Verbraucher : Garantiertes Durcheinander

Für defekte Geräte muss nicht nur der Hersteller haften, sondern auch der Händler

Andreas Kunze

Von Gewährleistung will mancher Verkäufer nichts wissen, er verweist auf die Garantie des Herstellers. Das klingt beides ähnlich, doch der Kunde sollte sich nicht darauf einlassen.

Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie? Die Gewährleistung ist eine gesetzliche Pflicht des Verkäufers, die Garantie eine freiwillige Leistung des Herstellers. Wurde ein Garantieversprechen abgegeben, sind die Ansprüche daraus genauso einklagbar wie die aus der gesetzlichen Gewährleistung. Freiwillig ist also nur, ob der Hersteller überhaupt eine Garantie abgibt. Tut er das, muss er das Versprechen auch einlösen.

Wer mit einem defekten CD-Player oder Computer innerhalb der Gewährleistungsfrist zum Verkäufer geht, erlebt schon einmal Sprüche wie: „Tja, das müssen wir einschicken und sehen, was der Hersteller dazu meint.“ Von wegen: Der Käufer hat die freie Auswahl, von wem er eine Reparatur oder vielleicht einen Austausch fordert. Entscheidet sich der Käufer für den Verkäufer, so ist es völlig egal, was der Hersteller darüber denkt.

Dass der Verkäufer üblicherweise den Hersteller für die Reparatur einschaltet, mag durchaus vernünftig sein. Denn der Hersteller kennt ein Gerät in der Regel am besten. Dennoch bleibt der Verkäufer in der Haftung für die Gewährleistung. Nur mit ihm muss der Kunde Kontakt aufnehmen.

„In der Praxis aber kommt es immer häufiger vor, dass Verbraucher zum Beispiel teure Hotline-Nummern des Herstellers anrufen sollen, um Hilfe zu erhalten“, sagt Carel Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) in Berlin. „Da wird in unzulässiger Weise versucht, eine gesetzliche Pflicht abzuwälzen. Fakt ist: Dem Kunden dürfen keine Kosten entstehen, wenn er berechtigte Gewährleistungsansprüche geltend macht.“

Zumal Gewährleistung und Garantie keineswegs deckungsgleich sind. Die Dauer ist zwar mittlerweile in den meisten Fällen identisch, nämlich zwei Jahre. Unterschiede zeigen sich jedoch zum Beispiel beim wichtigen Punkt „unsachgemäße Behandlung“: In Garantiebedingungen ist oft geregelt, dass die Garantie dann entfällt, wenn der Kunde am Gerät herumgebastelt hat. Solche Einschränkungen sind zulässig, schließlich ist die Garantie freiwillig.

Anders sieht es bei der gesetzlichen Gewährleistung aus. Ob der Kunde sich selber schon auf Fehlersuche begeben hat, spielt in dem Fall grundsätzlich keine Rolle. Es kommt nur darauf an, ob bei der Übergabe – meistens also am Kauftag – bereits ein Fehler an der Ware vorhanden war. Innerhalb der ersten sechs Monate wird vermutet, dass das Produkt tatsächlich fehlerhaft war. Der Verkäufer müsste schon das Gegenteil beweisen. Ein Hinweis des Händlers darauf, der Kunde habe schon selber rumgeschraubt, reicht also nicht, um die Haftung loszuwerden.

Versucht wird das aber immer wieder. Das zeigte jüngst ein bundesweiter Test des Europäischen Verbraucherzentrums: Nicht einmal jeder zweite Händler war demnach bereit, fristgerecht reklamierte Geräte im Austausch mit fehlerfreien zurückzunehmen. In dem Test hatten die Verbraucherschützer bei 600 Händlern defekte Eierkocher, Toaster oder Föhne reklamiert.

„Wenn der Verkäufer bockt und auf den Hersteller verweist, sollte sich der Kunde das schriftlich geben lassen“, sagt Rechtsanwalt Udo Vetter. „Dafür genügt der Satz, dass wegen der Garantie keine Gewährleistung übernommen werde. Oder ein Zeuge kann diese Aussage bestätigen. Damit lässt sich insbesondere in den ersten sechs Monaten der Anspruch ruckzuck einklagen.“

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