Verbraucher : Es liegt was in der Luft

Sebastian Leber

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Nicht, dass ich es nötig hätte. Auf keinen Fall. Aber die Versprechungen der Internetseite klingen verlockend: Schon mit ein paar Tropfen „Original Andros Pheromon“ auf Haut oder Kleidung erhöhe man seine sexuelle Anziehungskraft auf das andere Geschlecht, heißt es da. Außerdem „erzwingen Sie Sympathie und Zuneigung, ohne dabei aufdringlich zu sein“. Pheromone, das sind Duftstoffe, mit denen Tiere derselben Spezies miteinander kommunizieren. Und Sexualpartner anlocken.

Wissenschaftler bestätigen, dass Pheromone auch beim Menschen eine große Rolle spielen. Nur die Frage, ob man die Duftstoffe wie Parfum auf die Haut auftragen und damit Frauen rumkriegen kann, ist nicht endgültig geklärt. Die Firma im Internet hat jedenfalls eine Rubrik „Kundenberichte“ eingerichtet. Darin lobt ein gewisser Markus T.: „Wirklich toll Ihre Pheromone. Beim Kennenlernen sind sie eine gute Hilfe.“ Und Lorenz S. verrät: „Meine Wirkung auf Frauen, mit Ihrem Produkt, ist extrem.“ Das lässt hoffen.

Zehn Milliliter „Original Andros“ kosten 25 Euro, auf dem Flaschenetikett steht eine Warnung: „Nur zur äußerlichen Anwendung“. Der Geruch der Flüssigkeit ist undefinierbar. Die Assoziationen meiner Mitmenschen reichen von Amaretto über Altherrenwasser bis „abgestandene Wurst“. Aber man soll das Zeug ja auch nicht pur auftragen, sondern mit einem beliebigen alkoholischen Duftwasser mischen, im Verhältnis 1:10. Ich entscheide mich für Rasierwasser von Axe, die versprechen schließlich ebenfalls, Frauen verrückt machen zu können. Dann das erste gemeinsame Abendessen in meiner WG. Keine Reaktion bei Lisa, Caro und Kristin. Die erste Fahrt mit der U-Bahn, der erste Tag im Großraumbüro, abends wieder in die U-Bahn: nichts. Ich dufte in der Kneipe, im Café, im Supermarkt, auf einem Popkonzert. Nirgendwo eine Frau, die mir nur ansatzweise Kleider vom Leib reißen möchte. Auf der Internetseite heißt es übrigens, dass Landwirte Pheromone einsetzen, um Kühe und Stiere zum Paaren anzuregen. „Als Folge des bloßen Aufsprühens des männlichen Pheromons auf die Stiere nehmen die Kühe fast augenblicklich die Paarungsposition ein.“ Ich würde mich schon über durchdringende Blicke freuen. Oder dass mich eine Frau nach der Uhrzeit fragt. Passiert aber nicht. Am Freitagabend geht es auf Svens Party, da will ich Kiki beeindrucken. Die finde ich schon seit zwei Monaten toll. Doch wie sehr ich meinen lockstoffbenetzten Hals auch in ihre Nähe halte, der Funken will nicht überspringen. Schade, bei mir scheint das mit den Pheromonen nicht zu funktionieren. Ein Trost: Von Nutzen ist „Original Andros“ sicherlich, wenn man es – unter Missachtung der Gebrauchsanweisung – unverdünnt und massenhaft aufträgt. Dann hat man zumindest viel Platz in Bus und U-Bahn. Und endlich freie Sicht im Kino.

Das Produkt im Internet:

www.andros-pheromon.de

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