Verbraucher : Furchtlos an die Frucht

Carsten Brönstrup

DAS TESTURTEIL: 7 Punke 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Ananasschäler Von allen wohlschmeckenden Früchten ist die Ananas zweifellos eine der übelsten Sorten. Neben ihrer klobigen Form und ihren stacheligen Blättern ärgert sie die Freunde des Vitamins vor allem mit ihrer holzigen Schale und dem zähen Kern. Bis ein Exemplar des tropischen Strauchobstes per Messer gehäutet, entkernt, von allerlei Augen befreit und in mundgerechte Portionen zerteilt ist, dauert es meist Ewigkeiten.

Doch es gibt ein Werkzeug, das aus Ewigkeiten Minuten macht und gleichsam im Handumdrehen die Frucht von ihren Übeln befreit. Versprach zumindest der Online-Shop und pries mir den Ananasschäler für nur 4,99 Euro an. Ich bestellte – doch der Argwohn, dass sich so ein Ding bald von ähnlich zweifelhaftem Nutzen wie Spaghettigabel, Kartoffelschäler oder Butterformer erweisen würde, wich nicht.

Furchtlos muss sein, wer das runde, wild gezackte Messer auf der vom Strunk befreiten Ananas ansetzt. Für den Fall des unfreiwilligen Abrutschens vom Schälobjekt sollte unbedingt Verbandszeug bereitliegen. Nun sei der Apparat per Kreiselbewegung in die Frucht zu schrauben, empfahl die beiliegende Anleitung. Das funktionierte mit etwas Druck recht passabel. Doch gilt hier die alte Obstregel: Je mehr Druck, desto Saft. Das Vordringen des Schälers hinterließ einen süßen See auf dem Tisch.

Am Ende des Bohrvorgangs wird es spannend. Das Fruchtfleisch könne nun aus der Schale gezogen werden wie ein Korken aus der Flasche, hieß es weiter. Das klappte beim ersten Mal nicht, weil die bearbeitete Frucht bereits zu glitschig war. Nach etwas Gefummel und Gewackel gelang es schließlich. Das gelbe, schalenfreie Fruchtfleisch ließ sich herausbefördern und in ähnlich praktische Ringe schneiden, wie sie uns in gezuckerten Konservendosen aus der Südsee erreichen. Zurück blieb nur die schlaffe Schale.

Die aber hat es in sich – nämlich oft noch jede Menge ungenutzte, leckere Ananasvitamine. Denn der starre Schäler kennt nur ein Standardmaß. Erlaubt sich eine Ananas, davon abzuweichen, ist sie runder, länger oder krummer, bleibt reichlich Verschnitt an der Außenhaut hängen – und wandert ungenossen in den Biomüll. Ein trauriges, nicht eben klimafreundliches Ende für ein Exemplar, das per Jet aus Costa Rica, Ghana oder Australien eingeschwebt ist. Wer dagegen großzügig über den hohen Verschnitt hinwegsieht, der bekommt für wenig Geld einen Zeitsparer, der ihn mit den üblen Eigenschaften der Ananas vielleicht eines Tages versöhnen mag.

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