Verbraucher : Gesetze für die Menschen

Die Politik muss den Verbrauchern bessere und gezielte Informationen verschaffen. Viele Politiker hätten aber nach wie vor ein falsches Bild vom Verbraucher, sagt Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV). Der Verbraucher sei weder ein Opfer, das rundum geschützt werden muss, noch ein rationaler Wirtschaftsteilnehmer, der nur kluge und kühle Entscheidungen fällt. Billen stellte kürzlich in Berlin eine wissenschaftliche Studie vor, die der VZBV in Auftrag gegeben hatte. Danach achten viele Menschen bei Preisen mehr auf die relativen Unterschiede als auf die absoluten Preise. Verbraucher könnten nur eine bestimmte Menge an Informationen aufnehmen. Entscheidungen würden zudem stark davon beeinflusst, wie ein Problem dargestellt wird und welche Handlungsalternativen dem Verbraucher vorgegeben werden. Bei Gesetzentwürfen sollte daher künftig auch abgeschätzt werden, wie die geplanten Maßnahmen auf die Verbraucher wirken, forderte Billen.

Baden-Württemberg will als erstes Bundesland diese Erkenntnisse in seiner Verbraucherpolitik umsetzen. Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) hat eine verbraucherpolitische Strategie entworfen, die auch das Fehlverhalten von Verbrauchern berücksichtigt. „Wenn die Verhaltensökonomik feststellt, dass sich unvorbereitete Verbraucher leicht am Telefon überrumpeln lassen, muss das Widerrufsrecht verbessert werden“, forderte Hauk auf einer Veranstaltung in Berlin.

Der private Konsum sei ein wesentlicher Faktor für die inländische Wirtschaftsentwicklung, sagte Hauk. Allerdings müsse der Verbraucher möglichst gut informiert sein. Besonderen Schutz bräuchten Kinder, Jugendliche und Senioren. Die Strategie seines Ministeriums soll jetzt in der Landesregierung diskutiert und beschlossen werden. VZBV-Chef Gerd Billen ist schon weiter: „Ich wünsche mir eine solche Strategie auch auf Bundesebene“, sagte er. hej

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