Verbraucher : Gold vom Baum

Bernd Matthies

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testet Arganöl

Schnäppchenjäger müssen heute woanders suchen – das hier wird etwas hart. 250 Milliliter Arganöl der Marke „Argan d’ Or“ kosten 29,80 Euro, viel mehr, als der Ferrari-Fahrer für Motoröl ausgibt.

So, das wäre raus, und nun können wir uns in aller Ruhe mit einem Produkt befassen, das in der Welt der Lebensmittel archaisch dasteht wie kaum etwas anderes. Der Arganien-Baum ist die Lebensgrundlage der Amazigh-Berber im Südwesten Marokkos; die Früchte verbergen hinter extrem harter Schale maximal drei kleine Kerne, die auf offenem Feuer geröstet, in Steinmühlen gemahlen und mit Wasser zu einem Teig geknetet werden, bis sich das Öl herauslöst. 30 Kilo Früchte bringen einen Liter, jedenfalls, sofern es sich nicht um maschinell extrahiertes Öl handelt. „Argan d’ Or“ wird traditionell erzeugt, es ist von der Jury der „BioFach“ 2005 zum Produkt des Jahres ernannt worden. Es steht in vielen Bio-Läden, zum Beispiel bei „Biolüske“ in Lichterfelde oder in der Galeria Kaufhof (www.argandor.de).

Dem Öl werden wahre Wunderdinge nachgesagt, es soll wegen seines enorm hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren Cholesterin senken, Rheuma lindern, Krebserkrankungen vorbeugen. Das haben wir naturgemäß nicht überprüfen können. Aber kosten konnten wir es, so wie es viele enthusiastische Küchenchefs bis rauf zum großen Witzigmann getan haben. Nussig, auf jeden Fall. Sehr intensiv, an Walnussöl erinnernd, aber kräftiger und subtiler gleichzeitig. Das bedeutet, dass es wenig Sinn hätte, größere Mengen zum Braten oder Anrühren von Mayonnaise zu benutzen.

Versuchen wir also einen Kartoffelsalat aus hübsch festen Grenaille-Kartoffeln. Noch warm mit Geflügelbrühe und Gegenbauer-Tomatenessig vermengt, dazu zwei Esslöffel Argan d’ Or. Hmmm! Exquisiter geht auch. Hummer, warum nicht, feine Blattsalate, Tatar wäre perfekt. Der Vertrieb präsentiert ein Rezept für Mandarinensorbet mit Joghurt und Arganöl, womit auch die Eignung fürs Dessert angedeutet wäre. Keine Frage: Dieses Öl hat den kulinarischen Rang von Trüffeln, Kaviar und Austern – in einem Atemzug mit dem scheußlichen, stets künstlich aromatisierten Trüffelöl sollte es auf keinen Fall genannt werden; ähnlich verwendet werden wie jenes kann es durchaus. Teuer, ja. Aber wer das Geld für den Genuss allein nicht ausgeben mag, der kann den Kauf ja als Beitrag zum Schutz einer einzigartigen Kulturlandschaft verstehen.

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