Führerschein : Kleiner Schein für großes Geld

Wer seinen Führerschein macht, gibt schnell mehr Geld aus als erwartet. Wo sind die Kostenfallen?

Andreas Menn
1400 Euro geben Berliner Fahrschüler im Schnitt aus, wenn sie ihren Führerschein machen wollen.
1400 Euro geben Berliner Fahrschüler im Schnitt aus, wenn sie ihren Führerschein machen wollen.Foto: dpa

Den Führerschein zum bestandenen Abitur – für die Reifeprüfung lassen viele Eltern gern etwas springen. Doch das großzügige Geschenk wird für die Schenker oft teurer als gedacht. Obwohl ihr Ablauf bis ins Detail vorgeschrieben ist, kann man nur schwer abschätzen, wie teuer die Fahrprüfung unterm Strich sein wird. Denn nicht nur die Preise und die Zahl der Fahrstunden variieren deutlich; viele Fahrschüler müssen ihre Prüfung auch mehrmals wiederholen. Für die Teilnehmer bedeutet das oft unerwartete Mehrkosten. Ein Überblick über die wichtigsten Kostenfallen.

GESAMTKOSTEN

Durchschnittlich kostet ein Führerschein der Klasse B (PkW) in Deutschland 1337 Euro, wie eine Studie des Internet-Portals auto.de kürzlich ergab. Je nach Region unterscheiden sich die Gebühren aber sehr deutlich. In Lebendorf (Sachsen-Anhalt) zahlen die Fahrschüler gerade mal 800 Euro, während man in Merklingen (Baden-Württemberg) auf stolze 2000 Euro kommt. Berlin liegt mit 1400 Euro etwas über dem Durchschnitt und ist das teuerste ostdeutsche Bundesland. Der Preis setzt sich zusammen aus dem, was die Fahrschule verlangt, Gebühren der Straßenverkehrsbehörde und den Prüfungsgebühren.

FAHRSCHULPREISE

Wer zum Hausarzt geht, kann sich darauf verlassen, dass der ihm für jede medizinische Leistung eine gesetzlich festgelegte Gebühr berechnet. Bei Fahrschulen gibt es eine solche Gebührenordnung nicht. Zwar schreibt der Gesetzgeber den Anbietern vor, wofür sie Honorare verlangen dürfen. Den Preis für die Leistungen können Fahrschulinhaber aber frei bestimmen. So kommt es, dass Theorie- und Fahrstunden bei verschiedenen Fahrschulen unterschiedlich viel kosten. Angehende Fahrschüler sollten darum die Details der Preistabellen genau studieren.



THEORIE

Bereits bei der Grundgebühr gibt es laut auto.de deutliche Gebührenunterschiede zwischen 49 Euro und 340 Euro. Der ADAC empfiehlt hier, höchstens das Zehnfache einer Normalfahrstunde zu akzeptieren. In der Grundgebühr sind Verwaltungskosten und der komplette theoretische Unterricht enthalten. Aufgepasst: Lehrmaterialien und Unterrichtsbögen berechnen viele Anbieter zusätzlich – und zwar bis zu 80 Euro. Am Ende zählt also die Summe der einzelnen Posten.

FAHRSTUNDE

Die Fahrstunden sind der Kostenblock, der sich am schlechtesten vorherplanen lässt. Wer weiß schon vorher, wie schnell er sicher durch den Berufsverkehr steuert oder auf der Autobahn unterwegs ist? Viele neigen dazu, den Anbieter mit den geringsten Tarifen zu wählen. Doch das kann schnell nach hinten losgehen, wenn der Fahrlehrer sich als schlecht und das Fahrschulauto als Klapperkiste erweist. Durchschnittlich zahlen deutsche Fahrschüler für eine 45-minütige Fahrstunde 30 Euro, hat auto.de ermittelt. Für Autobahnfahrten, Überlandfahrten oder Nachtfahrten verlangen die Anbieter höhere Preise. Auch die Länge der Fahrstunden variiert – bei einem Anbieter beträgt sie 40 Minuten, bei anderen zehn Minuten mehr. Erhebliche Abweichungen gibt es auch bei den Fahrprüfungskosten. Im Durchschnitt liegen sie bei 105 Euro. Es empfiehlt sich, zum Taschenrechner zu greifen und mehrere Angebote zu vergleichen. Eine Unsicherheit bleibt immer bestehen: Es ist nicht vorhersehbar, nach wie vielen Fahrstunden der Fahrlehrer das Okay für die Prüfung gibt. Wenn er weitere Fahrstunden verordnet, schleicht sich schnell der Verdacht ein, dass Geschäftsinteressen dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen. Doch manches spricht dafür, lieber länger zu proben, als durch die teure Prüfung durchzufallen – zum Beispiel die Statistik: Von den 54 524 praktischen Prüfungen, die im Jahr 2008 in Berlin durchgeführt wurden, wurden 34,4 Prozent nicht bestanden. Wer durchfällt, muss die Gebühren für die Vorstellung zur Prüfung in der Fahrschule und die Prüfungsgebühren bei Tüv oder Dekra erneut zahlen. „Die Sicherheit am Steuer sollte bestimmen, wie viele Fahrstunden man nimmt, und nicht der Geldbeutel“, resümiert Katharina Bauer vom ADAC.

AUSWAHL

„Bei der Wahl der Fahrschule ist die Qualität noch wichtiger als die Kosten“, sagt ADAC-Expertin Bauer. Neben dem Preis zählt darum auch der persönliche Eindruck und das Vertrauen, das man zu der jeweiligen Fahrschule hat. Experten raten, zunächst das Gespräch zu suchen und sich vor Ort ein Bild des Anbieters zu machen. Wenn eine Fahrschule bei grundsätzlichen Fragen wie Preis, Fahrschulauto und Ablauf der Ausbildung herumdruckst, sollte man misstrauisch werden. Viele Fahrschulen bieten auch an, probeweise am Theorieunterricht teilzunehmen und bei einer Fahrstunde mitzufahren. Dabei stellt man schnell fest, ob man mit seinem möglichen zukünftigen Fahrlehrer zurecht kommt. Hilfreich sind die Erfahrungen von Verwandten und Bekannten. Und noch einen Spartipp hat der ADAC parat: „Es kann sich lohnen, mehrere Führerscheine gleichzeitig zu machen“, sagt Expertin Bauer, „etwa die Klassen B und A (Motorrad). Die Grundgebühr fällt dann nur einmal an.“

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