Verbraucher : Ein Rätsel für 0,000006 Cent

Bas Kast

Das Testurteil: 8 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Eigentlich wollte ich nur eine Milch holen gehen. Seitdem bin ich verschollen. Man sucht mich. Auf meinem Handy: 17 verpasste Anrufe. Auf der Mailbox mein Steuerberater, „es geht um die Unterlagen für das letzte Quartal 2004, und, ähm: Es eilt!!“.

9,3,4,7. Mal sehen. 1? Schon da, geht nicht. 2? Nein. 5? Mmh. Sieht gut aus.

Zahlen in meinem Kopf. Ich träume von Zahlen. Zahlen, Zahlen, ZAHLEN!

Ich bin ein Spieler. Ich bin – ein Sudokuraner. Das kam so: Neulich wollte ich im Supermarkt, diesem Extra bei mir um die Ecke, noch schnell einkaufen. Ich ging in Richtung Kasse mit meiner Milch und einigen Stracciatella-Joghurts von Weihenstephan, vorbei an den Kindershampooregalen, als sie mir ins Auge sprangen: die Sudoku-Game-Player von Weco, 11,99 Euro das Stück.

Sudoku? Sudoku? Sie wissen schon, das Zahlenrätselspiel, vor Jahren populär geworden in Japan (Sudoku ist Japanisch und heißt so viel wie „Die Ziffer, die alleine steht“). Wenig später kam es zur weltweiten Epidemie. Im Tagesspiegel erscheinen täglich zwei Sudoku-Rätsel. Hier im Büro laufen die Kollegen mit Bleistiften in der rechten und Radiergummis in der linken Hand, gebeugt über die neuesten Sudoku-Puzzles. Man darf sie dann unter keinen Umständen ansprechen.

Zwei täglich, manchen reicht das. Für alle, die mehr brauchen, gibt es den Sudoku-Game-Player. Natürlich kann man auch im Internet spielen – aber Internet gibt’s nicht überall. Und klar gibt es schönere Player – aber die kosten. Der Game- Player stillt die Sucht schnell, billig und überall.

Das Gerät hat gut zwei Millionen Sudoku-Puzzles gespeichert. Zwei Millionen! Ich habe mich mal hingesetzt und es durchgerechnet. Ein Sudoku-Puzzle kostet demnach nur 0,000006 Cent.

Kein Zweifel, über die Quantität kann man nicht meckern. Und die Qualität? Da musste leider ein bisschen gespart werden. Der Player ist ein, sagen wir, eher einfacher Zeitgenosse. Billiges Plastik, kaum kleiner als eine Hand. Hinten befindet sich ein dicker Plastikzahnstocher, mit dem man den Touchscreen bedienen kann. Das ist alles.

Aber die Einfachheit hat auch Vorteile. Der Sudoku-Game-Player ist ein elektronisches Geschöpf, das fast nur eins kann: Sudoku. Keine E-Mail-Funktion, kein Telefon, kein Internet. Würde eh nur stören. Ein Knopfdruck, und du fängst an. Acht Schwierigkeitsstufen. Zahlen. Zahlen. Zwei Millionen Spiele. Ich muss los.

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