Verbraucher : Doppelstrategie gegen Stress

Pflege für trockene und strapazierte Haare: Die meisten Mittel halten, was sie versprechen

Cornelia Wagner

Haare, das sind Hornfäden, die aus Keratin, Schwefel, Wasser und Fett bestehen. Etwa 100 000 bis 150 000 Haare tragen wir auf dem Kopf. Täglich wächst das Kopfhaar etwa 0,2 bis 0,5 Millimeter und kann in der Regel bis zu 90 Zentimeter lang werden. Haare schützen den Körper vor äußeren Belastungen, zu starker Sonnenbestrahlung und Kälte. Haare sind auch Ausdruck unserer Persönlichkeit. Sie haben eine ästhetische und modische Funktion. So geben die Deutschen mindestens 2,8 Millionen Euro jährlich für das Waschen, Pflegen, Frisieren, Stylen, Färben und Tönen aus.

Die Vielfalt der Haarpflegeprodukte ist dabei unüberschaubar: Shampoos, Spülungen, Kurpackungen und Anti-Spliss-Produkte sollen bei störrischem, trockenem oder strapaziertem Haar helfen und Glanz, Glätte, Fülle oder Farbkraft bringen. Doch halten die Mittel, was sie versprechen? Die Stiftung Warentest hat 13 Shampoos für trockenes und strapaziertes Haar auf die Probe gestellt. Das Ergebnis: Keins war „sehr gut“, die meisten aber „gut“.

Überprüft wurden neun handelsübliche Markenshampoos, die pro 100 Milliliter zwischen 0,36 und 2,50 Euro kosten. Sowie vier exklusive Produkte, die nur in Friseursalons erhältlich sind. Diese kosten zwischen 3,18 und 5,60 Euro pro 100 Milliliter. Doch teurer ist nicht gleich besser. Die Profiprodukte wiesen keineswegs eine bessere Wirksamkeit im Vergleich zu den Markenshampoos auf. Das verwundert nicht, denn in der Zusammensetzung ähneln sich alle Shampoos sehr. „Sie bestehen zu etwa 80 Prozent aus Wasser, der Rest sind vor allem waschaktive Substanzen, also Tenside, Konditionierungsmittel und Duftstoffe“, sagt Ursula Lüders von der Stiftung Warentest.

Bei der Anwendung und Handhabung der Shampoos gab es kaum Beanstandungen. „Dabei wurde getestet, ob der Verschluss einfach zu öffnen ist und sich mit nassen Fingern auch wieder leicht schließen lässt, ob das Shampoo dick- oder dünnflüssig ist und wie leicht man den Schaum wieder ausspülen kann“, sagt Lüders. Die mehr als 170 unterschiedlichen Inhaltsstoffe der geprüften Produkte werden alle problemlos in den Kläranlagen abgebaut. „Es konnte auch kein übertriebener Verpackungsaufwand festgestellt werden“, sagt Lüders. Eines wäre jedoch wünschenswert: Die Inhaltsstoffe könnten in größerer Schrift aufgeführt sein, denn diese Informationen sind vor allem für Allergiker sehr wichtig.

Die Shampoos „Clairol Herbal Essences fruit fusions“ und „Goldwell kerasilk“ erhielten nur ein befriedigendes Testurteil. „Der Zustand der Haare war nach dem Waschen nicht so gut“, sagt Lüders. „Die Produkte sind nicht so auf strapazierte Haare eingestellt wie die anderen Shampoos im Test.“

Dabei ist der Kummer mit strapazierten Haaren in der Regel hausgemacht. Denn zu heißes Föhnen, ausgiebige Sonnenbäder, Salz- oder Chlorwasser, Färben, Bleichen und Dauerwellen schädigen das Haar, indem die äußere Schuppenschicht aufgeraut wird. Hier greifen die Shampoos für trockene und strapazierte Haare mit einer Doppelstrategie ein: Zum einen reinigen sie schonend, dann glätten konditionierende Substanzen die Schüppchen des Haares wieder und überziehen die äußere Schicht mit einem schützenden Film. Und schon sind die gestressten Haare wieder schön.

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