Geschenke : Handy vom Weihnachtsmann

Wer ein Mobiltelefon verschenken will, sollte die Gewohnheiten des Beschenkten gut kennen. Denn sonst kann ein kurzfristig billiges Geschenk langfristig ganz schön teuer werden.

David C. Lerch
Handy
Ein Prepaid-Handy erleichtert die Kontrolle über die Kosten. -Foto: dpa

„Ja, ist denn heut schon Weihnachten?“ Dieser ehemalige Werbesatz eines Mobilfunkanbieters ist wohl dank Fußball legende Franz Beckenbauer auch heute noch vielen geläufig. Die Botschaft lautet: Handys sind begehrte Geschenke, und sie steht exemplarisch für die zahlreichen Anzeigen und Angebote in der Adventszeit. Das Weihnachtsgeschäft ist hart umkämpft. Knapp sieben Millionen Handys werden nach Angaben des Bundesverbandes Technik im Einzelhandel von Oktober bis Dezember 2008 in Deutschland verkauft – die meisten kurz vor Heiligabend. Dabei ist Vorsicht angebracht. „Gerade Werber in Fußgängerzonen erzählen das Blaue vom Himmel, um einen Vertrag abzuschließen und damit Provision zu verdienen“, warnt Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin.

Wer ein Handy unter den Weihnachtsbaum legen will, muss zunächst eine Grundsatzfrage beantworten: mit oder ohne Vertrag? Sich dafür zu entscheiden, hat auf den ersten Blick einen eindeutigen Preisvorteil. Die Handys gibt es dann fast zum Nulltarif. Dafür bindet man sich zumeist zwei Jahre vertraglich an einen Anbieter. Dieses Modell ist nach Einschätzung von Christof Zenkgeräs vom Verbraucherportal Verivox inzwischen so weit verbreitet, dass viele Menschen denken, ein Handy koste eigentlich nichts. In Wahrheit funktioniere die Bezahlung nach dem Prinzip Ratenkauf: „Den tatsächlichen Preis für ein Handy holt sich der Anbieter über die Grundgebühr und die erhofften Gesprächsumsätze wieder rein.“ Ein Handy mit Vertrag ist also nur kurzfristig ein billiges Geschenk, für das Schenker oder Beschenkter langfristig zahlen müssen.

Wer einen solchen Vertrag scheut, kann ein Prepaid-Paket erwerben. Das bedeutet, man kauft ein Telefon, das mit jeweils im Voraus bezahlten Guthabenkarten funktioniert. Die Vorteile: keine monatliche Grundgebühr und leicht kontrollierbare Kosten. Doch auch bei dieser Variante muss man sich häufig an einen Anbieter binden, der mit einer eingebauten Sperre (Sim-Lock) dafür sorgt, dass nur mit seinen Karten telefoniert werden kann. Weil der Anbieter nicht davon ausgehen kann, dass regelmäßig neues Guthaben aufgeladen wird, steigt der Preis des Handys.

Ein prominentes Beispiel ist das iPhone. In Deutschland ist das Designhandy von Apple nur mit einem Vertrag von T-Mobile erhältlich. Wählt man eine Vertragsbindung mit Grundgebühr, zahlt man nach Angaben von Verivox zwischen einem und 70 Euro für das Gerät. Mit Prepaid-Paket liege der Preis bei 576 Euro. Nicht das iPhone, aber andere Handys sind auch ganz ohne vertragliche Bindung zu haben, allerdings, sagt Verbraucherschützer Ruschinzik, kosten die Handys so am meisten und sind in vielen Läden gar nicht erhältlich.

Hat man sich für eine Geschenkvariante entschieden, gilt es im zweiten Schritt, das Telefonierverhalten des Beschenkten genau unter die Lupe zu nehmen: Wie häufig wird telefoniert? Wie oft werden Festnetznummern angerufen, wie oft werden Nummern von welchen Mobilfunknetzen gewählt? Je nach Ergebnis kommen verschiedene Tarife infrage, die sich entweder in mühsamer Recherche über die Internetseiten der Mobilfunk anbieter abfragen lassen oder mit Hilfe von Beispielprofilen bei Informationsportalen wie www.teltarif.de oder www.verivox.de. Um nach den Feiertagen ein teures Erwachen zu verhindern, sollte man sein Geschenk also den Gewohnheiten des Beschenkten anpassen. Genau umgekehrt ist es dagegen, wenn Eltern ihre Kinder beschenken (siehe Kasten). Dann stehen zumeist eher pädagogische Hintergedanken im Vordergrund als attraktive Angebote.

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