Verbraucher : Die Logik einer Brombeere

Ursula Weidenfeld

DAS TESTURTEIL: 8 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet ein Blackberry Nach dem Erwerb meines letzten Radioweckers habe ich mir geschworen, elektronische Neuanschaffungen nur dann zu behalten, wenn sie zwei Stunden nach dem Öffnen des Pakets einwandfrei funktionieren. Ehrlich gesagt hatte ich mir geschworen, auf elektronische Neuanschaffungen ganz zu verzichten – schließlich bringt man ja nicht mal mehr einen Toaster in zwei Stunden in Gang.

Nun, seit Monaten weiß ich, dass ich ein Gerät brauche, das mir hilft, fehlerfreie SMS zu verschicken. Das ist mir nämlich noch nie gelungen, was peinlich ist. Ein Blackberry hilft beim fehlerfreien SMS-Senden, selbst wenn ich es benutze. Ein Blackberry ist ein Apparat, der alle E-Mails auf eine Art aufgeblasenes Mobiltelefon weiterleitet, das SMS-Nachrichten verschickt und mit dem man auch telefonieren kann. Weil es Blackberry heißt, dachte ich, es könnte so einfach sein wie der Verzehr einer echten Brombeere.

Nach fünf Minuten mit meinem Blackberry 7230 konnte ich telefonieren. Weitere fünf Minuten dauerte es, bis die erste E-Mail verschickt war. SMS klappten auch prima. Nur – es kamen keine an. Und eine Bedienungsanleitung ist auch nicht in dem Karton. Nur eine CD-Rom.

Doch die ließ mein Notebook gleich drei Mal abstürzen, führte mich auf eine dubiose Website, die mir Millionengewinne und Reisen bei einem eigens für mich eingerichteten Gewinnspiel versprach. Ich musste unsere Computer-Profis um Hilfe bitten – und siehe da: die CD-Rom braucht man gar nicht. Es geht auch ohne. Man muss nur nett zur Hotline des Telefonanbieters sein, die alles weiß.

Neulich habe ich gelesen, dass bald immer mehr technisch eher unbedarfte Menschen mit diesen Blackberrys herumlaufen werden. Leute wie ich. Ich kaufe das Ding trotzdem.

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