Verbraucher : „Ein Anreiz auch für Männer“

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Frau Griese, seit Monaten wird über das Elterngeld geredet. Warum hat es so lange gedauert, das Gesetz zu verabschieden?

Das Elterngeld ist im Koalitionsvertrag verabredet worden – und zwar auf Initiative der SPD. Die Union war zunächst dagegen. Das hat sich geändert, als sich Ursula von der Leyen innerhalb der CDU für das Elterngeld stark gemacht hatte. Im Sommer gab es einen Gesetzentwurf, jetzt ist das Gesetz verabschiedet worden und tritt am 1. Januar nächsten Jahres inkraft. Angesichts einer solch grundlegenden Trendwende in der Familienpolitik lief das parlamentarische Verfahren äußerst zügig.

Profitieren von dem neuen Elterngeld nur Gutverdiener?

Nein. Eine 30-jährige Frau verdient heute durchschnittlich 1200 Euro im Monat. Von den vier Milliarden Euro, die der Staat im nächsten Jahr für das Elterngeld ausgeben wird, entfallen zwei Drittel auf Frauen oder Männer, die bis zu 900 Euro Elterngeld im Monat bekommen werden, also genau auf die Gruppe der Gering- und Durchschnittsverdiener. Das Elterngeld ist sozial gerecht, und es bringt der Mehrheit der Familien Vorteile. Es ist auch ein Anreiz für die berufstätigen Männer, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Und werden die Männer das tun?

In Skandinavien ist das so. Dort nehmen 80 Prozent der Väter eine Auszeit.

Deutsche Chefs wären davon nicht begeistert.

Laut Allensbach unterstützen 61 Prozent der Unternehmen das neue Elterngeld. Die Chefs werden erkennen, dass Mitarbeiter, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren, im Beruf zufriedener und damit bessere Mitarbeiter sind.

Wer sind die Verlierer des Elterngeldes, die Geringverdiener?

Nein, Geringverdiener bis 1000 Euro im Monat erhalten einen Zuschlag zum Elterngeld. So wird belohnt, wer berufstätig ist.

Hartz-IV-Empfänger bekommen künftig statt für 24 Monate maximal für 14 Monate Geld.

Unser Ziel muss es sein, Arbeitslose möglichst schnell wieder in Arbeit zu bringen. Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, hat es schwer, wieder eine Stelle zu finden. Das gilt auch für Eltern, die Hartz IV bekommen. Außerdem profitieren auch Hartz-IV-Empfänger, weil das Elterngeld nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird.

Was passiert, wenn Eltern nach einem Jahr wieder arbeiten wollen?

Dann brauchen wir natürlich ausreichend Kinderbetreuungsplätze. Hier ist schon viel passiert, aber das Angebot reicht noch nicht. Der Druck auf die Kommunen, Kitaplätze einzurichten, wird durch das Elterngeld steigen.

Kerstin Griese

ist Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages.

Mit der SPD-Politikerin sprach Heike Jahberg.

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