Verbraucher : Endspurt zum Geldsparen

Im nächsten Jahr wird das Leben für viele Verbraucher, Arbeitnehmer und Geldanleger teurer

Manuel Köppl

Schlechte Aussichten: Die Mehrwertsteuer steigt von 16 auf 19 Prozent, der Sparerfreibetrag sinkt, und obendrein wird die Pendlerpauschale kräftig zusammengestrichen. Das kommende Jahr bringt wenig Gutes für den Steuerzahler. Doch wer jetzt dem Fiskus das eine oder andere Schnippchen schlägt, der kann sich zumindest einige Euro zurückholen. Zudem lohnt es sich, die eigenen Ausgaben kritisch zu prüfen. Ob sich beispielsweise noch ein Großeinkauf vor Jahresende auszahlt, um die höhere Mehrwertsteuer zu umgehen, beantworten wir in unserem Finanz-Abc.

ARBEITSZIMMER

Wer mehr als die Hälfte seiner beruflichen Aufgaben zu Hause erledigt hat, konnte bislang die Kosten für die Einrichtung eines häuslichen Arbeitszimmers in der Steuererklärung geltend machen. Bis zu 1250 Euro erstattete der Staat jährlich zurück. Arbeitnehmern, die ausschließlich im heimischen Arbeitszimmer arbeiteten, wurden sogar die vollständigen Kosten beglichen. Doch damit ist es am 1. Januar vorbei: Ausschließlich Heimarbeiter bekommen noch einen Teil ihrer Kosten für das häusliche Büro erstattet.

BIOKRAFTSTOFFE

Die Steuerbegünstigung für Biokraftstoffe wird seit August stufenweise verringert. Für reinen Biodiesel werden bis Ende 2007 noch neun Cent Steuern fällig, danach steigt diese Abgabe jährlich über 15, 21, 27 und 33 Cent bis 2012 auf den vollen Mineralölsteuersatz von derzeit 45 Cent pro Liter. Für Biodiesel-Mischungen werden bis Ende 2007 bereits 15 Cent pro Liter an den Fiskus fällig. Biokraftstoffe aus Restholz oder Energiepflanzen bleiben dagegen bis 2015 steuerbegünstigt. Wer also die Umrüstung eines Fahrzeugs auf Biokraftstoffe erwägt, sollte die Folgekosten der nächsten Jahre überschlagen. Einzig Land- und Forstwirte können weiter entspannt auf Biosprit setzen, für sie bleiben die Kraftstoffe vorerst steuerfrei.

ELTERNGELD

Eltern, deren Kinder ab dem 1. Januar 2007 geboren werden, haben Anspruch auf das neue Elterngeld. Das steht Eltern zwölf Monate lang zu, wenn Mutter oder Vater zu Hause bleiben. Betreut auch der andere Elternteil das Kind für mindestens zwei Monate, verlängert sich der Anspruch auf 14 Monate. Grundsätzlich wird Elterngeld in Höhe von 67 Prozent des bisherigen Einkommens gewährt. Mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro werden ausgezahlt, wenn die persönliche Arbeitszeit wenigstens auf 30 Stunden pro Woche reduziert wird. Eltern, deren Kinder vor dem 1. Januar 2007 zur Welt gekommen sind, erhalten dagegen Erziehungsgeld, maximal 300 Euro monatlich über einen Zeitraum von zwei Jahren.

HANDWERKERKOSTEN

Mieter und Immobilieneigentümer können zwar schon seit 2003 Handwerkerkosten von der Steuer absetzen, doch künftig fällt das in der Praxis deutlich leichter. 20 Prozent der Lohnkosten zieht das Finanzamt von der Steuerschuld ab, maximal 600 Euro. Dieser Vorteil gilt für alle Renovierungs- und Sanierungsarbeiten, mit Ausnahme von An- oder Ausbauten, dem Bau eines Carports oder der Anlage eines Gartens. Einzige Voraussetzung: Auf der beim Finanzamt eingereichten Handwerkerrechnung müssen Lohn- und Materialkosten separat ausgewiesen sein. Auch Dienste im Haushalt wie Bügeln, Kochen, Putzen, Gartenarbeit und die Straßenreinigung sind unter gleichen Bedingungen steuerlich absetzbar.

KINDERGELD

Der Zeitraum, in dem ein Kind auch als solches gilt, wird zum Jahreswechsel um zwei Jahre bis auf das 25. Lebensjahr verkürzt. Ausnahmen gelten für Behinderte und die Anrechnung von Wehrdienstzeiten. Bis zum 25. Geburtstag eines jungen Erwachsenen wird künftig Kindergeld gewährt. Bis dahin können auch steuerliche Freibeträge geltend gemacht werden. Wer 2006 das 25. oder 26. Lebensjahr vollendet hat, gilt im steuerlichen Sinn bis zu seinem 27. Geburtstag als Kind. Erst ab dem Geburtenjahrgang 1983 kommt die Neuregelung dann voll zur Geltung.

