Verbraucher : Die Schwiele am Daumen

Kurt Sagatz

DAS TESTURTEIL: 9 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet ein E-Book, gelesen mit einem Pocket PC Der Krimi „Undank ist der Väter Lohn“ von Elizabeth George hat als Taschenbuchausgabe 739 Seiten. Da jedes Blatt von beiden Seiten bedruckt ist, muss man rund 350-mal umschlagen, um bis zum Ende dieses Bandes aus der Inspector-Lynley-Reihe zu gelangen. Man kann das Buch aber auch elektronisch lesen, als E-Book. Damit schont man den Wald und auch das eigene Portemonnaie. Statt zehn Euro wie das Taschenbuch kostet das E-Book bei Libri.de (mit fast 1000 deutschsprachigen Titeln stimmt inzwischen die Auswahl) nur 7,99 Euro. Die paar Cent, die zahlen muss, um das elektronische Pendant auf den eigenen Computer und dann auf den Pocket PC zu laden, kann man vernachlässigen. Was man hingegen nicht unterschätzten sollte, sind die Ausmaße des Displays. Statt 11,5 mal 18,3 Zentimetern des Buchs stehen mir beim E-Book nur noch 240 mal 320 Pixel zur Verfügung. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, muss man schon eine vernünftig große Schrift auswählen. So werden dann aus 739 Buch- mehr als 5000 E-Bookseiten – und für jede neue Seite muss man einmal mit dem Stift auf das Display oder mit dem Finger auf das kleine Navigationselement tippen. Dass sich dabei schnell eine Schwiele am Daumen bildet, ist verständlich.

Allerdings ist ja längst nicht jedes Buch so dick wie ein Elizabeth-George-Thriller, wenn man einmal von den Harry-Potter-Romanen von Joanne K. Rowling absieht – die sich aber bislang gegen jede Art von elektronischer Veröffentlichung ihrer Bücher zur Wehr gesetzt hat. Und selbst wenn die Schmöker etwas dicker sind, wie beispielsweise ein Fischer Weltalmanach, so macht dies einem E-Book nichts aus, weil man schließlich gezielt nach den jeweiligen Stichpunkten sucht. Darum spielen ganz andere Größenverhältnisse eine Rolle. Wichtig ist beispielsweise, dass der Marco-Polo-Reiseführer über Kreta zwölf Megabyte umfasst und dass auf eine 128-Megabyte-Speicherkarte neben dem Universallexikon und dem immer präsenten Taschendolmetscher in fünf Sprachen auch noch locker bis zu 50 Romane passen würden. So gesehen ist die Schwiele am Daumen nichts, verglichen mit der Last, die man mit einer vergleichbaren Menge an Büchern mit sich herumschleppen würde. So lange die Lesbarkeit des Displays einem den Spaß nicht nimmt, kann man der modernen Variante des Lesens viel abgewinnen.

Fazit: Empfehlenswert für alle Besitzer von aktuellen Pocket PCs, Palm-Rechnern und Smartphones.

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