Verbraucher : „Die Privaten darf niemand antasten“

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Herr Laue, die Politik verhandelt über eine große Gesundheitsreform. Kann man angesichts dieser Unsicherheiten Leuten im Moment überhaupt dazu raten, sich privat zu versichern?

Ja, sogar mehr denn je. Ich gehe davon aus, dass derjenige, der heute den Schutz der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat, ihn auf jeden Fall auch in Zukunft behalten kann. Außerdem ist die private Krankenversicherung das einzige System, das Alterungsrückstellungen aufbaut und somit die Krankenversicherung auch im Alter bezahlbar macht.

Aber viele Privatversicherte können im Alter ihre Beiträge nicht mehr zahlen.

Die Alterungsrückstellungen sind versicherungsmathematisch sauber kalkuliert und wirken ab dem 60. Lebensjahr beitragsdämpfend. Das gilt auch für den zehnprozentigen Zuschlag, den unsere Versicherten seit einigen Jahren zahlen und der Beitragssteigerungen im Alter abfangen soll. Dieser Zuschlag wirkt – das ist gesetzlich festgelegt – ab dem 65. Lebensjahr.

Die Ausgaben der privaten Versicherer liegen deutlich über denen der gesetzlichen Kassen. Wirtschaften Sie schlecht?

Nein, aber die Grundlage unserer Preise sind die Gebührenordnungen der Ärzte und Zahnärzte, die vom Gesetzgeber festgelegt werden. Die Gebühren für die Privatversicherten liegen über denen der Kassenpatienten.

Dafür werden sie auch besser behandelt …

Das ist eine Neiddebatte, die mit der PKV gar nichts zu tun hat, sondern an der Budgetierung bei den gesetzlichen Kassen liegt. Wenn ein Arzt drei Wochen vor Quartalsende sein Budget ausgeschöpft hat und er noch einen Kassenpatienten behandelt, bekommt er das von der Kasse nicht mehr bezahlt. Für einen Privatpatienten bekommt er sein Honorar aber sicher. Da ist es doch kein Wunder, dass dieser Arzt den Kassenpatienten auf das nächste Quartal verschiebt, wenn es sich nicht um einen akuten Fall handelt, der Privatpatient aber noch einen Termin bekommt.

Werden Privatversicherte künftig mehr für das gesamte System zahlen müssen?

Mit ihren höheren Gebühren für Ärzte, Zahnärzte und Kliniken tragen die Privatversicherten schon jetzt zur solidarischen Finanzierung des Gesundheitssystems bei. Warum sollen sie darüber hinaus einen noch höheren Beitrag leisten?

Überlebt die PKV die Gesundheitsreform?

Ja, die PKV ist in ihrem Bestand geschützt, die darf keiner antasten. Auch nicht die Alterungsrückstellungen von 100 Milliarden Euro, die unsere Versicherten für ihr Alter angespart haben. Wenn man ihnen das wegnehmen wollte, wäre das eine Enteignung, egal, wie man das Kind nennt. Bei Klagen würden wir unsere Versicherten unterstützen.

Uwe Laue

ist Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherungen. Die Debeka ist die größte deutsche private

Krankenversicherung. Das Gespräch führte Heike Jahberg.

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