Verbraucher : Fachchinesisch für Anfänger

Vier Berliner Banken im Test: Wie sie beraten, wie viel Zeit sie sich nehmen, welche Tipps sie geben

Daniel Mohr

Berlin - Hektisch holt die Beraterin eine Infobroschüre nach der anderen und legt sie auf den Tisch. Sie macht sich keine Notizen und interessiert sich nicht für das, was ich erzähle; eine Anlageberatung bei der Berliner Sparkasse. Was soll ich mit meinem Geld machen? Die Beraterin ist genervt. Der Feierabend ist nicht mehr lange hin.

Bei vier Berliner Banken habe ich in einer Tagesspiegel-Stichprobe die Anlageberatung getestet: Commerzbank, Sparkasse, Volksbank und Postbank. 18000 Euro stehen zur Verfügung. 12000 Euro sind davon bisher in Aktien angelegt, 6000 liegen auf dem Konto und sollen angelegt werden.

Verwirrend ist zunächst die erste Phase der Gespräche. Wer ich bin und was ich will, scheint zumindest die Dame von der Berliner Sparkasse nicht zu interessieren. Aber auch die anderen Beraterinnen notieren sich kaum die Angaben, die ich mache. Können die sich das alles merken? Oder haben sie einfach kein Interesse? „Man kann nicht pauschal sagen, dass es schlecht ist, wenn keine Notizen gemacht werden“, sagt Peter Lischke, Experte für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Berlin. „Die Berater werden sich dann anschließend Gesprächsnotizen gemacht haben. Schon alleine, damit sie rechtlich auf der sicheren Seite sind.“ Bei der Postbank füllen wir gemeinsam ein Formular aus. Hier werden alle Angaben eingetragen. Die Beraterin nimmt eine Einschätzung des Anlegertyps vor. Ich kann am Bildschirm mitverfolgen, was die Dame einträgt. Ein beruhigendes Gefühl, dass alles richtig aufgenommen und gespeichert wird. Vielleicht machen die anderen das hinterher, wie Lischke sagt, aber es bleiben Zweifel.

Bei den konkreten Empfehlungen hebt sich die Commerzbank positiv ab. Die Einschätzung des Anlegers als „wachstumsorientiert“ – das heißt, er ist zum Risiko bereit, aber nicht um jeden Preis – ergibt ein für mich überzeugendes Portfolio: 55 Prozent Aktien, 30 Prozent Renten, zehn Prozent Immobilien und fünf Prozent Liquidität. Dabei gibt die Beraterin klare Empfehlungen. Sie rät sogar zu einem Rentenfonds einer anderen Bank. „Wir sind da ganz leidenschaftslos“, sagt sie. Sie erklärt verständlich Funktionsweise, Chancen und Risiken. Sie hat auch einen Immobilienfonds für mich parat und erklärt für Sachfremde verständlich, was für Vor- und Nachteile der Fonds hat.

Die Berliner Sparkasse dagegen legt ohne große Worte etliche Informationsbroschüren und Ausdrucke bereit. Es geht alles sehr schnell und so richtig folgen kann ich der Beraterin nicht. Fachchinesisch, Zahlenkolonnen und Namen wie Lingohr-Europa-Systematic-BB-Invest sind abschreckend. Sie empfiehlt Investmentfonds; verschiedene Mischverhältnisse aus Aktien, Renten und anderen Anlagen. Die Dame bei der Commerzbank hatte mir erklärt, dass es besser sei, entweder Fonds mit Aktien oder Fonds mit Renten, aber nicht gemischte Fonds zu kaufen. „Beim Autofahren geben Sie ja auch nicht Gas und bremsen gleichzeitig“, hatte sie erklärt.

Die Berliner Volksbank und die Postbank empfehlen in erster Linie Aktienfonds – als Beimischung zu den 12000 Euro, die schon in Aktien investiert sind. Das ist verwunderlich. Ich wollte eigentlich eine sichere Beimischung. „Auf längere Sicht haben Aktienfonds einfach die bessere Rendite“, erklären beide. Schaut man auf die Fünfjahresbilanz, ist die Rendite nicht selten negativ. Hier scheint ein langer Atem nötig zu sein. Erst auf mehrfaches Nachfragen und den Hinweis auf immerhin zwei Drittel in Aktien kommen eher widerwillig Vorschläge zu Rentenfonds. Ich habe den Eindruck, dass sie mir die Aktienfonds verkaufen wollen.

Positiv überzeugt die Postbank-Beraterin dadurch, dass sie von eigenen Erfahrungen erzählt. Doch was sie erzählt, ist beunruhigend. Sie hat ihr gesamtes Kapital in Aktien und Aktienfonds investiert. Sie hat die gesamte Talfahrt der vergangenen Jahre mitgemacht. Eine Aktie hat 87 Prozent an Wert verloren.

Commerzbank, Postbank und Berliner Volksbank würden gerne wieder von mir hören. Bei der Berliner Sparkasse wurde nichts in dieser Hinsicht gesagt. „Wenn das Bauchgefühl schlecht ist, sollte man die Finger davon lassen“, rät Verbraucherschützer Lischke. Bei der Berliner Sparkasse war das Bauchgefühl schlecht. Die Dame bei der Volksbank bemühte sich zwar, war aber unsicher und nur mäßig kompetent. Sie erklärte die Produkte nicht wirklich verständlich. „Wenn Sie ein Produkt nicht verstehen, kaufen Sie es nicht“, sagt Lischke. Die Postbank-Beraterin war freundlich und kompetent. Sie zeichnete auf Papier Grafiken auf, um mir verschiedene Investmentfonds verständlicher zu erklären. Doch das beste Gefühl konnte die Commerzbank-Beraterin vermitteln. Sie beschränkte sich auf wenige Produkte, die sie empfahl, erklärte sie überzeugend und verständlich, zeigte Charts, räumte auch Risiken und Nachteile ohne Nachfrage ein und bot an, umfangreichere Informationen zuzusenden. Hier waren weniger Nachfragen nötig. „Generell ist es die Aufgabe des Kunden alles zu hinterfragen und nachzuhaken“, erklärt Peter Lischke. „Im Zweifel ist es besser sich dümmer zu stellen als man ist.“ Doch klare Antworten auf die Fragen sind bei der Bankberatung selten.

Genügend Zeit genommen für die Beratung, haben sich alle. Zwischen 20 und 35 Minuten dauerten die Gespräche. Auch weitere Termine bekam ich schnell, obwohl ich kein Kunde der Banken bin. „Wir sind dazu angehalten, potenzielle Neukunden besonders zu hofieren“, erklärt mir ein Bankberater. „Auch räumen wir ihnen unter Umständen gesonderte Konditionen ein.“ Davon war in meinen Beratungsgesprächen allerdings nicht die Rede.

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