Verbraucher : Erst einmal rechts an der Wand lang

Bernd Matthies

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Staubsauger Es gibt nichts Blöderes als Staubsaugen, und deshalb gibt es keine bessere Erfindung als den automatischen Staubsauger, der allein arbeitet und mit seinem Lärm niemandem auf den Wecker gehen kann. Electrolux hat ihn gebaut und auf den sinnfälligen Namen „Trilobite“ getauft. Wie das prähistorische Krabbeltier legt er los, strebt leichtfüßig durch die Wohnung und mästet sich an allem, was er auf dem Boden so findet.

Na, jedenfalls prinzipiell. Da er kein Kabel hinter sich herziehen kann, muss er mit Akku arbeiten, und das bedingt einen mit 90 Watt ziemlich schwachbrüstigen Motor. Nach einer halben Stunde ist der Akku dennoch leer – kein Problem, wenn wir den Krabbler an der Ladestation gestartet haben, die er dann mit letzter Kraft wie ein verirrter Hundewelpe selbst wieder ansteuert. Dort verschnauft er zwei Stunden lang erschöpft an den Kontakten und lässt sich nur mürrisch darauf ein, die Brotzeit abzukürzen.

Zielstrebig ist er, keine Frage. Erst piept er ein wenig wie sein großer Hollywood-Bruder R2D2, dann knistert das Ultraschall-Leitsystem, und er macht sich auf den langen Weg, erst einmal rechts an der Wand lang. Das dauert, besonders in kompliziert geschnittenen Räumen und wenn viel herumsteht. Irgendwann hat er die Faxen dicke, lässt den Rand Rand sein und rollt kreuz und quer durch den Raum auf einem Zickzackkurs, der so wenig vorhersehbar ist wie die Lotto-Zahlen. Schräg durchs Zimmer, wieder zurück mit ein wenig Abdrift, dann verbissen in irgendeine Ecke, wieder retour. Das wirkt ratlos und folgt wohl dem einfachen Prinzip, dass irgendwann jede Stelle mal dran ist. Man schließt, entnervt vom Zusehen, die Tür – und stellt später fest, dass der Staub weitgehend weg ist. Oder der Akku leer.

Gute Manieren hat der Trilobite auch: Er fällt Treppen nicht hinunter, dötzt nicht an Möbel und Wände, kraxelt tapfer über niedrige Teppichkanten. Dabei kriegt er sogar reichlich Schmutz zu fassen. An den Rändern bleibt ein Streifen von etwa vier Zentimetern unbesaugt, sonst füllt sich der Behälter schnell auch mit Hundehaaren und anderem Problemgut wie dem von uns heimtückisch ausgestreuten Puderzucker, und er ist schnell wieder entleert, Tüten gibt es nicht, aber ein Filterwechsel ist obligatorisch, meist schon nach zwei Ladezyklen des Akkus. Haben! Nur: Das Ding kostet ungefähr 1200 Euro. Und dafür wird eine sorgfältige Putzfrau lange saugen – mit dem anderen, richtigen Staubsauger, den der Trilobite ja leider nicht ersetzen kann. Wenn Sie Geld ohne Ende haben und keine Putzfrau: glatt zehn Punkte.

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