GEZ : Besuch vom Fahnder

Im Auftrag der GEZ versuchen Kontrolleure, Schwarzseher zu ertappen – oft mit dubiosen Methoden.

Nils-Viktor Sorge
GEZ
Mit Werbespots versucht die GEZ die Leute freiwillig zum Gebühren zahlen zu bringen. -Foto: ddp

Wenn bei Alfred Kohlmann mal wieder ein Unbekannter an der Tür klingelt, schwant ihm: Er hat es mit einem Vertreter der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) zu tun. Beim letzten Mal war es eine Frau: „Es geht um den Fernsehkabelanschluss, der wird stillgelegt", sagte sie. Für den 69-jährigen Spandauer, der nach eigenen Angaben gar keinen Kabelanschluss nutzt, war sofort klar: Es handelt sich um eine erneute Schnüffelattacke der Gebührenjäger. Anhand seiner Reaktion wollten sie offenbar herausfinden, ob er außer dem angemeldeten Radio nicht doch noch einen Fernseher besitzt.

Seit Jahren flattern Kohlmann zudem die Standardbriefe der GEZ ins Haus. Darin droht sie mit einer 1000-Euro-Strafe. Doch der Berliner sieht nicht ein, warum er jedes Mal antworten und das Porto zahlen soll: „Ich bin doch nicht deren Hampelmann", ärgert sich der Berliner. Die ständige „Nachstellerei" habe er satt. „Ich muss mich doch nicht dafür rechtfertigen, dass mir die Sendungen im Fernsehen zu dämlich sind."

Viele Deutsche reagieren zunehmend genervt auf die Annäherungsversuche der Kölner Institution und ihrer Klinkenputzer. Im Internet gibt es etliche Seiten von wahren GEZ-Hassern. Ein Hamburger Amtsgericht verhandelte Anfang des Jahres sogar einen Fall, in dem ein Geschäftsmann einen GEZ-Mitarbeiter krankenhausreif geschlagen haben soll.

Mit knapp 17 Millionen Briefen und Hunderttausenden Hausbesuchen im Jahr versucht die GEZ im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandfunk neue Gebührenzahler – im Fachjargon „Teilnehmer" genannt – zu gewinnen. Die Außendienstler schlagen dabei offenbar manchmal über die Stränge. „Gebührenbeauftragte dürfen sich nicht mit Hilfe von falschen oder vorgetäuschten Sachverhalten Informationen beschaffen", sagt der Leiter der Abteilung Rundfunkgebühren, Jürgen Gruhler, vom in Gebührenfragen bundesweit federführenden Südwestrundfunk (SWR). Doch die Verlockung ist groß. Schließlich kassieren sie Provisionen, die sich an der Höhe der geworbenen Beiträge orientieren.

Den Gesetzgeber hat die GEZ prinzipiell hinter sich: Wer ein Fernsehgerät besitzt, muss 17,03 Euro im Monat überweisen. Ein Radio ist darin schon enthalten. Allein kostet es 5,52 Euro, genauso viel wie neuerdings unter Umständen ein PC (siehe Kasten), das ist im Rundfunkstaatsvertrag so festgelegt. Die Besitzer von 39,3 Millionen Radios und 33,7 Millionen Fernsehern spülten den Anstalten 2006 knapp 7,3 Milliarden Euro in die Kassen. 1996 waren es noch weniger als fünf Milliarden.

Doch die mitunter ruppigen Methoden der GEZ-Leute an der Tür und die Datensammelleidenschaft des Unternehmens wecken Kritik. „Die Gebührenbeauftragten schreiben zum Beispiel oft munter die Namen von Klingelschildern ab", sagt Berlins oberster Datenschützer Alexander Dix. Auf diese Weise erfahren sie manchmal noch vor den Meldebehörden, wer in welches Haus und wer zu jemand anderem in die Wohnung gezogen ist. Jede Änderung erregt die Neugier der GEZ-Beauftragten, manchmal kommen sie gleich mal vorbei. „Der Rundfunkteilnehmer ist zur Auskunft verpflichtet", sagt Gruhler. Datenschützer Dix rät dagegen nicht zu übertriebener Gastfreundschaft: „Natürlich nicht in die Wohnung reinlassen."

Am Telefon oder an der Haustür geben sich die GEZ-Leute jedoch nicht immer sofort zu erkennen, haben viele Angesprochene beobachtet. „Ich will Ihnen nichts verkaufen", beteuerte ein Mann, der eines Tages in Alfred Kohlmanns Flur stand. Eine Frau war auch dabei – Kohlmann vermutet, sie wäre als Zeugin aufgetreten, falls ihr Kollege einen Fernseher erspäht hätte. Ein klares "Eindringen in die häusliche Sphäre", nennt Datenschützer Dix die Methoden der Gebühreneintreiber. Trotz der Kritik wollen die Rundfunkanstalten nicht auf die Dienste ihres schlagkräftigen Außendienstes verzichten. Gut eine halbe Million Fernseh- und etwa eine Dreiviertelmillion Radioanmeldungen gingen zuletzt pro Jahr auf dessen Konto. Auch Gewerbetreibenden rücken die Gebührenjäger nun verstärkt auf die Pelle (siehe Kasten). Die Betreiberin eines ausschließlich für Frauen bestimmten Fitnessstudios in Offenburg beklagt, zwei GEZ-Männer seien gegen ihren Willen in die Übungsräume vorgedrungen. Der SWR hält dagegen, die Fitness-Frau habe Lautsprecher für Radioübertragungen verwendet.

Möglicherweise haben solche Auseinandersetzungen aber bald ein Ende. Immer mehr Datenschützer wie Dix, aber auch Politiker fordern mittlerweile eine Reform der Rundfunkgebühren. So könne die Abgabe künftig pauschal für jeden Haushalt berechnet werden. Dann aber würde die 1100 Mitarbeiter starke GEZ einen Teil ihrer Daseinsberechtigung verlieren. Gegen derartige Kompetenzbeschneidungen hat sie sich bislang noch stets erfolgreich zur Wehr gesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar