Verbraucher : Die Folgen der Rüstungsspirale

Winfried Konrad

DAS TESTURTEIL 9 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

Man fühlt sich an den Kalten Krieg erinnert. Nur dass er nun im Badezimmer stattfindet. Dort dreht sich die Rüstungsspirale munter weiter: Das Nassrasierer-Arsenal wird um einen Apparat mit fünf Klingen erweitert. Aus dem Alibert höre ich schon Ronald Reagan selig: Mr. Konrad, tear down this beard!

Die fünfte Klinge ist eine Übersprungshandlung. Mit einer vierten Klinge hätte Gillette zwar seine Modelle Sensor 3, Mach3 und M3 Power um eine Schneide verbessert, wäre mit Konkurrent Wilkinson und dessen Vier-Klingen-Apparat Quattro aber nur gleichgezogen. Gleichziehen wird unter kalten Kriegern als Schwäche ausgelegt. Darum also fünf Klingen

Fragt sich natürlich: Wo soll das hinführen? Irgendwann passt der Rasierer ja nicht mehr unter die Nase. Und sind fünf Klingen besser als drei oder vier?

Ich verrate es schon mal: Das Ergebnis ist sensationell! Ich rasiere mich etwa drei bis fünf Mal die Woche, je nachdem, ob ich gepflegt oder wie Zorro mit Dreitagebart aussehen will. Die Klingen müssen also nicht nur Feinschnitt können. Dazu kommt, dass meine Haut relativ empfindlich ist. Früher sah mein Gesicht am nächsten Tag aus wie Blumenkohl, wenn ich versuchte, mich möglichst gründlich, gegen den Strich, zu rasieren.

Solche Irritationen ließen in meinem Fall schon mit dem M3 Power, also dem Batterie-bestückten Mach3, nach. Doch der „Fusion“, wie das Fünf-Klingen-Wunder heißt, räumt damit völlig auf: vor allem die problematischen Stellen unter dem Kinn sind nun glatt wie ein Kinderpopo, nicht das geringste Kratzen mehr, selbst gegen den Strich.

Ich wollte den „Fusion Power“ (Apparat mit zwei Klingen: 14,99 Euro), weil ich mir einrede, dass die von der Batterie verursachten Vibrationen die Rasur noch einen Tick gründlicher erledigen. Allerdings habe ich den Apparat auch ohne Antrieb benutzt und konnte keinen Unterschied erkennen. Wer also meint, dass er keinen rasierenden Vibrator braucht und Gillette mit der Power-Version nur seine Duracell-Batterien verkaufen möchte, tut mit dem „Fusion“ ohne Batterie keinen Fehlgriff.

Das schicke Ding, das in der Power-Ausführung silber-grau-orange und ohne Batterie silber-grau-blau ist und endlich mit sinnvollem Ständer verkauft wird, kommt im September in die Geschäfte. René, mein Nachbar und Computer-Nothelfer, war vom Ergebnis der ersten „Fusion“-Rasur so fasziniert, dass er seinen Schwiegervater sofort damit ausstatten will. Als ich ihm das neue Rasierwunder in die Hand drückte, habe ich ihn noch auf die an der schmalen Seite des Klingenkopfes einzeln befestigte, sechste Klinge hingewiesen, damit er sich die Nasenflügel nicht verletzt. Mit dieser sechsten Klinge löst der Hersteller eines schon vom Mach3 her bekanntes Problem: der Haaransatz an den Koteletten kann nun präzise getrimmt werden.

Ach ja: ein Punkt Abzug wegen der unverschämt hohen Klingenpreise.

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