DSL : Lahm statt schnell

Zum Ärger der Kunden halten Breitbandanschlüsse häufig nicht, was ihre Anbieter versprechen. Ein Fünftel wartet länger als zwei Monate auf einen Anschluss, fast die Hälfte beklagt lahme Übertragungsraten.

Maren Peters
DSL
Bitte warten: Nur in der Werbung geht alles schnell und einfach. -Foto: dpa

Superschnelles Herunterladen im Netz? Für viele Verbraucher ist das nicht mehr als ein schönes Werbeversprechen. Fast die Hälfte der Internetnutzer mit Breitbandanschluss gab in einer Umfrage der Verbraucherzentralen an, tatsächlich eine langsamere Übertragungsgeschwindigkeit zu haben als vom Anbieter versprochen, ein Drittel beklagte sich über zu lahme Geschwindigkeiten beim Surfen im Netz. „Werbung und Realität klaffen weit auseinander“, sagte Olaf Weinel, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Niedersachsen, nur wenige Tage vor dem IT-Gipfel der Bundesregierung am Montag in Berlin. Weinel berief sich auf eine Online-Umfrage unter 15 000 Nutzern. Knapp ein Drittel waren Kunden der Telekom.

Die Umfrage, die zwischen dem 1. Juli und dem 7. September gemacht worden war, kommt damit zu ähnlichen Ergebnissen wie die Stiftung Warentest. Im Novemberheft hatten die Tester berichtet, dass von 30 geprüften Anschlüssen nur etwa jeder Dritte die anvisierten Geschwindigkeiten erreichte. Als einziger Internetanbieter schnitt im Gesamttest T-Home (Telekom) mit „gut“ ab. Der Anbieter schaltete den neuen Anschluss auch am schnellsten frei, verlangte allerdings auch den höchsten Monatspreis.

Die Verbraucherzentralen sind selbst da skeptisch. „Auch bei T-Home gab es Beschwerden“, sagte Weinel. So habe es sich bei den rund 30 Prozent der Befragten, die die Geschwindigkeit ihres DSL-Anschlusses bemängelten, hauptsächlich um Kunden der Telekom und von 1&1 gehandelt. Überdurchschnittlich viele Beschwerden bei diesen beiden Anbietern gab es auch bei der Differenz zwischen zugesagter und tatsächlich gelieferter Bandbreite des DSL-Anschlusses, vor allem bei hohen Übertragungsgeschwindigkeiten. Nach Angaben der Verbraucherzentralen verfügen derzeit mehr als zwei Drittel der bundesdeutschen Privathaushalte über einen Breitbandzugang ins Internet.

Auch der Kundenservice gibt Anlass zur Klage

Der Wechsel des Anbieters führte oft nur zu neuem Frust. Rund ein Fünftel der Befragten wartete länger als zwei oder drei Monate, sechs Prozent sogar ein halbes Jahr oder mehr, über die Gründe konnten sie in vielen Fällen nur rätseln. Nur 13,5 Prozent der Verbraucher bekamen den neuen Anschluss schon nach einem Monat.

Auch der Kundenservice der Anbieter ist für viele Grund zur Klage. „Größtes Ärgernis war die Erreichbarkeit“, sagte Verbraucherschützer Weinel. Mehr als 60 Prozent der Befragten ärgerten sich über zu lange Warteschleifen beim Kundendienst, ebenfalls 60 Prozent beschwerten sich über die teuren Zugangsmöglichkeiten über 0180- oder 0900- Nummern. Über die Hälfte kritisierte zudem, dass man sein Problem immer wieder erklären müsse.

Die Bundesregierung teilt den Ärger der Verbraucher. „Solche Mängel müssen abgestellt werden“, sagte Ursula Heinen (CSU), Staatssekretärin im Verbraucherministerium. Verbraucherschützer fordern unter anderem ein Sonderkündigungsrecht, wenn der neue Anschluss nicht binnen eines Monats zur Verfügung gestellt wird, und einen deutlichen Preisnachlass, falls die Bandbreite deutlich geringer ist als versprochen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar