Verbraucher : Für alle Fälle

Mit Zertifikaten kann man von vielen Börsenlagen profitieren – auch wenn die Kurse fallen

Henrik Mortsiefer

Ein Schritt vor – ein Schritt zurück: Der Dax kommt nicht in Schwung. Im vergangenen halben Jahr hat der Deutsche Aktienindex nur gut 100 Punkte zugelegt, ein mageres Plus von etwas mehr als zwei Prozent. Bleibt es so langweilig am Aktienmarkt? Oder bricht der Dax nach oben aus? Oder fällt er wieder?

Um für alle denkbaren Börsenlagen gewappnet zu sein, können Anleger auf spezielle Wertpapiere setzen: Zertifikate. Inzwischen gibt es mehrere 10000 solcher Papiere. Das sind Anlageprodukte, deren Wertentwicklung von Aktienkursen, Indizes oder Rohstoffpreisen abhängt. Der Vorteil: Schon sehr einfach konstruierte Zertifikate können auch dann Gewinn abwerfen, wenn die zugrunde gelegten Basiswerte stagnieren oder an Wert verlieren. Anleger profitieren so von verschiedenen Marktentwicklungen.

Dem Einfallsreichtum der Emittenten ist dabei keine Grenze gesetzt. Täglich bringen Banken neue Produkte auf den Markt. Besonders beliebt sind dabei Index-Zertifikate (siehe Kasten). Im Trend liegen Zertifikate auf Indizes, die erst kürzlich von der Deutschen Börse geschaffen wurden. So der am 1. März eingeführte DivDax, der die 15 Dax-Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite enthält, oder ähnliche Dividenden-Indizes der Stoxx-Familie. Da die Konzerne nach dem Rekordjahr 2004 besonders viel ausschütten und der Dax eine Dividendenrendite von mehr als zwei Prozent aufweist, lohnt sich prinzipiell ein Investment.

Die Hypo-Vereinsbank (www.hvb.de) hat zum Beispiel Mitte April fünf neue Endlos-Zertifikate auf die „Stoxx Select Dividend“-Indizes auf den Markt gebracht. Aber Vorsicht: Nur bei den Varianten, die sich auf die jeweiligen Performance- und nicht die Preis-Indizes beziehen, werden auch die Dividendenerträge ausgeschüttet. Neu ist auch ein Zertifikat von Merrill Lynch (www.certifikates.ml.com) auf den V-Dax: Der Index gibt an, welche Volatilität (Schwankungsbreite) von den Marktteilnehmern innerhalb der nächsten 45 Kalendertage am Aktienmarkt erwartet wird. Das Zertifikat verspricht dem Anleger also einen Gewinn, der umso höher ausfällt, je stärker die Kurse schwanken. Die Laufzeit endet am 2. Mai 2006. Laut Merrill Lynch ist das Zertifikat als Absicherung für ein Depot geeignet, das in Dax-Werte investiert, da Kursschwankungen besonders in Zeiten sinkender Kurse zunähmen.

„Unerfahrene Anleger sollten nur Zertifikate kaufen, deren Konstruktion sie verstehen“, sagt Stephan Kühnlenz, Finanzexperte bei der Stiftung Wartentest. Und immer dann, wenn ein Zertifikat einen Hebel ansetze (also als Turbo- oder Sprinter-Zertifikat konstruiert ist), sollten Anfänger zurückhaltend sein. Denn höheren Gewinnchancen können Totalverluste gegenüberstehen.

Umso verlockender scheinen da so genannte Garantie-Zertifikate. Frisch am Markt: das Garantiezertifikat auf den Euro-Stoxx-50-Index von HSBC Trinkaus&Burkhardt (www.trinkaus.de). Es bietet Anlegern neben der Sicherheit eines Kapitalschutzes die Möglichkeit, zu 120 Prozent an der positiven Entwicklung des Index zu partizipieren. Allerdings nur, wenn der Euro Stoxx 50 am Ende der Laufzeit (18. März 2011) über 3100 Punkten notiert. „Garantieprodukte sind eigentlich unnötig“, sagt Stephan Kühnlenz. „Mit dem richtigen Mix aus Anleihen und Aktien kann man sich das Depot auch selbst so konstruieren, dass man – bei gegebenem Risiko – ein bestimmtes Kapital erhalten will.“ Doch nicht jeder Anleger will sich diese Mühe machen und nimmt stattdessen höhere Kosten für ein fertiges Produkt in Kauf.

Sparen kann man aber auch bei Zertifikaten. Etliche Banken sind sehr talentiert dabei, Preisaufschläge in komplizierten Konstruktionen der Zertifikate zu verstecken. Jüngstes Beispiel: das von ABN Amro angebotene „Best of Funds“-Zertifikat (www.abn-zertifikate.de), das auf von der Bank ausgewählte Top-Fonds setzt und mit hohen Gebühren Käufer eher abschreckt. „Hier wird das kostengünstige Prinzip der Zertifikate ad absurdum geführt“, kritisiert ein Banker.

Neben den Ausgabegebühren verdienen die Banken vor allem an der Differenz von Kauf- und Verkaufspreis (Spread). Da die Zertifikate verschiedener Banken oft gleich konstruiert sind, lohnt sich ein Vergleich der Spreads. Auch die Bezugsquelle entscheidet über die Kosten. So bieten Direktbanken an, die Papiere nicht über die Börse, sondern preisgünstiger direkt bei der Bank zu erwerben. Da das Geschäft mit Zertifikaten boomt und die Konkurrenz groß ist, verzichten einige große Anbieter sogar ganz auf zusätzliche Gebühren: Deutsche Bank, Commerzbank und ABN Amro bieten Dax-Zertifikate ohne Spread und Ausgabeaufschlag an.

Mehr Informationen unter:

www.zertifikateweb.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben