Verbraucher : Entspannt durchs Fenster schauen

Christine-Felice Röhrs

DAS TESTURTEIL: 10 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet einen Fertigkuchenteig

In der Vorstellung ist Kuchenbacken immer sehr schön. Am schönsten ist diese Vorstellung in unterzuckertem Zustand, wenn eine Nachtschicht ansteht und der Süßigkeitenautomat kaputt ist. Kuchenbacken vereint nämlich gleich zwei entspannende Elemente. Kuchen. Was für sich steht. Und Backen. Was – in der Vorstellung zumindest – für einen entspannten Sonntag steht, an dem ich gedankenverloren den Finger in die Schüssel tauche.

Warum ich so auf dem Wort „Vorstellung“ herumreite? Ich backe manchmal. Das Ergebnis: Nach 20 Minuten habe ich Rückenschmerzen, weil das Kabel vom Rührgerät so kurz ist, dass ich es nur mit stark abgespreiztem Arm bedienen kann und langweile mich, weil man nicht vor dem Fernseher backt, sondern vor der Küchenwand. Von Entspannung keine Spur, geschweige denn von jener goldenen Aureole heiler Welt um meine gestresste Stirn herum, die mir die Vorstellung verheißen hatte. Stattdessen sitzt auf meiner Schulter ein nach Verbranntem stinkender kleiner Teufel, der quietscht: Ätsch, jetzt verpasst du „Cosby“.

Nur: Was ist die Alternative? Kaufen? Berlin hat eindeutig ein Kuchenproblem. Die stark nach Hefe schmeckenden Teilchen aus den Kettenbäckereien verdienen ihren Namen nicht, geschweige denn die Tortenschnitten, die unter drei Zentimeter Glibber begraben liegen. Tortenhimmel? Zu weit weg. Tankstellenzeug? Schmeckt zu sehr nach Verzweiflung.

Die Lösung bietet jetzt Nestlé. Sie heißt: „Fertiger Teig für Schokokuchen. Nur Backen und Genießen“, für 2,29 Euro im Kühlregal. Dies ist ein sehr ordentlicher Kuchenbackersatz. Die Packung sieht zwar aus wie eine Nachfülltüte Badeöl, aber darin ist der Teig schon so fertig, so cremig-flüssig-fingereintauchfähig, dass es eine Freude ist. Man darf also backen (man quetscht den Teig in eine Form und schaut ab und zu gespannt durchs Fensterchen, ob er auch aufgeht – und natürlich geht er auf, dies ist ja schließlich vollautomatische Backware), hat keinen Abwasch und darf zwischendurch vor den Fernseher. Die Wohnung füllt sich mit dem Duft von Selbstgebackenem, was der Existenz etwas schön Bodenständiges gibt. Und gut schmecken tut’s auch noch, gar nicht staubig wie Fertigkuchen oft gelingen, sondern saftig-klitschig, und zwischen den Zähnen knacken Schokosplitter. Meine Empfehlung lautet daher: Nicht fackeln – kaufen. Ach ja, es gibt auch fertigen, cremig-flüssig-fingereintauchfähigen Muffin- und Tortenbodenteig. Völlig unkritisch grüßt ein Nestlé-Fan.

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