Verbraucher : Druckfrisch

Nachfüllen ist eine günstige Alternative zu den teuren Originalpatronen. Dafür muss man aber Abstriche in Kauf nehmen

Alexander Wragge

In Computergeschäften gilt: Tintendrucker sind günstig, die Originalpatronen sind teuer. So teuer, dass inzwischen eine ganze Branche davon lebt, leere Patronen wieder aufzufüllen. Es scheint, als eröffneten Tintentankstellen in Berlin so häufig wie sonst nur Internetcafés. Derweil erwecken einige Druckerhersteller den Eindruck, Nachfülltinte schade der Druckqualität und den Geräten. Im Kampf um die Tinte fragt sich der Kunde: Lohnt sich das Auftanken? Und: Wo stimmen Service und Tintenqualität?

Die Stiftung Warentest ist diesen Fragen nachgegangen und hat sechs überregionale Ketten für Tintennachfülldienste getestet.Wichtigstes Ergebnis: Zwar kam keine Tintentankstelle über die Gesamtnote „Befriedigend“ hinaus, dennoch kann sich das Auftanken erheblich auszahlen. So sparte das Nachfüllen bei der Kette „Druckershop“ gegenüber der Originaltinte der Hersteller Canon, HP und Lexmark teilweise mehr als 70 Prozent. Bei gleichzeitig „guter“ Qualität der Patronen ist Druckershop laut Stiftung Warentest „so etwas wie ein Preis-Leistungs-Sieger“. Selbst wer bei Cartridge World, dem teuersten Nachfüllservice, tankt, zahlt zwischen 40 bis 60 Prozent weniger als für die Originaltinte.

Überrascht waren die Tester darüber, in welchem Ausmaß der Druckertyp die letztendlichen Druckkosten beeinflusst. Ein geringes Fassungsvermögen der Patronen und ein hoher Tintenverbrauch pro Seite können dazu führen, dass preisgünstige Drucker auf lange Sicht hohe Kosten verursachen. Im Ergebnis druckt etwa der Lexmark Z645 (rund 40 Euro) selbst mit der günstigsten Nachfülltinte teurer, als es der Canon IP3300 (rund 76 Euro) mit Originaltinte tut. Das Urteil der Tester: „Wer günstig drucken will, sollte auf den richtigen Drucker mindestens so viel Wert legen wie auf günstige Tinte.“

Beim Blick auf die Druckqualität kamen die Tester zu einem durchwachsenen Ergebnis. Mit Ausnahme des eindeutigen Testverlierers Vobis erreichten die Tintentankstellen mit ihren nachgefüllten Patronen eine gute bis befriedigende Druckqualität. Will der Kunde allerdings langfristig kräftige Farben, etwa auf Fotodrucken für den Bilderrahmen, sollte er keine Nachfülltinte verwenden. Der Grund: Sie bleicht schneller aus als Originaltinte. Insbesondere bei Druckern der Marken Lexmark und Canon wiesen Fotos, die mit Nachfüllpatronen gedruckt waren, eine geringe Lichtbeständigkeit auf.

Dass Druckergeräte durch aufgefüllte Patronen zu Schaden kommen könnten, wollen die Tester zwar nicht ausschließen, es sei aber bei den umfangreichen Drucktests noch nie vorgekommen.

Wer dennoch den Gang zum Nachfüllservice scheut, weil er Tintenflecken fürchtet, ist wohl am besten bei Cartridge World aufgehoben. Der Testsieger in der Kategorie Service händigte die nachgefüllten Patronen immer sauber und ordentlich verpackt an die Tester aus, bunte Finger von auslaufender Tinte gab es hier nicht.

Generell sollte der Kunde einiges beachten, wenn er die Tinte seines Druckers wechselt. Erste Regel: Nie den empfindlichen Druckkopf berühren. Er ist bei manchen Geräten in die Patrone, bei manchen in den Drucker eingebaut. Zweitens: Patronen nie ganz leerdrucken, sondern wechseln, wenn helle Streifen das Druckbild durchziehen. Und schließlich: Patronen schnell auftanken, damit sie nicht austrocknen.

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