Verbraucher : Giftgrüne Victoria

Tafeltrauben sind oft massiv mit Pestiziden verseucht – doch den Händlern ist das egal: Sie halten an ihren Lieferanten fest

Anselm Waldermann

Der Appetit auf Weintrauben kann einem derzeit gründlich vergehen, denn die Stiftung Warentest schlägt Gift-Alarm. Bei Stichproben im Berliner Einzelhandel stellten die Verbraucherschützer fest: Grüne Tafeltrauben sind oft massiv mit Pestiziden verseucht. Diese stark belasteten Trauben hätten eigentlich gar nicht verkauft werden dürfen. Doch noch erschreckender ist: Die betroffenen Einzelhändler wollen auf das Testergebnis überhaupt nicht reagieren. Sie halten an ihren bisherigen Lieferanten fest.

Die Stiftung Warentest hatte ermittelt, dass mehr als die Hälfte der untersuchten grünen Weintrauben mit Pestiziden belastet waren. Insgesamt wiesen die Tester 25 verschiedene chemische Substanzen nach – oft weit über den zulässigen Grenzwerten. „Skandalös“ findet das Heidrun Franke, Ernährungsexpertin von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Wozu gibt es Grenzwerte, wenn sich niemand daran hält?“

Beispiel Galeria Kaufhof: Hier hat die Stiftung Warentest insgesamt vier verschiedene Pestizide in Trauben der südafrikanischen Sorte „Victoria“ gemessen. Eine der Substanzen, Flufenoxuron, überschritt den zulässigen Grenzwert, so dass die Trauben als „stark belastet“ bewertet wurden. Doch Kaufhof will das offenbar nicht wahrhaben. „Wir lassen unsere Lieferungen regelmäßig von externen Instituten überprüfen. Wir haben dabei keinerlei Überschreitungen der Höchstmengen festgestellt“, sagte ein Kaufhof-Sprecher dem Tagesspiegel.

Zudem habe Kaufhof im Juli und August, als die Stiftung Warentest ihre Proben durchführte, gar keine Trauben aus Südafrika im Sortiment gehabt. „Wenn überhaupt, dann waren es italienische Trauben“, sagte der Sprecher. „Absoluter Quatsch“, entgegnet Heike van Laak, Sprecherin der Stiftung Warentest. „Wenn es tatsächlich so wäre, hätten die uns doch längst verklagt.“

Aus dem Sortiment kann Kaufhof die Trauben jedenfalls nicht mehr nehmen. „Die sind jetzt schon verkauft“, sagte der Sprecher. Auch für die Zukunft sei eine gesonderte Überprüfung der Sorte „Victoria“ nicht geplant.

Ähnlich sieht es im Berliner KaDeWe aus. Hier hatten die Tester in der italienischen Traubensorte „Earl Sweet seedless“ drei Pestizide nachgewiesen, teilweise lag deren Gehalt bei mehr als 50 Prozent der zulässigen Höchstmengen. Damit sind die Trauben „deutlich belastet“. Besonders pikant: Mit sechs Euro je Kilo waren die KaDeWe-Trauben die teuersten der Untersuchung. Doch im KaDeWe heißt es nur, die Stiftung Warentest habe mit „unfairen Messmethoden“ gearbeitet, weil sie einzelne Beeren herausgepickt habe. Eine Reaktion auf das Testergebnis sei daher nicht nötig. Ohnehin habe man erst durch die Recherchen des Tagesspiegel von dem Problem erfahren.

Bekömmlicher sind da die Trauben der Supermarktkette Edeka. Deren spanische Sorte „Superior seedless“ befanden die Tester für „sehr gering belastet“. Das gute Ergebnis scheint kein Zufall zu sein: Denn Edeka schließt mit seinen Lieferanten exklusive Abnahmeverträge ab. Dadurch kann das Unternehmen jedem einzelnen Produzenten bestimmte Anbau-Standards vorschreiben.

„Außerdem führen wir bei allen Lieferanten direkt auf der Plantage Pestizidkontrollen durch“, erklärt Edeka-Sprecherin Marliese Kalthoff. Als dem Unternehmen beispielsweise im Mai dieses Jahres pestizidverseuchte Erdbeeren aus Marokko angeboten wurden, habe man diese sofort zurückgewiesen. „Schließlich stehen wir bei den Kunden mit unserem Namen im Wort“, sagt Kalthoff.

Doch selbst in den Trauben von Edeka musste die Stiftung Warentest ein Pestizid feststellen – wenn auch in sehr geringer Menge. Vollkommen unbelastet war der Untersuchung zufolge nur eine einzige Traubensorte: Die italienische „Sublima“, die die Tester in einem Bioladen entdeckten.

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