Fernsehbericht : Datenklau - auch Telekom-Kunden sind betroffen

Die Fälle von illegalem Datenhandel reißen nicht ab: Jetzt sind offenbar auch die Daten von Kunden der Deutschen Telekom von Kriminellen missbraucht worden - ein Call-Center verschaffte sich Zugang zu riesigen Datenbanken.

Bremerhaven Der Skandal um illegal gehandelte sensible Kundendaten zieht immer weitere Kreise: Nach Recherchen der NDR/WDR-Sendung "Kriminalreport" sind auch Kunden der Deutschen Telekom betroffen. Ein Call-Center in Bremerhaven habe sich illegal Zugriff auf Datenbanken der Telekom verschafft und Daten davon offenbar an Dritte weiterverkauft, heißt es in dem Fernsehbericht. Die Datenbanken enthalten laut Bericht persönliche Angaben von 30 Millionen Kunden.

"Die Deutsche Telekom ist offenbar Opfer hoch krimineller Machenschaften", sagte Unternehmenssprecher Philipp Blank am Montag auf Anfrage. Der Umfang sei bislang allerdings vollkommen unklar. Auf jeden Fall würden die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die betroffenen Kunden informiert. Bisher habe der NDR der Telekom lediglich einen Betroffenen, einen Täter und einen Zeugen benannt und Angaben zu einer Handvoll weiterer Kunden in Aussicht gestellt.

Telekom vermutet Kriminelle in den eigenen Reihen

"Bisher haben wir keine Erkenntnisse, dass Kundendaten der Deutschen Telekom für Trickbetrügereien missbraucht worden sind", erklärte der Sprecher. Das Unternehmen wolle alles tun, um die illegale Weitergabe von Kundendaten aufzuklären und strafrechtlich verfolgen zu lassen. Laut "Kriminalreport" vermutet die Telekom kriminelle Machenschaften in den eigenen Reihen.

Erst in der vergangenen Woche war ein umfangreicher Datenschutzskandal bekannt geworden. Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war nach eigenen Angaben eine CD-Rom mit 17.000 Datensätzen zugespielt worden. Diese enthielten auch Kontoverbindungen der aufgelisteten Verbraucher. In mehreren Fällen wurde Betroffenen ohne deren Einwilligung Geld von ihren Konten abgebucht. Dem Bundesverband der Verbraucherzentralen liegen Hunderte von Beschwerden von Menschen vor, bei denen 50 bis 100 Euro illegal abgebucht worden seien. Der in Schleswig-Holstein publik gewordene Fall von 17.000 illegal gehandelten Daten sei nur die Spitze eines Eisberges, sagte der Verbandsvorsitzende Gerd Billen. "In Deutschland findet ein illegaler Datenhandel in ungeheuerem Ausmaß statt."

Datenschützer fordern härtere Sanktionen

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte den Gesetzgeber zum Handeln auf. Jetzt müsse auch dem Letzten klar geworden sein, dass Daten einen erheblichen wirtschaftlichen Wert hätten und nicht alle, die damit umgingen, sich an Recht und Gesetz hielten. "Das Sanktionensystem des Bundesdatenschutzgesetzes ist so löchrig wie ein Schweizer Käse", kritisierte Schaar bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Verbraucherschützern und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter in Berlin. Das Bundesdatenschutzgesetz sieht bei Verstößen ein Bußgeld von maximal 250.000 Euro und in schweren Fällen eine Freiheitsstrafe von höchsten zwei Jahren vor.

Die Bundesregierung will zunächst die Ermittlungen über den mutmaßlichen Missbrauch von 17.000 Daten abwarten. Das Call Center Forum Deutschland verurteilte den illegalen Adresshandel. (jam/dpa/AFP)

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