Verbraucher : „Drohen Sie mit der Kündigung“

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Frau Höwe, die Autoversicherer liefern sich einen harten Preiskampf. Was heißt das für die Kunden? Kann man nicht einfach zum billigsten Anbieter gehen?

Nein, man muss auch die Versicherungsbedingungen vergleichen. Sie haben nichts davon, wenn Sie eine billige Versicherung haben, aber später auf Ihrem Schaden sitzen bleiben.

Was sind die kritischen Punkte?

In der Kaskoversicherung sollten auch Fälle von grober Fahrlässigkeit abgedeckt sein. Wenn Sie zum Beispiel eine rote Ampel übersehen und Ihren Wagen zu Schrott fahren, macht das einen großen Unterschied, ob die Versicherung zahlt oder nicht. Außerdem sollten nicht nur Wildschäden, sondern Unfälle mit allen Tieren von der Kaskopolice erfasst sein. Und in der Haftpflichtversicherung sollte man mindestens eine Deckung von 100 Millionen Euro haben.

Viele Sonderangebote gibt es nur für neue Kunden. Wie können Altkunden profitieren?

Indem sie dem Versicherer klipp und klar sagen, dass sie auch den neuen Tarif haben wollen, und sonst kündigen.

Auch Einzelhändler wie C&A oder Otto verkaufen jetzt Autoversicherungen. Kann man sich als Verbraucher bedenkenlos auf so etwas einlassen?

Man kann die Angebote nicht über einen Kamm scheren. C&A arbeitet mit der DA-Direkt zusammen, das ist eine gute und günstige Gesellschaft. Insofern hätte ich hier wenig Bedenken. Otto kooperiert mit Axa, Gerling, Allianz 24 und Europa. Von diesen Gesellschaften ist nur die Europa eine erwiesenermaßen günstige Gesellschaft. Hier muss man abwarten, was die Angebote im Einzelnen taugen.

Und wenn es zu einem Schaden kommt?

Dann hat es der Kunde nicht mit C&A oder dem Otto-Versand zu tun, sondern mit dem Versicherer. Das macht also keinen Unterschied zum herkömmlichen Geschäft.

Sind Direktversicherer in der Schadensbearbeitung schlechter und zugeknöpfter als Gesellschaften, die mit Vertretern arbeiten?

Nein. Der Kunde muss mehr Eigeninitiative zeigen, aber in der Schadensabwicklung sind die Direktversicherer nach unserer Erfahrung nicht strenger als Versicherer mit eigenem Vertrieb.

Viele Versicherer gewähren Rabatte, wenn man sein Auto nach einem Unfall nur in eine Werkstatt schickt, die die Gesellschaft vorher auswählt. Was halten Sie davon?

Das muss jeder Verbraucher für sich selbst entscheiden. Wer Wert darauf legt, sein Auto in eine bestimmte Werkstatt zu schicken, sollte die Finger davon lassen. Für alle anderen kann ein solches Angebot durchaus attraktiv sein.

Bianca Höwe

ist Sprecherin des Bundes der Versicherten (BdV). Der BdV vertritt die Interessen der Versicherungskunden. Mit der Verbraucherschützerin sprach Heike Jahberg.

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