Verbraucher : Dividende satt

Allein die 30 Dax-Konzerne schütten 21,2 Milliarden Euro aus / Höhere Rendite als Bundesschatzbriefe

Veronika Csizi

Die Aktionäre des Energiekonzerns Eon werden sich den 5. Mai schon einmal rot im Kalender markieren. Denn an diesem Tag fließt viel Geld in ihre Depots. Knapp fünf Milliarden Euro schüttet Eon als Dividende aus: Jeder Aktionär erhält pro Aktie sieben Euro – mehr als je zuvor. Damit hat die Eon-Aktie ihren Besitzern nicht nur 33 Prozent Kursgewinn binnen Jahresfrist gebracht, sondern zusätzlich eine Dividendenrendite von knapp 7,6 Prozent.

Zwar kommt dieser hohe Bonus teilweise durch eine Sonderausschüttung von 4,25 Euro zustande, mit der Eon seine Eigner an den guten Gewinnen beteiligen will. Doch die hohe Ausschüttung weist auf einen aktuellen Trend hin. Auch andere Unternehmen, ob im Dax, im M-Dax, S-Dax oder im Euro-Stoxx, brechen 2006 alle Rekorde. Insgesamt schütten allein die 30 Dax-Firmen in der Dividenden-Hauptsaison im April und Mai geschätzte 21,2 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus.

Sechs Konzerne, neben Eon die Deutsche Telekom, Daimler-Chrysler, die Deutsche Bank, Siemens und BASF, geben dabei – auch ein Rekord – jeweils mehr als eine Milliarde aus. 26 der 30 Unternehmen im Dax haben ihre Dividende zudem erhöht: Die Commerzbank zahlt doppelt so viel wie im vergangenen Jahr, Hypo Real Estate und die Deutsche Börse haben ihre Ausschüttung sogar verdreifacht. Einziges schwarzes Schaf im Dax bleibt Infineon: der krisengeschüttelte Halbleiterproduzent hat seit fünf Jahren nichts an seine Aktionäre überwiesen und wird dies auch 2006 nicht tun. Und: Manches Unternehmen bietet eine höhere Verzinsung als eine Bundesanleihe. Acht der zehn Dividendenrenner im Dax und M-Dax liegen über der Umlaufrendite von 3,58 Prozent.

Platz zwei in der Dax-Hitliste der Dividendenkönige nimmt die Deutsche Telekom ein. 72 Cent, 10 Cent mehr als im vergangenen Jahr, verteilt sie in diesem Jahr für jede Aktie, womit die Rendite aktuell bei gut fünf Prozent liegt. „Wenigstens ein kleines Trostpflaster“, findet die führende deutsche Aktionärsvertretung DSW. Denn im Gegensatz zum Dax, der in den letzten zwölf Monaten etwa 30 Prozent zugelegt hat, ist der Kurs der Telekom um zwölf Prozent eingeknickt.

Das ist bemerkenswert, denn Studien beweisen eigentlich, dass sich Aktien mit hohen Dividenden langfristig deutlich besser und konstanter entwickeln. Wie sehr Dividenden die Kurse treiben, zeigt der Vergleich des Dax, in dem die Dividenden mitgerechnet werden, mit dem so genannten Dax-Kursindex, der die Ausschüttungen nicht berücksichtigt. Schaffte es der Dax seit 1988, als er bei 1000 Punkten startete, bis heute auf 5750 Zähler, so kam der Kursindex nur auf knapp 4000. „Rund 40 Prozent der Wertsteigerungen gehen also auf das Konto der Dividenden“, unterstreicht Frank Schallenberger, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Dies bestätigt auch die Entwicklung des so genannten Div-Dax. Der Index, vor rund einem Jahr von der Deutschen Börse ins Leben gerufen, beinhaltet die 15 dividendenstärksten Werte im Dax. Zurückgerechnet hätte er in den letzten zwei Jahren mehr als 50 Prozent zugelegt, der Dax selbst jedoch nur gut 40.

Eine andere Strategie hat die DZ Bank: Wer dividendenstarke Papiere bis zu 20 Tage vor der Hauptversammlung (auf der die Dividende von den Aktionären bewilligt werden muss) kauft und zwei Tage danach, also nach dem Auszahlungstag, wieder verkauft, macht 2,4 Prozentpunkte mehr Rendite als der Index – obwohl die Aktien am Tag nach der Hauptversammlung „ex Dividende“ gehandelt werden, also bei einem Kurs, der um die Ausschüttung ermäßigt wurde. Auch im Ausland scheint die Strategie aufzugehen: Wer alljährlich die fünf dividendenstärksten Papiere aus dem US-Index Dow Jones, die „dogs of the dow“, gekauft hat, erwirtschaftete seit den siebziger Jahren jedes Jahr zwölf Prozent, während der Index nur mit acht Prozent rentierte.

„Hohe Dividendenrenditen haben etwas Antizyklisches“, sagt Frank Schallenberger. Oft bestehe Nachholbedarf beim Kurs. Andererseits sind Top-Dividendenzahler häufig defensive Unternehmen mit ausgeprägter Kapitaldisziplin und gesunder Bilanz, wie die Analysten von GSC Research hervorheben. Trotz des Geldsegens sei die Ausschüttungsquote in Deutschland aber niedrig, betont Schallenberger. Während hierzulande etwa ein Drittel der Gewinne an die Eigner weitergereicht werde, seien es in Europa 50 Prozent. „Deutschland hat Nachholpotenzial.“ Andere Experten sehen das Thema generell kritisch. Auf Dividenden zu setzen sei ein Modethema, das an Bedeutung verlieren werden, heißt es bei der West LB. Es rückten vielmehr Wachstumswerte in den Mittelpunkt, die traditionell niedrigere Dividenden ausschütteten.

Wer trotzdem auf Dividenden setzen will, hat eine große Auswahl: So gibt es mehrere Dividenden-Fonds, etwa den DWS „Top-Dividende“ (Wertpapierkennnummer: 984811), den „Selection Dividende“ (WKN 249864) von Adig oder Frankfurt Trust mit dem „FT High Dividend“ (WKN 531741). Zudem können Anleger mit Zertifikaten auf den Div-Dax oder andere Zusammenstellungen von Dividendenzahlern setzen.

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