Verbraucher : Expedition am Feierabend

Henrik Mortsiefer

DAS TESTURTEIL: 9 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet ein Faltboot Arved Fuchs, der Abenteurer, ist mit einem Faltboot ums Kap Hoorn gesegelt und zum Nordpol. Ich war neulich auf dem Landwehrkanal. Nach Abenteuer war auch mir zumute gewesen, nach einer Expedition, nach unbekannten Freizeiterlebnissen. Und um ehrlich zu sein: Ich wollte wenigstens einmal Kapitän sein.

Nun bieten sich Stadtbewohnern nicht viele Möglichkeiten, mit dem eigenen Boot aufs Wasser zu gehen. Es sei denn, man kann es zerlegen, in drei Reisetaschen packen und im Kofferraum eines Autos unterbringen – ein Faltboot eben.

Keiner baut sie so schön wie die Firma Klepper. Auf der Klepper Faltbootwerft Aktiengesellschaft im bayerischen Rosenheim geschieht dies seit fast 100 Jahren. Klepper hat dabei eine Konstruktionsidee zur Perfektion gebracht, die selbst Wassersport-Laien wie mich begeisterte.

Auf drei Taschen verteilt war das zweisitzige „Aerius Expedition II“ nebst Paddel tragbar – einigermaßen. Gut 35 Kilo wiegen die Außenhaut und die schätzungsweise 40 Einzelteile, die ich an einem Sommerabend am Ufer des Landwehrkanals ausbreitete. Ich fühlte mich dabei an Zeiten erinnert, als ich als kleiner Junge Rennautos und Kriegsschiffe aus hunderten kleiner Plastikteile zusammengeklebt hatte. Klebstoff, Werkzeug oder Bauplan braucht der Klepper Aerius aber nicht. Das patentierte Steck- und Schnappsystem fügt die Teile des Eschenholzgerüsts und das wasserfeste Verdeck derart passgenau und leicht zusammen, dass man bei der Arbeit deutsche Ingenieurskunst besingen möchte. Empfohlen sei trotzdem, sich vorher das mitgelieferte Konstruktions-Video anzusehen. Mit etwas Übung schafft man dann den Zusammenbau in 20 Minuten.

Ja, und dann ging es – zusammen mit meiner abenteuerlustigen Begleitung – aufs Wasser. Unter den Augen des Kreuzberger Expeditions-Publikums glitten wir bald im formschönen, 5,20 Meter langen Faltboot am Ufer entlang. Die ersten Wendemanöver missglückten, die Paddel verhakten sich, wir rammten die einzige Boje auf der Kanalmitte und verhedderten uns in Angelschnüren… Doch welche Freude! Blitzlichter flackerten am Ufer auf, schöne Frauen winkten zu uns herüber, ihre Männer sahen uns neidisch nach. Perfekt. Wen wundert’s, schließlich saß ich im Porsche unter den Faltbooten. Ein unerreichter Klassiker, leider auch im Preis. Für – Achtung! – 3090 Euro ist das zweisitzige Klepper „Aerius Expedition“ zu haben. Taschen (199 Euro) und einfachste Paddel (je 57 Euro) kommen hinzu. Für 2190 Euro bietet Klepper auch den abgespeckten Zweisitzer „Classic“. Ahoi, Kapitäne der Weltmeere!

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