LOHNSTEUER

Während Singles an die Steuerklasse I gebunden sind, können viele Steuerzahler ohne größeren Aufwand in eine günstigere Steuerklasse wechseln. Der Antrag für den Wechsel muss bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung gestellt werden, ein Steuerklassenwechsel pro Jahr ist möglich. Alleinstehende, die Kinder erziehen und beispielsweise 3000 Euro brutto im Monat verdienen, zahlen in der Steuerklasse II monatlich rund 38 Euro weniger ans Finanzamt – eine jährliche Ersparnis von 450 Euro. Bei Ehepaaren kommt es darauf an, wie viel die Partner verdienen. Sind beide berufstätig und unterscheiden sich die Löhne kaum, ist jeweils die Steuerklasse IV zu empfehlen. Dann können sich die Ehepartner noch bis 30. November die gleichen Freibeträge auf ihren Lohnsteuerkarten gutschreiben lassen. Erst ab einem Einkommensverhältnis von 60 zu 40 sollte der Mehrverdiener die Steuerklasse III wählen. In dieser Klasse werden die Freibeträge für beide Partner auf einer Lohnsteuerkarte eingetragen, so dass es zu einer erheblichen Steuerersparnis kommen kann. Der Geringverdiener ist zugleich verpflichtet, sein Einkommen in der relativ ungünstigen Steuerklasse V zu versteuern.

MEHRWERTSTEUER

Ab dem 1. Januar steigt für viele Produkte die Mehrwertsteuer von bisher 16 auf 19 Prozent. Ein ermäßigter Satz von sieben Prozent gilt weiterhin für Lebensmittel, Bücher und Zeitungen. Auf Belegen und Rechnungen wird die Mehrwertsteuer übrigens als Umsatzsteuer ausgewiesen. Wer jetzt ein Auto, eine Küche oder einen Computer kauft, kann tatsächlich mehrere hundert Euro sparen – zumindest dort, wo die Preise nicht schon im Voraus erhöht wurden.

Entscheidend für die Rechnungssumme ist jedoch nicht der Tag des Auftrags, sondern das Lieferdatum: Wer jetzt einen Pkw bestellt, ihn aber erst im Januar geliefert bekommt, zahlt 19 Prozent Mehrwertsteuer – es sei denn, die 16 Prozent wurden vorab vertraglich festgeschrieben. Für unverschuldete Lieferverzögerungen muss der Kunde nicht aufkommen. Nebenbei: Liegt in diesem Jahr das falsche Präsent unter dem Weihnachtsbaum, müssen Enttäuschte bis spätestens Silvester umtauschen. Danach werden für das richtige Geschenk 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig – und der Beschenkte zahlt notfalls drauf.

Telefonkunden mit Festnetz- und Handyverträgen können leicht einige Euro sparen: Von ihrem Anbieter sollten sie schriftlich eine Zwischenabrechnung zum 31. Dezember 2006 verlangen. Dann sind für die anteiligen Fixkosten und alle Gesprächsgebühren bis Silvester nur 16 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Schwieriger ist das bei Strom-, Gas- und Wärmelieferungen: Der Verbrauch wird meist nach einem jährlich festgelegten Ablesetermin abgerechnet. Liegt der im neuen Jahr, dürfen die Anbieter den gesamten Verbrauch mit 19 Prozent Mehrwertsteuer abrechnen. Kunden sollten in solchen Fällen mit ihren Lieferanten und Vermietern sprechen, um eine Abrechnung des Zählerstands zum Jahresende zu erwirken, rät die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

PENDLERPAUSCHALE

Die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind bald nur noch sehr eingeschränkt steuerlich absetzbar. Bisher konnten Fahrten durch eine Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer als Werbungskosten abgeschrieben werden. Jetzt bekommen nur noch Fernpendler einen Teil ihrer Fahrtkosten erstattet. Für sie gilt die Pendlerpauschale ab dem 21. Entfernungskilometer. Aufwendungen können weiterhin bis zu einer Höhe von 4500 Euro geltend gemacht werden. Darüber hinaus werden Abschreibungen nur dann vom Finanzamt berücksichtigt, wenn der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm überlassenen Pkw nutzt.

SPARERFREIBETRAG

Deutliche Einschnitte gibt es im kommenden Jahr auch beim Sparerfreibetrag, der für Ledige von 1370 auf 750 Euro und für Verheiratete von 2740 auf 1500 Euro sinkt. Zunächst sollten Sparer ausrechnen, ob sie mit ihren Einkünften aus Kapitalvermögen – also auch aus Zinsen und Dividenden – den neuen Freibetrag erreichen. Wird der Betrag unterschritten, besteht kein Handlungsbedarf. In jedem Fall lohnt es sich aber, die Höhe der Freistellungsaufträge bei Banken und Versicherungen zu erfragen und, wenn nötig, anzupassen. Ansonsten könnte Kapitalertragsteuer anfallen.

Übersteigen die Kapitalerträge den Sparerfreibetrag, besteht die Möglichkeit, Vermögen auf Kinder ohne eigenes Einkommen zu übertragen. Denn jedes Kind hat seinen eigenen Sparerfreibetrag sowie einen jährlichen steuerfreien Grundbetrag von 7664 Euro, macht insgesamt 8414 Euro, die man steuerfrei kassieren kann. Einziger Haken: Rein rechtlich gehört dem Sprössling dann auch das übertragene Vermögen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar