Verbraucher : Fitnesstraining vor dem Fernseher

Ina Kossin

Kinder verändern dein Leben – den Satz kann man so oder so auslegen. Meine Kollegen halten mich für eine Rabenmutter, weil ich ehrlich dazu stehe, dass diese Änderungen nicht immer nur positiv sind. Da die meisten von ihnen keine Kinder haben, kann ich damit gut leben.

Meine Tochter wünscht sich zum 25. Geburtstag die neue Spielekonsole von Nintendo. Das kommt sicher daher, dass sie aus einer Zockerfamilie stammt. Angefangen hatte es mit Rommé, damals konnte sie weder lesen noch schreiben. Später folgten Mensch ärgere Dich nicht, Monopoly und andere. Dann kamen die PC–Spiele. Nächtelang spielten wir vom Sofa aus Mario-Party, Super-Mario und diverse Autorennen. Doch diese Zeiten sind vorbei!

Die neue Konsole wurde bestellt (bei Neckermann 279,00 Euro) – natürlich im Internet – und da der Geburtstag erst in 14 Tagen ist, konnte die Mutter testen, was die Kinder heute so spielen.

Nach zehn Minuten sind alle Kabel angeschlossen und der Bewegungssensor auf dem Fernseher platziert. Als Joystick dient ein kleines Plastikteil, genannt Wii-Mote Controller, das gut in der Hand liegt. Im Lieferumfang ist eine Sport-Edition enthalten, also DVD rein und der Anleitung gefolgt. Diese ist super einfach, alle Einstellungen sind in Kürze erledigt.

Wir entscheiden uns erst einmal für ein paar Trainingseinheiten im Baseball, Golf, Bowlen, Boxen und Tennis. Eine gute Entscheidung, denn es bedarf schon einer gewissen Routine, den Baseball oder Tennisball im richtigen Moment zu treffen. Um der Realität noch etwas näherzukommen, kann man den Controller mit dazugehörigen Aufsätzen ergänzen. Und es macht Spaß! Man steht vor seinem Fernseher und schwenkt mit den Armen, geht in die Hocke oder weicht dem Gegner aus. Ein Bild für die Götter. Nachdem wir mit unseren Schlägen den halben Tisch abgeräumt haben und die nahe stehende Palme immer wieder einen Hieb abbekommt, wird erst einmal Platz geschaffen. Da wir nur einen Controller haben, kann immer nur einer spielen. Was uns aber aufgrund des enormen Platzbedarfes ganz lieb ist und garantiert, dass wir unverletzt bleiben. Nach einigen Spielen bin ich aus der Puste, und langsam, aber sicher verlässt mich mein Deodorant.

Ebenfalls auf der DVD ist ein Fitnesstest, bei dem man seine Kraft und sein Geschick bei allen Sportarten unter Beweis stellen kann. Mein Test ergibt ein errechnetes Alter von 55 Jahren, zehn Jahre älter als im wirklichen Leben. Das macht mich nachdenklich, Fitnessclub: Ich komme!

Alles in allem ein sehr schönes Spiel, das sich um viele andere Spiele ergänzen lässt. Ein Abend vor dem Fernseher, aber irgendwie anders. Deshalb gibt’s von mir die volle Punktzahl. Allein wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mir dieses Ding zu kaufen. Kinder sind toll.

DAS TESTURTEIL:zehn Punkte

0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

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