Verbraucher : Für alle Fälle

Damit größere Einmalanlagen dauerhaft Freude machen, raten Experten, sie nach Laufzeiten und Produkten gestaffelt anzulegen

Nils sorge

Nicht nur Lottokönige tun sich oft schwer damit, ein plötzlich verfügbares Vermögen so anzulegen, dass sie möglichst lange viel davon haben. Wer erbt oder eine Abfindung nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb erhält, muss ebenfalls recht schnell zum Anlageexperten in eigener Sache werden. Das gilt auch, wenn die Lebensversicherung fällig wird, ein Sparplan endet, oder der Anleger Kurssteigerungen am Aktienmarkt in Cash verwandelt hat. Besonders, wenn das Geld einen wesentlichen Teil zur Versorgung im Alter leisten soll, geht es oft um sechsstellige Beträge, auf deren Ertrag Verlass sein soll. Wer 100 000 Euro intelligent anlegt, kann sich aber ein ordentliches und dauerhaftes Zusatzeinkommen sichern.

Am Anfang stehen immer einige grundsätzliche Überlegungen, was das Geld leisten soll. Um derartige Strategiefragen kümmern sich Anleger oft zu wenig und verfallen stattdessen als besonders attraktiv angepriesenen Produkten, kritisieren unabhängige Vermögensberater.

Vor allem, wenn das plötzlich vorhandene Geld den Hauptbestandteil des Vermögens darstellt und der Besitzer den Großteil des Berufslebens hinter sich hat, sollte die Anlage eher konservativ ausfallen. Dennoch müssen diese Anleger nicht tatenlos zusehen, wie andere von steigenden Zinsen und Kursen profitieren, während sie selbst etwa an jahrelang magere Renditen gebunden sind.

Die erste Priorität heißt Darlehen tilgen . Wer noch Kredite auf das eigene Haus oder die Wohnung abzahlt, sollte diese zunächst tilgen, um Zinsen zu sparen, rät Weberbank-Privatkundenberater Oliver Specht. „Allerdings sollte man dabei ein Sicherheitspolster behalten’“, sagt Specht. Ein paar tausend Euro für die neue Waschmaschine und die nächsten Reparaturen sollten immer übrig bleiben, um hohe Zinsen für ein überzogenes Girokonto oder einen Privatkredit zu vermeiden.

Bevor das Geld in die diversen Anlageformen fließt, sollten aber auch steuerliche Fragen geklärt werden. Wer seine Abfindung oder sein Erbe auf einmal festlegt, dem fehlt später oft Flüssiges, um Nachforderungen des Finanzamtes nach Einkommens- und Erbschaftssteuer zu begleichen. „Diesen Fehler machen Anleger immer wieder“, sagt Oliver Specht.

Bei Geldanlagen raten Experten, nach Laufzeit zu unterscheiden. „Darüber sollten sich Anleger einen besonders schweren Kopf machen“, sagt Geldanlage-Experte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest. Er empfiehlt, das Geld gestaffelt nach Laufzeiten anzulegen, um auf die Schwankungen am Zinsmarkt reagieren zu können und auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren zu können.

Wenn das Auto streikt oder das Hausdach Wasser durchlässt, fallen teure Reparaturen an, die sich am günstigsten mit mit sofort verfügbarem Geld von der „hohen Kante“ bezahlen lassen. Etwa zwei bis drei Monatsgehälter sollten daher liquide verfügbar sein, rät Döhler. Verfügt der Anleger über 100 000 Euro, können gut und gern 10 000 Euro als Tagesgeld , in Geldmarktfonds oder als kurzfristige Festgelder angelegt sein, empfiehlt Specht. Auf diese Weise lassen sich derzeit zwei bis drei Prozent Zinsen bei voller Flexibilität erzielen.

Um von steigenden Zinsen zu profitieren, sollte aber ein weiterer Teil des Vermögens gerade in Zeiten niedriger Zinsen kurzfristig verfügbar sein, sagt Oliver Specht. Konservativ orientierte Anleger finden Rentenfonds vor, die drei bis dreienhalb Prozent Zinsen abwerfen, aber nur wenige Jahre laufen.

Wer sich dagegen mit einem Großteil des Vermögens auf eine lange Laufzeit festlegt, bekommt zwar höhere Nominalzinsen als kurzfristige Anleger. Angesichts des steigenden Zinsniveaus lassen sich in einigen Monaten möglicherweise jedoch schon bessere Konditionen erzielen. Außerdem wächst bei steigenden Zinsen das Risiko von Kursverlusten. „Deshalb ist es derzeit nicht ratsam, den Großteil des Vermögens langfristig und fest gebunden anzulegen“, sagt Döhler. Laufen die Produkte über mehrere Jahre ohne Ausstiegsklausel, droht ein Verlustgeschäft, wenn die Kündigung der alten Anlagevereinbarung mit Gebühren und Abstrichen bei den Zinsen verbunden ist. Dagegen bieten Bundesschatzbriefe Typ A und vergleichbare Zinstreppen-Angebote der Banken mehr Flexibilität, weil sie zum Teil mit einer Dreimonatsfrist kündbar sind. Weberbank-Experte Specht rechnet zudem mit künftig relativ hohen Zinsen für kurzfristige Anlagen und vergleichsweise niedrigen Zinsen für längerfristige Produkte.

Specht empfiehlt, bei einer Anlage von 100 000 Euro die Anlageklassen nach dem Vier-Säulen-Modell auf verschiedene Laufzeiten zu verteilen – auch wenn das Geld der Altersvorsorge dienen soll. Immobilienfonds mit etwa zehn Prozent und Aktien mit bis zu 30 Prozent sollten daher neben einem mit 50 Prozent überwiegenden Anteil von Rentenfonds und etwa zehn Prozent sofort verfügbaren Geldern ebenfalls enthalten sein.

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