Verbraucher : Gekühlt und doch nicht frisch

Viele Direktsäfte schmecken vergoren oder nach anderen Früchten. Mancher Hersteller schummelt bei der Deklaration

Jahel Mielke

Auch wenn die bunten Verpackungen mit aufgeschnittenen, saftigen Orangen im Supermarkt noch so verlockend aussehen: Mit frisch gepressten Säften können es gekühlte Direktsäfte nicht aufnehmen. Jeder zweite der Orangen- und Blutorangensäfte aus dem Kühlregal ist laut Stiftung Warentest „mangelhaft“. 14 Säfte ließ die Stiftung von Verbrauchern und geschulten Prüfern bewerten. Farbe, Geruch, Geschmack, Konsistenz und Schadstofffreiheit wurden genauso unter die Lupe genommen wie etwa die Zweckmäßigkeit der Verpackung.

Nur vier Säfte beider Sorten schnitten im Test mit „gut“ ab, davon war der Orangensaft „Frische Paradise“ mit Abstand der beste. „Noch gut“ und etwas günstiger sind der Orangen- und der Blutorangensaft der Marke „rio d’oro“ von Aldi Süd. Allein sechs Produkte wurden abgewertet, weil sie schalig, bitter oder vergoren schmeckten. Zudem enthielten drei Säfte mehr Schalenöl als erlaubt. Das Öl gelangt während des Pressens in den Saft und soll die Qualität bewahren. Zu viel kann jedoch den Geschmack in Mitleidenschaft ziehen. Allerdings: Alle Säfte im Test waren mikrobiologisch einwandfrei.

„Bemerkenswert war der Unterschied zwischen den Urteilen der Verbraucher und der geschulten Prüfer“, sagt Susan Haustein, Redakteurin bei Stiftung Warentest. Gleich zehn Mal verteilten die Konsumenten die Note „gut“ beim Geschmackstest, die Prüfer nur zwei Mal. Die Verbraucher legten besonders Wert auf eine satte gelbe oder rote Farbe.

Zu den schlechtesten Produkten im Test gehörte die Marke „Jordan“, beide Säfte erhielten ein „mangelhaft“. Die Produkte enthielten als einzige die Chemikalie ITX, die in Druckfarben vorkommt und deren gesundheitliches Risiko noch unklar ist. Außerdem warb der Safthersteller mit „erntefrischen spanischen Orangen“, obwohl beide Saftsorten keine Früchte aus Spanien enthielten. Auch der Blutorangensaft „Pure Fresh“ von Plus hält nicht das, was auf der Packung versprochen wird: Laut Deklaration handelt es sich wie bei den anderen getesteten Produkten um einen Direktsaft. Die dürfen aber nur fruchteigenes Wasser enthalten. Im Saft von Plus fanden die Tester aber Fremdwasser.

Eigentlich sollten die Direktsäfte aus dem Kühlregal so lecker schmecken wie ein frisch gepresster Saft. Die Kühlung soll dabei verhindern, dass der Geschmack bei der Lagerung leidet. Doch in den Augen der Tester hat das kein Saft aus dem Supermarkt geschafft.

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