Verbraucher : Ein ungebetener Grill

Fatina Keilani

DAS TESTURTEIL. 5 PUNKTE

0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Da war doch kürzlich mal im Tagesspiegel dieses „Wie finde ich heraus, ob meine Mikrowelle undicht ist und Strahlung austritt?“ Dort hieß es, wenn ein Handy in dem geschlossenen Gerät Empfang hat, dann ist das Gehäuse undicht. Noch am selben Abend fuhr mein Mann ins KaDeWe und kaufte für 99 Euro ein Gerät der Marke Severin, mit Umluft und Grill. Es sieht mit seinem mattsilbernen Gehäuse viel schicker aus als der olle weiße Kasten, den wir vorher hatten und in dem mein Mobiltelefon vollen Empfang hatte. Selbstverständlich hatte mein Mann noch im Kaufhaus sein Handy (O2) in das neue Gerät gelegt und versucht, es mit dem des Verkäufers (D1) anzurufen, dann umgekehrt – Test bestanden. Am nächsten Tag erschien zwar im Tagesspiegel der Aufruf, man solle nicht sofort losrennen, um sich eine neue Mikrowelle zu kaufen, das Ergebnis des Handy-Tests habe auch was mit den Frequenzen der Netzbetreiber zu tun, aber da war es schon zu spät.

Besonders freute ich mich über die Umluftfunktion. Mein Mann ist nämlich eine lückenlose Kuchenversorgung durch seine Mutter gewöhnt. Und damit er es gut bei mir hat, backe auch ich gelegentlich. Von der Umluftfunktion erhoffte ich mir Erleichterungen, denn unsere Küche ist winzig: Der Gasherd muss als Aufbewahrungsschrank für Pfannen und Töpfe herhalten, und meist habe ich keine Lust, das alles wegzuräumen. Aber just die Umluftfunktion ist enttäuschend. Dabei gibt es in der Gebrauchsanleitung sogar einen eigenen Programmcode für Topfkuchen! Um die nötige Hitze zu erzeugen, schaltet sich jedoch ständig ungebeten der Grill ein. Das führt dazu, dass ein Kuchen von oben schon verkohlt ist, wenn er unten noch roh ist. Ganz besonders ungeeignet ist dies für die neuen Silikonbackformen – es riecht alsbald in der Wohnung nach Gummigeschmurgel.

Die Anfrage beim Hersteller der Mikrowelle ergab, dass das mit dem Grill kein Programmierfehler ist, sondern so sein soll. Die Anfrage beim Produzenten meiner Backform ergab: auf keinen Fall unter einen Grill stellen. Mag ja sein, dass man für 99 Euro nicht mehr erwarten kann, aber dann sollte der Hersteller auch nicht so tun als ob. Weitere Versuche, mit Vorheizen und ohne, führten zum selben miesen Ergebnis. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Gerät. Nach vier Minuten Umluft sind schlappe Brötchen und lasche Brezeln wieder knusprig. Allerdings muss man sie zwischendrin wenden, denn wie gesagt – der Grill. Ich nehme es dem Hersteller übel, dass ich weiter für jeden Kuchen den Herd freischaufeln muss. Ach, und mein Handy hat jetzt doch Empfang in der Kiste.

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