Geldanlage : Grüne Investments: Darauf sollten Anleger achten

Finanzindustrie und Anleger sollen ihr Geld und damit die Wirtschaft in Richtung Klimaschutz lenken - das jedenfalls wünscht sich Umweltminister Röttgen. Doch das Angebot ist für den Privatanleger reichlich undurchsichtig.

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Mein Freund der Baum. Wer ihm etwas Gutes tun will, kann in Aufforstungsprojekte investieren. -Foto: dpa

Norbert Röttgen glaubt an die Kräfte des Marktes. Der Bundesumweltminister (CDU) hat durchgesetzt, dass die Förderung der Solarindustrie zurückgeschraubt wird. Er setze auf die Finanzindustrie und private Anleger, sagte Röttgen im Januar im Rahmen einer Aktionswoche zum Thema Klima und Finanzen. Diese sollen ihr Geld und damit die Wirtschaft in Richtung Klimaschutz lenken.

Für diese Initiative gibt es gute Gründe: Nach einem Report des britischen Ökonomen Nicholas Stern hat der Treibhauseffekt dramatische ökonomische Folgen. Bei ungebremster Erderwärmung könnte die weltweite Wirtschaftskraft um rund 5,5 Billionen Euro sinken – das wären 20 Prozent des globalen Wachstums. Deshalb sind Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen unerlässlich, will man nicht irgendwann den Preis bezahlen.

Den Anlegern scheint das bewusst zu sein. In einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gaben rund 73 Prozent der mehr als 1000 befragten Privatanleger an, dass ihnen die Themen Klimawandel und Klimaschutz sehr wichtig sind. Jedoch fühlen sich nur etwa 30 Prozent in Bezug auf Klimaschutzinvestments gut informiert. Der Markt für Geldanlagen mit Klimaschutzbezug wird allein in Deutschland auf jährlich 60 bis 80 Milliarden Euro geschätzt, Tendenz steigend. Doch das Angebot ist für den Privatanleger reichlich undurchsichtig.

„Investments, die wirklich zum Klimaschutz beitragen, sind dünn gesäht“, sagt Jörg Weber vom Branchendienst Ecoreporter.de. Wer Klimaaktien sucht, der sollte ganz genau hinschauen, von welchem Unternehmen er Miteigentümer werden will. „Auch manche Erdölunternehmen unterhalten Solarabteilungen, die dann gerade mal ein Prozent des Umsatzes ausmachen“, so Weber. Orientierungshilfe für die Auswahl bieten Aktienindices, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. So umfasst der Öko-Dax zehn Werte, die ausschließlich aus der Branche der erneuerbaren Energien stammen. Der Dow-Jones-Sustainability-Index wählt Konzerne aus, die innerhalb ihrer Branche die besten ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Bewertungen erzielen. Dieser Best-in- Class-Ansatz ermittelt aber eben nur den Ölkonzern, der ein bisschen umweltfreundlicher als die Konkurrenz ist.

„Vertrauen in nachhaltige Finanzprodukte wird sich nicht aufbauen lassen, wenn nur auf die Kräfte des Marktes gesetzt wird. Dazu bedarf es einer politischen Lenkung“, sagt Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. „Die Verbraucher müssen sicher sein, dass sie vor Mogelpackungen geschützt werden. Und sie müssen darauf vertrauen können, dass sie nicht in riskante oder unseriöse Anlagemodelle gelockt werden.“ Ein staatliches Gütesiegel für umweltfreundliche Finanzprodukte ist nicht in Sicht. Es bleibt also dem Anleger überlassen, sich intensiv über das Angebot und die Anlageformen zu informieren.

Experte Weber hält geschlossene Solarfonds für effektiver als Aktien, da hier nachweislich direkt in Solarparks investiert wird. Zum Kapital der privaten Anleger kommen Kredite, mit denen eine ökologische Hebelwirkung erzielt wird. Hinzu kommt: „Klimaschutz-Aktienfonds unterliegen einer enormen Schwankungsbreite“, so Weber. Als alleiniges Standbein für die Altervorsorge seien sie daher ungeeignet. Wer dennoch in Aktienfonds investieren will, sollte prüfen, wie sich der Fonds in den letzten fünf Jahren entwickelt hat.

Doch auch für das Alter lässt sich mit Hilfe von Klimaschutz-Investments vorsorgen. Eine Auswahl von mehr als 50 nachhaltigen Altersvorsorgeprodukten – Riester- oder Rürup-Rente, private oder betriebliche Altersvorsorge – listet die Forschungsinitiative Ecotopten auf.

Wer sein Geld nachhaltig und dennoch sicher anlegen will, der kann auf Tagesgeld, Festgeld oder Sparpläne bei Banken setzen, die an ökologischen Grundsätzen ausgerichtet sind. Dazu gehören die GLS Gemeinschaftsbank, die Ethik-Bank und die Umweltbank. Der Vorteil: Die Produkte sind durch den Einlagensicherungsfonds der Banken geschützt. Festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen fallen hingegen nicht unter die Einlagensicherung und sind daher vergleichsweise unsicher. Das gilt auch für Zertifikate.

Ein eher abseitiges grünes Investment ist das Baumsparen: Bei der Forest Finance Group erwirbt der Anleger Eigentum an einem aufgeforsteten Nutzholzbestand in Panama. Für monatlich 30 Euro werden pro Jahr mindestens zwölf Bäume gepflanzt und bis zur Ernte in 25 Jahren gepflegt. Am Ende der Laufzeit werden einzelne Edelhölzer aus dem Bestand herausgesucht und vermarktet. Der Rest bleibt stehen – als dauerhafter tropischer Mischwald, der dem Klima hilft. Forest Finance verspricht dem Anleger eine Rendite von bis zu 9,65 Prozent.

„Man sollte sich nicht alleine auf die Werbebroschüren der Anbieter verlassen“, warnt Ecoreporter-Chef Weber, und hat noch einen Tipp parat: Der Bereich Windkraft sei bislang unterschätzt. Denn der Solarboom der vergangenen Jahre lässt nach, auch, weil die staatliche Förderung wegfällt.

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