Verbraucher : Finanzen für Einsteiger

Wie Auszubildende, Studenten und Berufsanfänger ihr Geld anlegen sollten – und wo Staat oder Arbeitgeber Zuschüsse gewähren

Henning Zander

An diesem Freitag beginnt für viele Schulabgänger das Ausbildungsjahr. Die Aussicht, bald das erste selbst verdiente Geld ausgeben zu können, weckt Begehrlichkeiten – auch bei Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften. Sie alle werben um die junge Kundschaft. Auch Studierende und Berufseinsteiger zählen zur Zielgruppe des Finanzmarketings. Ob Lehrling, Student oder Berufsanfänger – Gedanken über die Verwendung ihres Einkommens müssen sich alle machen. Dabei spielen Vermögensaufbau und Altersvorsorge eine immer größere Rolle. Experten empfehlen angesichts der gesetzlichen Rentenlücke, möglichst früh damit anzufangen, um langfristig mehr von den Ersparnissen zu haben. Und: Wer es richtig anstellt, kann mit Extraangeboten und staatlichen Zuschüssen Geld sparen.

GIROKONTEN

Fast schon zum Standardangebot vieler Banken gehört ein kostenloses Girokonto, oft inklusive Kreditkarte, für Berufseinsteiger. 31 deutsche Banken bieten nach Angaben von Stiftung Warentest ein solches Konto an. Bedingung ist dafür meist ein regelmäßiger Geldeingang oder ein bestimmtes Alter des Kontoinhabers. Ob ein Konto kostenlos ist, hängt auch davon ab, inwieweit der Kontoinhaber Bankgeschäfte in den Filialen tätigen will. Wer darauf verzichten kann und Online-Banking für ausreichend hält, kann oft auf günstigere Konditionen zurückgreifen. Das Postbank Giro plus ist bei einem monatlichem bargeldlosen Geldeingang von 1250 Euro kostenlos. In allen anderen Fällen kostet es 5,90 Euro im Monat. Online-Banking ist inklusive. Im ersten Jahr nach der Kontoeröffnung muss für eine Visa-Kreditkarte nichts bezahlt werden. Auch das Konto Kompakt online der Berliner Volksbank ist kostenlos. Allerdings ist die Kontoführung nur über das Internet möglich.

VERMÖGENSWIRKSAME LEISTUNGEN

„Als Berufsanfänger sollte man die vermögenswirksamen Leistungen und die Riester-Rente wahrnehmen“, rät Heinz Landwehr von der Stiftung Warentest. „Das ist leicht verdientes Geld.“ Vermögenswirksame Leistungen (VL) sind Geldleistungen, die der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer anlegt. Ob ein Anspruch auf die Leistungen besteht, ergibt sich aus dem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung. Der Arbeitgeber zahlt bis zu 40 Euro monatlich in eine vom Arbeitnehmer gewählte Anlageform ein. Die Banken haben solche Anlageprodukte meist gesondert gekennzeichnet. Möglich sind VL für Banksparverträge, Fonds-Sparpläne, Kapitallebensversicherungen oder Bausparverträge. Der Staat stockt die VL bei Bausparverträgen um neun Prozent und bei Fondssparplänen um 18 Prozent auf. Der Betrag wird nach sieben Jahren überwiesen. Eine gute Rendite verspricht das Bausparen bei der Alten Leipziger mit dem Tarif easy Plus. Sie liegt inklusive Sparzulage bei derzeit etwa 5,2 Prozent. Das Bausparangebot beim Tarif Q 16 der Quelle Bausparkasse kommt auf gut 4,9 Prozent.

RIESTER-RENTE

Während über die vermögenswirksamen Leistungen Geld für etwaige Investitionen gesammelt wird, soll über die Riester-Rente ein Teil der Altersabsicherung bestritten werden. Drei Vertragstypen stehen zur Auswahl: Rentenversicherungen, Fonds- und Banksparpläne. Für Berufsanfänger empfiehlt die Stiftung Warentest Fondssparpläne. Diese garantieren zwar keinen festen Zins für das angelegte Geld, bieten aber langfristig die größeren Renditechancen. Die volle Höhe der staatlichen Förderung gibt es, wenn ein Mindestbetrag in die private Altersvorsorge investiert wird. Der liegt derzeit bei drei Prozent des Bruttoeinkommens und soll 2008 auf vier Prozent steigen. Doch der Anleger muss nicht allein für diese Summe aufkommen. Sie wird ergänzt durch den staatlichen Zuschlag, der derzeit für einen Ledigen 114 Euro und für Verheiratete 228 Euro pro Jahr beträgt. Mit jedem Kind kommen weitere 138 Euro hinzu. Ein 30-jähriger Verheirateter mit einem Kind müsste bei einem Bruttolohn von 30 000 Euro für die Gothaer Ergänzungsvorsorge im ersten Jahr 54 Euro pro Monat bezahlen, um die Förderung optimal ausschöpfen zu können. Mit 65 würde er dann eine zusätzliche Rente von 301,31 Euro im Monat bekommen.

LEBENSVERSICHERUNG

Eine weithin verbreitete Form der Altersvorsorge ist der Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung. In ihr werden Todesfallabsicherung und ein Sparvorgang miteinander kombiniert. Der Anleger bekommt sein Geld bei Ablauf der Versicherungsdauer – oder seine Hinterbliebenen werden im Todesfall ausbezahlt. „Wir raten Berufsanfängern von solchen Produkten ab“, sagt Bianca Höwe vom Bund der Versicherten. „Zum einen sind mit dem Abschluss der Versicherung hohe Kosten verbunden. Zum anderen schränken die langen Laufzeiten bis zu 40 Jahre die Flexibilität des Anlegers ein.“ Wenn zwischenzeitlich das Geld gebraucht werde, sei ein Rückkauf teuer. „Es ist auch nicht einzusehen, weshalb zwei so unterschiedliche Dinge wie Altersvorsorge und Risikoabsicherung durch eine Versicherung auf diese Weise verknüpft werden“, sagt Höwe. Wer eine Familie absichern wolle, könne dies sinnvoller später durch eine Risikolebensversicherung tun. Dennoch können kapitalbildende Lebensversicherungen respektable Renditen erwirtschaften. Nach Berechnungen des Branchendienstes Map-Report soll eine Lebensversicherung bei der Debeka bei einer 30-jährigen Laufzeit und einem jährlichen Beitrag von 1200 Euro eine Ablaufrendite von 6,9 Prozent erwirtschaften.

FONDS

Gerade Berufsanfänger sollten für ihre Altersvorsorge in Fonds investieren. Zwar garantieren sie keine Sicherheit für das eingezahlte Kapital. Dafür ist aber langfristig eine sehr gute Rendite möglich. „Über die lange Laufzeit wird das Risiko der Anlage ausgeglichen“, sagt Höwe. Dennoch plädiert die Verbraucherschützerin dafür, dass Anleger nicht ihre komplette Altersvorsorge in Fonds anlegen. „Das Beste ist eine risikogerechte Streuung. Wenn man von 100 Euro, die man zur Altersvorsorge sparen will, etwa die Hälfte in Fonds investiert, können damit sehr gute Ergebnisse erzielt werden.“ Empfehlenswert sind Sparpläne für breit gestreute, weltweit anlegende Fonds. Hätte man zum Beispiel in den vergangenen 20 Jahren jeden Monat 100 Euro in den Templeton-Growth-Fonds investiert, insgesamt also 24 000 Euro, hätte man heute ein Vermögen von 78 576 Euro angesammelt. Das Wert des Fonds stieg im Schnitt um 10,69 Prozent pro Jahr.

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