Verbraucher : Falsch gewickelt?

Windeln waschen oder wegwerfen – was die Umwelt weniger belastet, ist offen. Klar ist, Einwegwindeln werden billiger

Tanja Kewes

Berlin - Bei Babywindeln purzeln die Preise weiter. Von Januar bis Oktober 2004 kostete eine Packung Babywindeln im Schnitt 9,88 Euro; im Jahr davor waren es laut dem Marktforschungsunternehmen AC Nielsen noch 9,97 Euro. Der Grund ist der starke Wettbewerbsdruck unter den Herstellern. „Die Preise werden weniger von den Produktionskosten als vielmehr durch Konkurrenzkampf im Handel bestimmt“, sagt Cäcilia Senfter, Marketingleiterin bei Hartmann, dem Hersteller von Fixies.

Große Preisstürze wie im Sommer 2003 dürfen Kunden allerdings vorerst nicht mehr erwarten. Damals hatte Pampers in einer Werbeaktion Kunden, die eine Packung Windeln gekauft haben, eine zweite Packung geschenkt. Der Pampers-Konzern Procter& Gamble versuchte so Marktanteile, die die günstigen Handelsmarken von Plus, dm, Rossmann, Lidl und Aldi erobert hatten, zurückzugewinnen. Die Aktion war ein Erfolg: Pampers blieb Marktführer und steigerte seinen Anteil auf 46 Prozent. An zweiter Stelle folgt Fixies mit rund 15 Prozent.

Die Stiftung Warentest hat 21 Babywindeln verschiedener Hersteller (siehe Tabelle) auf Tragekomfort, Auslaufschutz und Handhabung getestet. Am besten schnitten die Höschenwindeln der Marktführer Pampers und Fixies ab. Für die Spitzenwindeln sind viele Eltern auch bereit, Spitzenpreise zu zahlen. So kostet die Pampers Active je nach Packungsgröße ab 25 Cent pro Stück, die Fixies Active ab 23 Cent. Die Windeln von Lidl oder Aldi Nord kosten dagegen nur 15 Cent pro Stück.

Die erste Höschenwindel brachte Pampers 1973 auf den deutschen Markt. Heute sind Windeln regelrechte Hochleistungsprodukte. So sank in den vergangenen Jahrzehnten das durchschnittliche Gewicht einer Pampers-Windel von 300 Gramm auf 30 bis 40 Gramm. Auch der typisch dicke Windelpopo, der Babys watscheln lässt, ist geschrumpft. Möglich ist dies durch extrem saugfähiges Material. Auch der Mittelteil einer Windel, der Schritt, ist heute nur noch 70 Millimeter breit, behindert das Laufenlernen also kaum noch.

Doch angesichts des riesigen Abfallbergs, den die Wegwerfwindeln produzieren, liebäugeln viele umweltbewusste Eltern immer wieder mit der Stoffwindel. Wer keine Lust hat, die schmutzigen Tücher selbst zu waschen, kann einen Windeldienst beauftragen. Der holt meist einmal pro Woche die vollen Tücher ab und bringt frischen Nachschub. Dieser Service kostet rund 15 Euro pro Woche. In Berlin bieten mehrere Windelwäscher ihre Dienste an (siehe Kasten).

Die gelernte Kinderkrankenschwester Kathrin Maier berät seit 2001 junge Eltern bei der Säuglingspflege und betreibt Maier’s Windeldienst in Berlin. Pro Woche reinigt sie nach eigenen Angaben 40 Kilogramm Baumwolle, das sind rund 2000 Windeln. „Gewickelt wird in allen Stadtteilen und in allen Schichten“, sagt Maier, „nicht nur Öko-Freaks tun es“. Das Standardangebot mit 30 Windeln pro Woche inklusive zweier Überhosen und Vlieseinlagen kostet 12,40 Euro. Das blütenweiße Geschäft läuft so gut, dass Maier’s Windeldienst im Februar einen eigenen Laden im Prenzlauer Berg eröffnen will.

Der Streit, ob Baumwolle ökologisch besser ist als Pampers, Fixies und Co. ist aber nicht entschieden. Laut Umweltbundesamt gibt es keine Ökobilanz, die das eindeutig klärt. Auch eine Untersuchung der Technischen Universität Berlin kam zu dem Ergebnis, dass sich die Umweltbelastungen bei Mehrweg- und Einmalwindeln die Waage halten.

Da in den vergangenen Jahren immer wieder Schadstoffe in Windeln gefunden wurden und die Einwegwindel in Verruf brachten, prüfte die Stiftung Warentest auch auf Schadstoffe. Das Ergebnis: Fehlanzeige. Das Hormongift Tribuntylzin, das vor einigen Jahren für Wirbel gesorgt hatte, ist ebenso wie verbotene Azofarbstoffe, allergieauslösende Dispersionsfarbstoffe, krebsverdächtiges Formaldehyd oder problematische Chlorverbindungen aus den Höschen verschwunden.

Doch es ist nicht der Umweltaspekt allein, mit dem der Verband der Windeldienste in Europa dafür wirbt, Babys Po in Baumwolle statt High-Tech zu hüllen. Angeblich werden in Baumwolle gewickelte Kinder früher trocken. Wenn das stimmt, ist der Windeldienst am Ende billiger als die Wegwerfwindeln. Allerdings ist es wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, welche Babys tatsächlich früher trocken werden. Bei Kathrin Maier gehen Eltern dabei kaum ein Risiko ein. Ihr Windeldienst wirbt mit einer Trockengarantie: Ist ein Kleinkind nach 26 Monaten ausschließlichem Baumwollwindeltragen nicht trocken, liefert der Windeldienst die restliche Zeit gratis.

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