Verbraucher : Fremdes Geld

Geschäfte mit Devisen gelten als riskant – trotzdem gibt es Anlagemöglichkeiten für Privatanleger

Stefan Kaiser

Wer ins Ausland reist, braucht Geld – und das meist in fremden Währungen. Besonders für längere Aufenthalte kann es sich deshalb lohnen, ein Währungspolster am Devisenmarkt zu schaffen. Der Devisenmarkt gilt als der größte Markt der Welt. Jeden Tag schieben Händler Währungen im Wert von 1,9 Billionen US-Dollar um die Welt – rund zwanzig Mal so viel wie mit Aktien umgesetzt wird. Die meisten Privatanleger lassen aber die Finger von Devisengeschäften, weil sie als zu riskant oder zu kompliziert gelten.

Dabei gibt es auch für Privatanleger Möglichkeiten, mit Währungsschwankungen Geld zu verdienen – nicht nur für die Reisekasse. Ähnlich wie bei Aktien und Anleihen hängt die Wahl der Anlage von zwei Kriterien ab: Von den Erwartungen an die künftige Entwicklung der Währung und vom Risiko, das der Anleger eingehen will. Generell ist der Devisenmarkt zwar schwankungsanfälliger als Aktien- und vor allem Rentenmärkte. Doch es gibt auch hier vergleichsweise sichere Häfen.

„Zu den defensiveren Produkten gehören Geldmarktfonds oder Rentenfonds, zum Beispiel mit Dollar-Anlagen“, sagt Stephan Kühnlenz von „Finanztest“. Geldmarktfonds investieren überwiegend in Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten. Das Risiko ist meist breit gestreut, der Anleger kann jederzeit auf das Geld zugreifen. „Allerdings sollte man darauf achten, dass die Fonds keinen Ausgabeaufschlag haben“, rät Kühnlenz.

Eine andere Möglichkeit, seine Reisekasse frühzeitig zu füllen, sind Währungskonten wie sie etwa die Comdirektbank oder American Express anbieten. Dabei zahlt der Anleger einen bestimmten Dollarbetrag zum aktuellen Wechselkurs auf das Konto ein. Dort liegt das Geld bis zum Antritt der Reise. Verzinst wird es in Abhängigkeit von der jeweiligen Währung. Allerdings bieten nicht alle Banken Währungskonten an, zudem können sich die Gebühren erheblich unterscheiden.

All diese Anlagen lohnen sich aber nur, wenn man darauf setzt, dass der Kurs der Anlagewährung steigt. „Auf fallende Kurse kann man nur mit Derivaten setzen“, erklärt Stephan Kühnlenz. Zu diesen Derivaten gehören Optionsscheine oder Mini-Futures. Diese Instrumente haben gemeinsam, dass der Anleger eine Wette auf den späteren Kurs der Währung eingeht. Beim Kauf eines Futures verpflichtet er sich, eine bestimmte Menge einer Währung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Setzt ein Anleger etwa darauf, dass der Kurs des Dollars, der zurzeit bei rund 78 Euro-Cent liegt, bis zum Jahresende fällt, kann er eine so genannte Short-Position eingehen, die ihm zusichert, seine Dollars auch im Dezember noch für 78 Euro-Cent verkaufen zu können. Rechnet er mit einem steigenden Dollar geht er „Long“ und sichert sich das Recht, die US-Währung im Dezember für 78 Euro-Cent zu kaufen. „Durch den Hebeleffekt, mit dem diese Produkte ausgestattet sind, erzielt der Anleger überproportionale Gewinne, wenn seine Richtungswette aufgeht und überproportionale Verluste – bis hin zum Totalverlust, bei Optionsscheinen – wenn dies nicht der Fall ist“, erklärt Christian G. Liste vom Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei in Berlin. Privatinvestoren könnten Bewegungsänderungen der Währung kaum rechtzeitig feststellen. „Die Anleger sollten wissen, dass das Wetten sind und nur einen kleinen Teil ihres Geldes in solche Produkte investieren“, warnt deshalb auch „Finanztest“-Experte Kühnlenz.

Im Internet können Anleger direkt in den Handel mit Devisen einsteigen. Kunden bei der FX-Direct-Bank müssen als Sicherheit 10 000 Euro hinterlegen. Nach Angaben des Unternehmens werden sie umfassend über die Risiken aufgeklärt.

Auch bei Aktienkäufen kann es sinnvoll sein, einen Blick auf die Währungen zu werfen. Beim Kauf von US-Aktien sollte man immer die Wechselkursänderungen im Blick haben, rät Devisenexperte Liste. Auch wenn die Papiere in Euro notiert sind, schlagen sich Änderungen im Wert nieder. Ein weiter steigender Euro kann so die an der Börse erzielten Gewinne mit US-Aktien leicht schmelzen lassen.

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