Energiekosten : Strompreise im Steilflug

Abzocke oder Anpassung? Jeder dritte Energieversorger will zum Jahresende den Strompreis erhöhen. Doch wieso steigen die Preise? Und was kann der Verbraucher tun?

Carsten Kloth

In Deutschland gibt es vier große Stromkonzerne, die den Markt unter sich aufgeteilt haben: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW erzeugen rund 80 Prozent des hiesigen Stroms. Auch das Leitungsnetz ist im Besitz der vier Großen. Diese geballte Marktmacht lässt die Strompreise ständig steigen – es gibt zu wenig Wettbewerb.

Gründe für den Preisanstieg

Auch wenn der Vorwurf der Preisabsprache schon mehrfach im Raum stand: Die Chefs der vier Energieriesen rufen sich sicher nicht gegenseitig an und besprechen einen möglichst hohen Strompreis. Sie begründen die Preisrunden zumeist mit gestiegenen Einkaufspreisen, die an der Strombörse in Leipzig ermittelt werden. Wie an jeder Börse sollen hier Angebot und Nachfrage den Preis bilden. Doch der Verdacht besteht, dass die großen Energiekonzerne das Angebot künstlich verknappen und so die Preise hoch halten. Die Macht dazu hätten sie. Zudem werden nur 15 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms an der Börse gehandelt. Die verbleibenden 85 Prozent verkaufen die Erzeuger außerhalb der Börse, mit frei handelbaren Preisen.

Der Strompreis steigt, da es zu wenig Anbieter gibt, vor allem auf der Erzeugerseite. Neue Kraftwerke werden nur von den großen kapitalstarken Konzernen gebaut, die gleichzeitig die Netzbetreiber sind. Sie verlangen hohe Durchleitungsentgelte und halten sich so mögliche Mitbewerber vom Leib. Notwendige Investitionen in Verteilernetze und in Verbindungen ins europäische Ausland wurden jahrelang unterlassen, was ausländische Produzenten daran hindert, ihren Strom in Deutschland zu verkaufen.

Eine Teilschuld an der derzeitigen Situation trägt auch der Verbraucher: Er reagierte in der Vergangenheit wenig beweglich. Konkurrierende Angebote kleiner Anbieter wurden nicht wahrgenommen – der Wille, den Stromanbieter zu wechseln, war wenig ausgeprägt. Offenbar gab es eine unnötige Angst davor, bei einem Wechsel ganz ohne Strom da zu stehen. Dies kann freilich nicht geschehen, da der Gesetzgeber die Versorgung sichergestellt hat. Dennoch bleibt der Kunde in einer schwachen Position: Den Kauf von Strom kann er trotz der hohen Preise nicht aufschieben, wie er es beispielsweise mit dem Kauf eines Neuwagen machen könnte.

Was also tun?

Der Wechsel des Stromanbieters kann sich dennoch lohnen, auch wenn kleine neue Stromanbieter ebenfalls von den Preisen abhängig sind, die an der Strombörse in Leipzig ermittelt werden. Bei diesen Unternehmen stehen ebenso Preiserhöhungen an. Zudem haben die vier großen Stromkonzerne längst Tochterfirmen wie Eprimo (RWE) oder E wie einfach (Eon) gegründet, die als Billiganbieter wiederum die neuen Firmen verdrängen könnten. Der wechselwillige Verbraucher sollte die Angebote daher genau betrachten und neben dem Preis auch auf den Anbieter selbst, auf Preisgarantien und auf Kündigungsfristen achten. Mit dem Wechsel setzt er ein Signal für mehr Wettbewerb.

Wie funktioniert es?

Verbraucherportale wie verivox.de oder toptarif.de bieten Orientierung. Hier kann der Verbraucher mit Hilfe von Tarifrechnern und unter Angabe des Jahresverbrauchs und der Postleitzahl die günstigsten Angebote finden. Zur Wahl stehen dabei auch Ökotarife – Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle oder Kernkraft. Ist der Anbieter gewählt, so lassen sich die Vertragsunterlagen anfordern oder direkt online abrufen. Die Abmeldung beim alten Versorger übernimmt der neue Anbieter. Selbst kündigen sollte man nur, wenn auf Grund von Preiserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht greift. Wenn die Vertragslaufzeit beim alten Versorger abgelaufen ist, dann kommt die Stromrechnung schon bald vom Neuen – sei er nun günstiger, grüner oder beides zusammen.

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