. Bei Nordsee, Mc Cain, Wienerwald und Karstadt führte zudem überaltertes Frittierfett zur Abwertung. Den letzten Platz belegten die Pommes von Ikea. Diese schnitten zwar im Geschmack mit der Traumnote 1,0 ab, enthalten aber einen besonders hohen Anteil ungesunder Fettsäuren.

Wer auf seine Linie achtet und trotzdem nicht auf Pommes verzichten möchte, sollte zu den dicken Streifen greifen. Die Dünnen sind die Fetten – so der Befund der Warentester. Feingeschnittene Kartoffelstreifen haben eine größere Oberfläche und nehmen deshalb besonders viel Frittierfett auf. So enthalten die Pommes vom Testsieger Burger King immerhin 15,5 Prozent Fett. Nordsee hingegen bietet dicke geschnittene Kartoffelstreifen an, die weniger Öl im Frittierbad aufnehmen und nur neun Prozent Fett enthalten. Am besten in puncto Fettgehalt schnitten die Automaten-Pommes von Mc Cain ab: Diese werden vor dem Verkauf nicht zum zweiten Mal in die Friteuse gegeben , sondern mit Heißluft erwärmt. Trotzdem reichte es lediglich zum Gesamturteil „Ausreichend“: Die Automatenpommes enthielten verdorbenes Fett. „Beim Frittieröl kommt es auf die richtige Mischung an“, sagt Testerin Nicole Merbach. In der Regel wird das Frittierfett nur zum Teil ausgetauscht, ein Rest soll für den pommestypischen Geschmack sorgen. Geschieht dies nicht rechtzeitig oder im falschen Mischungsverhältnis, sind die Pommes schnell verdorben, sagt Merbach. Ungesund sind auch sogenannte Transfettsäuren. Diese entstehen bei der Härtung von industriellen Brat- und Frittierfetten. Transfettsäuren lassen den Cholesterinspiegel steigen und erhöhen das Risiko von Herzerkrankungen. Besonders die Pommes von Ikea enthielten mit drei Gramm überdurchschnittlich viele dieser ungesunden Fette und fielen deshalb bei den Testern durch.

Ein weiteres Problem ist der Schadstoff Acrylamid. Dieser entsteht, wenn stärkehaltige Nahrungsmittel wie Kartoffeln stark erhitzt werden. In Tierversuchen wirkt Acrylamid krebserregend und schädigt das Erbgut. Zwar gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert, mehr als 530 Mikrogramm pro Kilogramm sollten es laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit jedoch nicht sein. Die Pommes von Wienerwald lagen über diesem Signalwert. „Dabei können die Anbieter den Acrylamidgehalt über Fritiertemperatur und Kartoffelsorten durchaus minimieren“, sagt Merbach.

In fast allen Pommes frites fanden die Tester perfluorierte Tenside (PFD). Diese Chemikalien werden als Schutzbeschichtungen für Kleidung und Verpackungen verwendet. Über das Grundwasser gelangen sie wahrscheinlich in die Kartoffel. Wie gefährlich diese Stoffe sind, ist zwar noch nicht gesichert. In Lebensmitteln, so die Tester, sind solche Stoffe zumindest „unerwünscht“.

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