Verbraucher : Effizienter zertrümmern

Ursula Weidenfeld

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Vielleicht war es nur das Helfersyndrom. Wahrscheinlicher ist, dass mich die schiere Ruhmsucht getrieben hat. Aber als ich im Lauf des Sommers die zunehmende Besorgnis meiner Nachbarn angesichts massenhaft heranwachsender Walnüsse sah, beschloss ich, eine Walnussknackmaschine für alle anzuschaffen. Ich versprach mir großes Ansehen in der Vorstadt – und weit darüber hinaus. Denn Walnussbäume sind etwas Heiliges in Preußen. Weil sich aus ihrem Holz die schönsten Gewehrkolben schnitzen ließen, wurden sie einst unter staatlichen Schutz gestellt. Niemand hat an die Kollateralschäden eines solchen Protektionismus gedacht. Und deshalb hagelt es auch heute noch Nüsse in Berlin und Brandenburg. Ab Ende September.

Die zu kaufende Maschine sollte, so stellte ich mir das vor, Nüsse in hoher Geschwindigkeit knacken, sie von Schale und nicht essbarem Innenleben befreien und sodann sortiert wieder ausspucken. Schade: Ein solches Produkt gibt es in Deutschland nicht. Selbst Nussprofis versichern, dass solche Maschinen nur in den USA aufgestellt würden, woher auch alle geknackten Walnüsse in Deutschland kämen. Die Globalisierung, wissen Sie.

Der Nussknacker von Menu (25 Euro zum Beispiel bei www.concona.de) kam meinen Vorstellungen eines technisch anspruchsvollen Produktes am nächsten. Ein Stahlteller, auf den eine Nuss gelegt wird. Eine Vollgummihaube, die darüber gestülpt wird. Ein kurzer Schlag auf die Glocke – und schon liegt die Nuss geknackt da. Die Nachbarn brachten Tausende von Nüssen, zwischen denen die Nussknackglocke sich zugegebenermaßen sehr bescheiden ausnahm.

Ich zertrümmerte mit einem gezielten Fausthieb die erste Nuss. Die zweite. Die dritte. Die vierte. Bei der hundertsten nahm ich den Kartoffelstampfer. Wider Erwarten hielt die Glocke durch. Dann stand ich nicht vor, sondern in einem Berg zertrümmerter Nüsse. Ich versuchte, den Haufen mit Gebläse- und Zentrifugalkräften (Fön und Salatschleuder) zu sortieren. Der Haufen begab sich unterschiedslos auf den Küchenfußboden, in die Schubladen, zwischen das Altpapier, unter die Schränke.

Für den beschaulichen Hausgebrauch taugt der Knacker auch nur bedingt. Er ist zwar effizienter als alle vergleichbaren Erzeugnisse aus dem Erzgebirge – und doch zu halbstark und zu stylisch, um sich neben Adventskranz und Printen zu Hause zu fühlen. Im nächsten Jahr werde ich das gesammelte Knackgut der Nachbarschaft zur Weiterverarbeitung nach Marokko schicken. Wie das die Krabbenfischer an der Nordsee auch machen. Die Globalisierung, wissen Sie.

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