Verbraucher : Die Pille für den Mann

Dagmar Rosenfeld

0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen Das Testurteil: 9 Punkte

testet Zahnputz-Tabletten Verheiratete Menschen streiten, manchmal auch über die Zahnpastatube im Bad. Der Mann und ich tun das auch. Aber wir streiten nicht darüber, wie die Zahnpasta richtig ausgedrückt oder zugeschraubt wird. Das ist Pillepalle. Wir streiten um die ganze Tube. Der Mann ist beruflich nämlich meistens von Montag bis Freitag unterwegs. Und meistens packt er die Zahnpastatube ein. Und ich habe Montagmorgens nichts, womit ich mir die Zähne putzen kann. Wenn der Mann gut drauf ist, dann hinterlässt er mir auf meiner Zahnbürste einen Zahnpastaklecks und klebt an den Badezimmerspiegel einen gelben Post-it-Zettel mit einem grinsenden Mondgesicht. Wenn der Mann besonders gut drauf ist, dann klebt nur ein grinsendes Mondgesicht am Spiegel.

Aber jetzt wird alles anders. Jetzt gibt es bei uns die Denttabs-Zahnputztabletten. Das ist Zahnpasta in Pillenform. Erfunden hat das die Berliner Firma Pro-Dentum. Eine Dose Denttabs mit 360 Tabletten kostet 19,99 Euro (erhältlich in der Apotheke, kostenlose Probepackungen können unter www.denttabs.com bestellt werden). Die Herstellerfirma verspricht „ultraglatte“ Zähne, weil in den Tabletten „feinste Putzkörper aus Kieselerde“ und „mikrofeine Zellulose-Fasern“ enthalten sind – also eine Art Peeling für die Zähne.

Das Ganze funktioniert so: Die Denttabs-Tablette mit etwas Wasser im Mund zerkauen (auf keinen Fall runterschlucken) und dann wie gewohnt die Zähne putzen. Es braucht ein paar Versuche, bis man raus hat, was die richtige Wassermenge ist: Nimmt man zu viel, läuft einem die ganze Chose an den Mundwinkeln herunter, nimmt man zu wenig, kleben die Tablettenkrümel am Gaumen. Ansonsten aber sind die Denttabs eine feine Sache.

Den Mann von der Innovation im Bad zu überzeugen, ist nicht einfach. Er ist nämlich Sohn eines Zahnarztes. Als Kind hat der Mann Gute-Nacht-Geschichten von Karies und Baktus erzählt bekommen und sein Lieblingstier war der DentagardBiber mit den festen, weißen Zähnen. Deswegen ist der Mann sehr konservativ, was die Zahnpflege angeht. „Tabletten, so etwas ist doch unnötiger Schnickschnack“, hat er gesagt.

Soll er ruhig. Mir macht es jedenfalls von nun an herzlich wenig aus, wenn der Mann unsere Zahnpastatube mit auf Reisen nimmt. Ab jetzt strecke ich dem grinsenden Mondgesicht am Badezimmerspiegel einfach die Zunge raus und werfe eine Pille ein.

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